„Killer“ und „absolutes Phänomen“: Alle lieben Undav

<p>Drei Tore, zwei Vorlagen: Deniz Undav trumpft bei der WM als Joker auf.</p>
Drei Tore, zwei Vorlagen: Deniz Undav trumpft bei der WM als Joker auf. | Foto: Photo News

Super-Joker Deniz Undav nahm die silberne Matchwinner-Trophäe aus den Händen von Eishockey-Star Leon Draisaitl mit einem Lächeln entgegen. „Die geht zur Frau“, sagte er verschmitzt. Dass ihm ein Zeh schmerzte, weil die Kollegen im Jubelrausch über sein Siegtor „alle draufgetreten“ waren – geschenkt. Und auch, dass ihm „leider“ sein geliebter Döner als Belohnung verwehrt blieb, konnte seine überragende Laune nicht lange trüben. „Da muss ich durch“, sagte Undav, wenige Stunden später kletterte er mit einem breiten Lächeln aus dem Siegerflieger.

„Ich freue mich übertrieben“, sagte der Stürmer nach seinem umjubelten Doppelpack zum Gruppensieg gegen die Elfenbeinküste (2:1) um den Ex-Eupener Emmanuel Agbadou. Neun Tore in den jüngsten acht Länderspielen, schon drei in zwei WM-Partien mit zwei Vorlagen, eine Torbeteiligung alle elf (!) Minuten – Undav ist der Mann der Stunde. „Ich musste wieder lachen, selbst in Toronto wird mein Name gerufen, nicht nur in Stuttgart“, sagte der VfB-Profi und schwärmte: „Ich genieße es, ich nehme es mit.“

Das 0:0 zwischen Curacao und Ecuador machte Deutschland zum Gruppensieger.

Wie die Debatte um seine Jokerrolle, die der Fanliebling höchstselbst befeuert hatte. Muss er im weiteren Turnierverlauf nicht in die Startelf? „Das ist doch top für ihn gerade“, wiegelte Julian Nagelsmann lachend ab, „viel mehr Entscheider als er kann man nicht sein. Warum sollte ich seinen Flow jetzt brechen? Seine Rolle erfüllt er herausragend.“ Doch auch der Bundestrainer, der Undav nach dem Schlusspfiff mit einem Sieger-Brüller und einer robusten Umarmung „überfallen“ hatte, kennt die andere Seite. Undav sei „ein Vollblutstürmer, der weiß, wo das Tor steht“, bekannte er: „Er ist superschlau in der Bewegung, hatte vor dem zweiten Tor einen Sensationskontakt, Wahnsinn.“ Es sei daher „nicht ausgeschlossen“, dass der Stuttgarter mal beginne. „Wir werden beides diskutieren, auch mit Deniz“, ergänzte Nagelsmann, das Ergebnis nahm er aber schon vorweg: „Tief im Herzen ist er zufrieden, wie es läuft.“ Undav bekräftigte dies. „Wir haben ein gemeinsames Ziel, wenn es gerade so gut funktioniert...“, sagte er und betonte: Das Wichtigste sei immer das Team.

<p>Mit der AS Eupen stand er 2021 und 2022 im Pokalhalbfinale, aktuell bestreitet Emmanuel Agbadou seine erste WM.</p>
Mit der AS Eupen stand er 2021 und 2022 im Pokalhalbfinale, aktuell bestreitet Emmanuel Agbadou seine erste WM. | Foto: dpa

Das klang überaus glaubhaft, auch wenn Mats Hummels zu Bedenken gab: „Sie können ja mal André Schürrle fragen, ob er glücklich mit 2014 war.“ Schürrle war der Super-Joker der Rio-Weltmeister – und legte im Finale den Siegtreffer von Mario Götze auf. Undav glänzt ebenfalls als Vorbereiter von der Bank und als eiskalter Vollstrecker.

„Deniz ist ein absoluter Killer vor dem Tor“, sagte Nadiem Amiri, der ihm das 1:1 aufgelegt hatte. Per Mertesacker nannte ihn im ZDF „ein absolutes Phänomen“, Thomas Müller schwärmte bei MagentaTV von Undavs „Stürmer-Gen“ und meinte: „Immer, wenn die Räume aufgehen: viel Spaß mit Undav!“

Also bleibt er Joker, „pusht“ die anderen, wie Abwehrchef Jonathan Tah lobend hervorhob, und hält ansonsten still? „Ich versuche einfach nur, meinen Job zu machen“, beteuerte er. Aber Döner statt immer nur Nudeln nach dem Spiel, das wäre schon mal nett.

Sorgen um Schlotterbeck: „Es sieht nicht gut aus“

Deutschlands Nationalspieler Nico Schlotterbeck droht bei der WM eine längere Pause. Der Innenverteidiger von Borussia Dortmund habe „irgendwas am Innenband, er muss morgen ins MRT. Es sieht auf jeden Fall nicht ganz so gut aus - leider“, sagte Bundestrainer Julian Nagelsmann nach dem 2:1-Sieg gegen die Elfenbeinküste. Eine Untersuchung am Sonntag soll genaueren Aufschluss über die Schwere der Verletzung geben, MagentaTV berichtete vom Verdacht auf einen Innenbandriss.

Schlotterbeck war am Samstag zur Pause angeschlagen ausgewechselt worden. Der 26-Jährige klagte in Toronto nach einem Zweikampf mit Amad Diallo über Schmerzen.

Schlotterbeck wurde zunächst mit Eis behandelt, kam wieder ins Spiel und wurde dann doch ausgetauscht. Nagelsmann entschied sich für Antonio Rüdiger als Ersatz. „Er hat die Qualität mit dem linken Fuß im Spielaufbau, diese Verlagerungsqualität können wir nicht eins zu eins ersetzen“, sagte Experte Thomas Müller bei MagentaTV über einen möglichen Schlotterbeck-Ausfall. (sid/tf)

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