[Video] Buch „ne wracke Wönk“: Jupp Hammerschmidt erinnert an Dorfleben, Mundart und Schmugglergeschichten aus der alten Eifel

<p>Jupp Hammerschmidt vor dem Verlagsgebäude von GE-Media in Eupen mit seinem neuen Buch „ne wracke Wönk“. Darin blickt der Autor auf die Eifel seiner Kindheit und Jugend zurück – von Kaffeeschmuggel und Narzissenwiesen bis zur legendären Beatmesse.</p>
Jupp Hammerschmidt vor dem Verlagsgebäude von GE-Media in Eupen mit seinem neuen Buch „ne wracke Wönk“. Darin blickt der Autor auf die Eifel seiner Kindheit und Jugend zurück – von Kaffeeschmuggel und Narzissenwiesen bis zur legendären Beatmesse. | Foto: David Hagemann

Der neue Band ist im Grenz-Echo Verlag (GEV) erschienen und versammelt mehr als 30 Geschichten aus dem Dorf Höfen (Monschau). Er zeichnet das Bild einer Eifel, die heute vielerorts verschwunden ist.

Hier Jupp Hammerschmidt im (engagierten) Interview

Dass der Autor eigentlich anders heißt, wissen viele Leser nicht. Bürgerlich trägt Jupp Hammerschmidt den Namen Wendelin Rader. Wie es zu seinem Künstlernamen kam, erzählt er mit dem ihm eigenen Humor: „Meine Eltern hatten mir den Vornamen ,Wendelin‘ verpasst – Hauptsache, katholisch, der heilige Wendelin war ein Schweinehirte aus Trier –, sodass ich bürgerlich ,Wendelin Rader‘ heiße. Unter dem Namen ,Wendelin‘ habe ich, vor allem in der Schule, sehr gelitten, ich fand ihn auch von Anfang an sehr un-eiflerisch, und wo ich einmal dabei war, mir einen neuen Namen zuzulegen, habe ich dann ,Jupp Hammerschmidt‘ gewählt – das schien mir insgesamt viel Eifel-kompatibler.“

Eine Welt vor der offenen Grenze

Seine Geschichten führen zurück in die 1950er-, 60er- und 70er-Jahre. Warum gerade diese Zeit im Mittelpunkt steht, erklärt Jupp Hammerschmidt mit seiner eigenen Biografie: „Ich kenne Höfen hauptsächlich aus dieser Zeit. Und finde, dass diese Jahre das Dorf mehr als spätere und sehr nachhaltig geprägt und geformt haben.“ Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr verließ er die Heimat zunächst in Richtung Aachen. Die Erinnerungen an das frühere Dorfleben blieben jedoch lebendig. Viele Leser aus Ostbelgien dürften sich in den Schilderungen wiederfinden. Die Lebenswirklichkeit in den Dörfern der belgischen und der deutschen Eifel unterschied sich damals oft weniger, als man heute vermuten könnte. Bewusst war Hammerschmidt diese Nähe allerdings lange nicht. „Wir hatten damals, schon aufgrund der damals wenigen Autos, so gut wie keinen Kontakt zu den belgischen Nachbarn.“ Selbst das nur wenige Kilometer entfernte Rocherath sei ihm lange Zeit unbekannt gewesen. Erst bei späteren Auftritten als Kabarettist habe er die Menschen dort kennengelernt, erzählt er. Der Titel des Buches verweist bereits auf die Welt, von der die Geschichten erzählen. „Ne wracke Wönk“ bedeutet im Höfener Platt so viel wie „ein rauer Wind“. Der Ausdruck beschreibt das oft raue Klima der Eifel, steht aber zugleich sinnbildlich für eine Region, die ihre Bewohner geprägt hat und deren Eigenheiten Hammerschmidt mit viel Liebe zum Detail festhält. Humor spielt dabei eine zentrale Rolle. Gleichzeitig schwingt in vielen Episoden eine gewisse Wehmut mit.

