Ein großer Teil der Wahrheit ist aber, dass der Präsident mit einer 64er-WM seine Position als Alleinherrscher im Weltfußball festigen könnte. Mehr Spiele bedeuten mehr Geld, das er den Mitgliedern anbieten könnte, die ihn 2027 im Amt bestätigen sollen. Die Aussicht auf mehr Startplätze ist ebenfalls ein überzeugendes Argument im Wahlkampf. Besonders nach dem WM-Skandal um die Aufhebung der Rot-Sperre des US-Amerikaners Folarin Balogun.
Die Debatte um ein Turnier mit noch mehr Teilnehmern ist nicht neu. Schon 2030 könnte dies der Fall sein. Neben den Hauptausrichtern Spanien, Portugal und Marokko sollten ursprünglich auch Paraguay, Uruguay und Argentinien je ein Spiel bekommen. Doch schon im Vorjahr warb unter anderem Alejandro Domínguez, Präsident des südamerikanischen Fußballverbands CONMEBOL, dafür, 64 Teams zuzulassen, um das 100-jährige Jubiläum der Turnierpremiere 1930 in Uruguay zu würdigen.
Das könnte in der Folge bedeuten, dass die Südamerikaner mehr Spiele als zunächst geplant erhalten. Statt der aktuell 104 gäbe es 128 Partien, falls die WM dann in 16 Viererstaffeln (Gruppe A bis P!) ausgetragen werden würde. Schon jetzt dauert das Turnier bis zum Finale am kommenden Sonntag in New York knapp über fünf Wochen.
Eine WM mit 16 Mannschaften mehr wäre kaum in unter sechs Wochen durchführbar. Eine Erleichterung wäre eine Aufstockung in jedem Fall bei der Rechnerei nach der Gruppenphase. Das Wirrwarr um die besten Dritten fiele weg, und wie früher kämen die besten zwei Teams weiter. Nur das neu eingeführte Sechzehntelfinale bliebe.
Im Falle einer erneuten Reform würden sich von den 211 FIFA-Mitgliedsverbänden gut 30 Prozent für die WM qualifizieren.
Im Falle einer erneuten Reform würden sich von den 211 FIFA-Mitgliedsverbänden gut 30 Prozent für die WM qualifizieren. Für Infantino ist dies aber kein Argument dagegen, sondern vielmehr dafür. „Jede Nation soll davon träumen dürfen, bei der Weltmeisterschaft dabei zu sein“, sagte der 56-Jährige. Gerade erst hätten vermeintlich kleine Teams wie Kap Verde den Beweis geliefert, dass von einer Verwässerung keine Rede sein könne.
Selbst eine stolze und große Fußballnation wie Italien, die zum dritten Mal in Folge eine WM verpasste, dürfte angesichts der Überlegungen jubeln, wie Infantino vor dem Turnier beim brasilianischen Sender CazeTV witzelte: „Vielleicht qualifiziert sich Italien bei 64 Teams. Oder wir könnten sogar auf 208 Mannschaften gehen.“ (mn/sid)

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