Belgien stehe vor einer „titanischen Herausforderung“, heißt es in der Analyse. Genannt werden die steigenden Kosten der Alterung, die Zinszahlungen auf die Staatsschuld sowie zusätzliche Investitionen in die Verteidigung. All dies mache die Ausarbeitung eines mehrjährigen Haushalts besonders schwierig.
Auch die Finanzmärkte schauen zunehmend kritisch auf Belgien. Das zeigt sich am sogenannten Spread, also am Zinsabstand zwischen belgischen und deutschen Staatsanleihen. Deutschland gilt auf den Anleihemärkten als besonders sicherer Schuldner und dient deshalb häufig als Vergleichsmaßstab. Muss Belgien höhere Zinsen zahlen als Deutschland, bedeutet das: Anleger verlangen einen Risikoaufschlag, weil sie die belgischen Staatsfinanzen skeptischer beurteilen. Laut ING ist in diesem Zinsabstand bereits die Möglichkeit einer weiteren Herabstufung der belgischen Kreditwürdigkeit eingepreist. Eine solche Herabstufung hält die Bank in diesem Jahr allerdings für wenig wahrscheinlich.
Auch für die Eurozone insgesamt fallen die Aussichten verhalten aus. Das Wachstum dürfte in diesem Jahr kaum über 0,5 Prozent hinauskommen, so die Einschätzung der Bank. Für die kommenden Jahre sei nur mit einer begrenzten Beschleunigung zu rechnen. In den ersten 20 Jahren der Währungsunion habe das durchschnittliche Wachstum noch bei 1,5 Prozent gelegen. Ohne deutliche Produktivitätssteigerungen drohe die demografische Entwicklung das Potenzialwachstum jedoch auf unter ein Prozent zu drücken, warnt Peter Vanden Houte, Chefökonom der ING. Besser stellt sich die Lage laut ING in den USA dar. Dort legten die Investitionen im Technologiesektor stark zu, zudem beginne Künstliche Intelligenz sichtbar zu Produktivitätsgewinnen beizutragen. Für 2026 rechnet die ING deshalb mit einem Wachstum der US-Wirtschaft von rund zwei Prozent.
Die Inflation sieht die Bank noch nicht vollständig unter Kontrolle. Grund seien Zweitrundeneffekte – also wenn ein erster Preisschock weitere Preis- und Lohnsteigerungen nach sich zieht – nach dem ursprünglichen Inflationsschub, der durch den Energieschock infolge des Konflikts im Nahen Osten ausgelöst worden sei. Vor diesem Hintergrund könnte die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen im Laufe des Jahres ein weiteres Mal anheben. Dass EZB-Chefökonom Philip Lane darauf hinweise, dass die Schätzungen für den neutralen Zinssatz auf rund 2,5 Prozent angehoben worden seien, deute aus Sicht von ING auf eine weitere Zinserhöhung hin.
An den Finanzmärkten stellt ING fest, dass selbst die nahezu vollständige Schließung der Straße von Hormus nicht ausgereicht habe, um die Börsen nachhaltig zu verunsichern. Diese würden weiterhin von starkem Gewinnwachstum der Unternehmen getragen, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz sowie in den Schwellenländern. Trotz des starken Interesses an Aktien von KI-Unternehmen hält ING die Sorge vor einer Börsenblase derzeit für unbegründet. (belga/nico)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren