Höhere Mächte: Flüche, Gebete und Glücksbringer im Fußball

<p>Sylvester Stallone vor der Rocky-Statue in Philadelphia. Die Statue spielt bei der Fußball-WM eine Rolle in einer kuriosen Geschichte über Aberglauben im Sport.</p>
Sylvester Stallone vor der Rocky-Statue in Philadelphia. Die Statue spielt bei der Fußball-WM eine Rolle in einer kuriosen Geschichte über Aberglauben im Sport. | Foto: Photo News

Vor ihrem Auftaktspiel bei der WM zogen ecuadorianische Fans der Rocky-Statue in Philadelphia, die an den von Sylvester Stallone verkörperten Filmboxer erinnert, ein gelbes Nationaltrikot über. Später verlor Ecuador gegen die Elfenbeinküste. Für viele war klar: Der Fluch der Statue hat wieder zugeschlagen. In Philadelphia hält sich die Überzeugung hartnäckig: Wer „Rocky“ einkleidet, verliert. Die Tourismusbehörde des Bundesstaates Pennsylvania hat die übrigen WM-Teams sogar augenzwinkernd davor gewarnt, es den Ecuadorianern gleichzutun. Der Glaube an Glück, Pech und unerklärliche Kräfte ist im Fußball tief verwurzelt. Ein berühmtes Beispiel stammt aus Portugal: Anfang der 1960er Jahre gehörte Benfica Lissabon zu den besten Mannschaften Europas. Unter dem ungarischen Trainer Béla Guttmann gewann der Verein 1961 und 1962 den Europapokal der Landesmeister. Dann kam es zum Bruch. Guttmann verließ den Verein im Streit. Der Legende nach soll er beim Abschied erklärt haben, Benfica werde in den nächsten hundert Jahren keinen europäischen Titel mehr gewinnen. Ob er das tatsächlich so gesagt hat, ist umstritten. Unbestritten ist dagegen, dass Benfica danach eine bemerkenswerte Serie verlorener Endspiele erlebte. 1990 soll das zu einer außergewöhnlichen Szene geführt haben. Vor dem Europapokalfinale in Wien, der Stadt, in der Guttmann begraben liegt, soll Vereinsikone Eusébio dessen Grab auf dem Zentralfriedhof besucht haben, um den verstorbenen Trainer um Vergebung zu bitten und den Guttmann-Fluch zu beenden. Es half alles nichts: Benfica verlor das Finale trotzdem.

Während die einen an Flüche glauben, setzen andere auf himmlische Unterstützung. Vor Spielen bekreuzigen sich Fußballer, zeigen nach Toren in den Himmel oder sprechen gemeinsam ein Gebet. Auch bei dieser WM ist das zu sehen. Nach dem 7:1-Auftaktsieg Deutschlands gegen Curaçao bildete Torschütze Felix Nmecha mit Jonathan Tah und mehreren Gegenspielern einen Gebetskreis auf dem Rasen. Selbst der Vatikan blieb nicht unberührt. Als Papst Johannes Paul II. 1987 das Ruhrgebiet besuchte, wurde er Ehrenmitglied von Schalke 04. Das hatte mit der Geschichte des Reviers zu tun. Viele Schalke-Anhänger hatten familiäre Wurzeln in der Heimat des polnischen Papstes. Für die Fans war diese Verbindung etwas ganz Besonderes.


In der Kolumne „Nachspielzeit“ blickt die GrenzEcho-Redaktion während der Fußball-Weltmeisterschaft auf die Geschichten des Turniers – auf und neben dem Platz.

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