Nationaltrainer Rudi Garcia bot zum WM-Auftakt in Seattle die erwarteten Namen auf, bei Temperaturen um die 30 Grad ließ er die Roten Teufel mit einer Viererkette verteidigen. Während Ngoy seinen Platz in der Innenverteidigung neben Mechele behielt, startete Castagne als Linksverteidiger.
Er hatte unter anderem die Aufgabe, Geburtstagskind und Ägypten-Superstar Mo Salah aus dem Spiel zu nehmen. In der belgischen Sturmspitze begann De Ketelaere, während mit Fernandez-Pardo und vor allem Lukaku zwei wertvolle Optionen auf der Bank lauerten.

Vor knapp 66.000 Zuschauern stand Belgien vor der auf dem Papier schwersten Aufgabe der Gruppenphase – seit der WM 2014 in Brasilien hatten die Roten Teufel ihre Auftaktspiele jeweils für sich entschieden. Nationaltrainer Rudi Garcia sang die Brabançonne mit, seine Offensive kam in der 7. Minute zum ersten Abschluss: Kevin De Bruyne traf den Ball nicht richtig, sein Schuss strich von der Strafraumgrenze links am Tor vorbei.
Gegen physisch starke und aggressive Ägypter benötigte Belgien zunächst Geduld. Auf der linken Außenbahn wurde Doku konsequent und hart in die Deckung genommen. Dass sich in der Anfangsphase gleichzeitig immer wieder kleine Pass- und Stellungsfehler in das belgische Spiel einschlichen, wurde in der 20. Minute bestraft: Ashour kam mit zu viel Platz aus der zweiten Reihe zum ersten Abschluss der Ägypter. Der bis dahin nicht geforderte Courtois streckte sich vergeblich, als der Ball zum 0:1 einschlug.

Die Trinkpause direkt danach kam Belgien gelegen – Garcia dürfte sie zu einer (taktischen) Ansage genutzt haben, denn seine Schützlinge taten sich vor allem in der gegnerischen Hälfte schwer. Auch nach einer halben Stunde kam die Offensive des WM-Dritten von 2018 nicht in Fahrt, weshalb Doku auf die rechte und Trossard auf die linke Außenbahn wechselte. Ein überzeugendes Ägypten setzte indes immer wieder Nadelstiche und schwärmte über die Mittellinie aus. So musste Courtois in der 33. Minute einen guten Abschluss von Ziko parieren.
Belgien vor der Pause enttäuschend – Courtois muss mehrfach eingreifen.
WM-reif war die Vorstellung der Teufel in den ersten 45 Minuten nicht, vielmehr ernüchternd. Dass De Ketelaere einen Abschluss von De Bruyne unfreiwillig abblockte, sprach Bände (42.). In der Nachspielzeit des ersten Durchgangs dann doch noch Alarm im ägyptischen Strafraum: Nach Vorarbeit von De Ketelaere schoss Doku über das Tor. Ein zu Recht unzufrieden wirkender Garcia sah von der Seitenlinie, wie ManCity-Star Marmoush nach einem Fehler von Ngoy noch zum Abschluss kam.

Nach der Pause musste mehr von Belgien kommen, stattdessen gerieten die Roten Teufel erneut ins Wanken: Ägypten spielte sich wieder in den Strafraum, wo Castagne gleich zweimal gegen Ziko und Marmoush blockte (48.). In der 53. Minute bot sich Belgien dann die Riesenchance zum Ausgleich, als ein starker Freistoß von De Bruyne an den Pfosten klatschte.
Kaum war die bis dahin beste Gelegenheit der Roten Teufel vergeben, hätte es auf der Gegenseite beinahe zum womöglich vorentscheidenden 0:2 geklingelt: Courtois wehrte einen Kopfball von Salah direkt vor die Füße von Ashour ab, der aus aussichtsreicher Position deutlich verzog. Riesenglück für Belgien, das kurz darauf wechselte: Raskin und De Cuyper kamen für Castagne und Onana ins Spiel. Mit zwei frischen Kräften war Belgien noch gut mit dem Ein-Tor-Rückstand bedient. Ägypten machte seinem Ruf als stärkster Gegner in Gruppe G alle Ehre.

Aber: Nach rund einer Stunde wurden die Roten Teufel stärker und schienen zu ihrem Spiel zu finden. Während ein wuchtiger Schuss von Tielemans am Tor vorbeirauschte, machte sich auch Lukaku am Seitenrand einsatzbereit. Der belgische Rekordtorschütze kam, sah – und zwang Hany zu einem Eigentor: Nur 23 Sekunden nach seiner Einwechslung brachte Lukaku Belgien zurück in die Partie, indem er im Zentrum gemeinsam mit zwei ägyptischen Verteidigern in eine Hereingabe von Meunier rutschte.
Der Ausgleich tat den in Rot gekleideten Belgiern gut: Lukaku zielte in der 79. Minute nach einer guten Kombination auf einen ägyptischen Verteidiger. Drei Minuten später verhinderte Shobeir im ägyptischen Tor den Führungstreffer des aufgerückten Mechele, dessen Kopfball gefährlich in Richtung 2:1 segelte. Mit dem immer näher rückenden Schlusspfiff brachte Garcia noch Vanaken (für De Bruyne) und Fernandez-Pardo (für Doku) ins Spiel. Kaum standen beide auf dem Feld, bot sich Lukaku die große Chance auf die Entscheidung. Aus zentraler Position köpfte er jedoch über das Tor. Auch Ägypten hoffte noch auf den Sieg und suchte immer wieder den Weg nach vorne.
So blieb es beim 1:1 – Belgien rettete immerhin einen wichtigen Punkt und verhinderte einen heftigen Fehlstart in die Weltmeisterschaft. Sein zweites von drei Gruppenspielen absolviert Belgien am Sonntagabend (21 Uhr MESZ). In Los Angeles geht es dann gegen den Iran.
Namen & Fakten zum Spiel
Belgien: Courtois – Meunier, Ngoy, Mechele, Castagne (57. Raskin) – Onana (57. De Cuyper), Tielemans, De Bruyne (86. Vanaken) – Trossard, Doku (86. Fernandez-Pardo) – De Ketelaere (66. Lukaku)
Ägypten: Shobeir - Hany, Ibrahim, Fathi (89. Adel) - Zico (76. Zizo), Lasheen, Ateya, El Fotouh, Ashour (71. Rabia) - Salah (76. Abdelkarim), Marmoush
Tore: 0:1 Ashour (20.), 1:1 Hany (66., Eigentor)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren