Dabei hat Garcia im Vereinsfußball bereits nahezu alles erlebt. Der frühere Trainer von AS Rom, Olympique Marseille, Olympique Lyon und SSC Neapel stand auf den größten Bühnen Europas. Doch eine WM sei noch einmal etwas Besonderes. „Bisher kannte ich in meiner Karriere nur den Vereinsfußball“, erklärte Garcia am späten Sonntagabend bei einem Pressetermin im Basecamp der Roten Teufel in Renton. „Für einen Vereinstrainer ist es der heilige Gral, Meister zu werden, einen Pokal zu gewinnen oder in europäischen Wettbewerben weit zu kommen. Für einen Nationaltrainer ist die Teilnahme an einer Weltmeisterschaft der heilige Gral. Für mich ist es die erste, und wir werden alles geben.“
Holpriger Start nach der Tedesco-Ära
Garcia übernahm die belgische Nationalmannschaft im Frühjahr 2025 nach der Entlassung von Domenico Tedesco. Dessen Kredit war nach einer enttäuschenden Europameisterschaft in Deutschland und schwachen Auftritten in der Nations League aufgebraucht.
Der Start des Franzosen verlief zunächst durchwachsen. In den Nations-League-Play-offs setzte es zunächst eine enttäuschende 1:3-Niederlage gegen die Ukraine. Erst das 3:0 im Rückspiel in Genk sicherte den Klassenerhalt in der A-Division.

Auch die WM-Qualifikation begann nicht reibungslos. Ein 1:1 in Nordmazedonien ließ Zweifel aufkommen. Wenige Tage später folgte zwar ein spektakulärer 4:3-Erfolg gegen Wales, doch auch dort verspielten die Belgier zwischenzeitlich eine 3:0-Führung.
Im weiteren Verlauf wechselten überzeugende Auftritte mit unerwarteten Rückschlägen. Klare Siege gegen Liechtenstein und Kasachstan standen einem enttäuschenden 0:0 gegen Nordmazedonien sowie einem weiteren Punktverlust in Kasachstan gegenüber. Das WM-Ticket wurde letztlich erst am letzten Spieltag mit einem deutlichen 7:0 gegen Liechtenstein endgültig gesichert.
Plötzlich stimmt die Form
Noch im Frühjahr hinterließ die Nationalelf einen wechselhaften Eindruck. Gegen die USA gelang zwar ein 5:2-Sieg, doch vor allem die erste Halbzeit verlief alles andere als überzeugend. Wenige Tage später kam Belgien mit einer B-Elf gegen Mexiko nicht über ein 1:1 hinaus.

Die Wende folgte ausgerechnet unmittelbar vor der WM. In Rijeka überraschte Garcia mit einer Dreierkette und einem als Innenverteidiger eingesetzten Amadou Onana. Belgien gewann verdient mit 2:0 gegen Kroatien, immerhin WM-Dritter von 2018 und 2022. Romelu Lukaku meldete sich bei seinem Comeback direkt mit einem Treffer zurück.
Auch das anschließende 5:0 gegen Tunesien sorgte für Aufbruchstimmung. Besonders Nathan Ngoy spielte sich dabei in den Vordergrund. Der Verteidiger von Lille überzeugte sowohl in einer Dreier- als auch in einer Viererkette und könnte angesichts der Verletzung von Zeno Debast zu einer wichtigen Figur werden. Zudem brachte Neuling Matias Fernandez-Pardo zusätzliche Optionen für die Offensive.
Die Ausgangslage ist vielversprechend
Entsprechend optimistisch blicken viele belgische Fans inzwischen auf das Turnier. Die Roten Teufel erwischten eine vergleichsweise günstige Vorrundengruppe mit Ägypten, Iran und Neuseeland. Sollte Belgien Gruppensieger werden, würde im Achtelfinale ein Gruppendritter warten.
Ein weiterer Vorteil: Sowohl die Zwischenrunde als auch ein mögliches Achtelfinale würden in Seattle stattfinden. Die Mannschaft könnte somit in ihrem Basislager bleiben und lange Reisen vermeiden. Erst für ein mögliches Viertelfinale wäre ein Umzug nach Los Angeles erforderlich.
Für Garcia geht es aber nicht nur um den sportlichen Erfolg. Sein Vertrag beim belgischen Verband läuft nach der Weltmeisterschaft aus, über seine Zukunft wurde bislang nicht entschieden. Vorerst zählt jedoch nur der Auftakt gegen Ägypten. Mit dem Anpfiff in Seattle beginnt für den Franzosen die Jagd nach jenem „heiligen Gral“, von dem er am Sonntagabend gesprochen hat. (belga/calü)

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