Dass sich die Vergangenheit dabei nicht völlig unverklärt darstellen lässt, räumt der Autor offen ein. „Eine ziemliche Verklärung ist nicht zu vermeiden. Humor, Nostalgie und Liebe zum dörflichen Leben und zu den Menschen fließen in den Geschichten ineinander.“ Sein Gespür für Pointen kommt nicht von ungefähr. Jupp Hammerschmidt arbeitete über viele Jahre als Comedy- und Gag-Autor für Rundfunk und Fernsehen. Er schrieb unter anderem für Thomas Gottschalk, Harald Schmidt und Ottfried Fischer. „Ich habe über Jahre hinweg vor allem als sogenannter ,Gag-Autor‘ speziell auch fürs Radio gearbeitet – zum Beispiel täglich für ,Radio Luxemburg‘, ,Radio NRW‘ oder ,Antenne Bayern‘. Das prägt schon sehr.“ Besonders fasziniert haben ihn einige der Themen, die heute fast vergessen sind. „Der Kaffeeschmuggel mit der gnadenlosen Verfolgung der Schmuggler durch die Zöllner hat mich sehr fasziniert, obwohl ich ihn auch schon nur noch aus Erzählungen kannte.“ Ebenso erinnert er sich an die legendäre Beatmesse. „Die ,Beatmesse‘ war für mich ebenso unerwartet wie spannend. Leider auch ein ganz und gar einmaliges Ereignis. Schade!“ Die Beatmesse war ein Gottesdienst mit moderner Beat- und Gitarrenmusik, wie sie in den 1960er-Jahren bei Jugendlichen populär war. In der damals noch sehr konservativen und katholisch geprägten Eifel galt eine solche Verbindung von Kirche und Jugendkultur als ungewöhnlich und sorgte für Aufsehen. Auch die berühmten Narzissenwiesen von Höfen und Kalterherberg haben ihren Platz im Buch. Besonders die sprachlichen Unterschiede der Region haben es Jupp Hammerschmidt angetan. Während die Narzissen im Höfener Platt „Zicksele“ genannt wurden, sprach man im benachbarten Kalterherberg von „Söckruese“. Die Geschichten beruhen vielfach auf eigenen Erinnerungen. Dennoch versteht der Autor sein Werk nicht als historische Dokumentation. „Die Anlässe sind schon allesamt, wie man heute sagt ,authentisch‘. Ganz ohne literarische Ausschmückung geht es natürlich nicht. Das ist einfach dem Unterhaltungswert der Geschichten ,geschuldet‘.“

Was geblieben ist – und was verloren ging.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Mundart. Für Jupp Hammerschmidt ist das oft von Dorf zu Dorf unterschiedliche Platt ein wesentlicher Teil der regionalen Identität. Dass es immer seltener gesprochen wird, bedauert er. Mit dem Rückgang der Mundart gehe nach seiner Ansicht auch ein Stück Eifel verloren. Überhaupt blickt der Autor differenziert auf den Wandel der vergangenen Jahrzehnte. Verloren gegangen seien der ländliche Charakter vieler Orte und ein Teil des Zusammenhalts unter den Menschen. Gleichzeitig erkennt er die Vorteile der modernen Zeit an. Größere Mobilität, bessere berufliche Chancen und der technische Fortschritt hätten vieles erleichtert. Trotz zahlreicher Bücher und Bühnenprogramme scheint der Stoff noch lange nicht erschöpft zu sein. Zwar werde es schwieriger, neue Eifelgeschichten zu entdecken, sagt Jupp Hammerschmidt. Doch immer wieder tauchten Erinnerungen und Beobachtungen auf, die sich zu neuen Erzählungen entwickeln könnten. „Davon schlummern, hoffe ich, noch eine ganze Reihe in mir.“


Jupp Hammerschmidt: „ne wracke Wönk – und andere Geschichten aus der Eifel“; Grenz-Echo Verlag, Eupen, 2026; 136 Seiten; ISBN 978-3-86712-217-7.

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