RWTH Aachen erforscht neue Wege zur Verhütung für Männer

<p>Die Antibabypille für die Frau gibt es bereits seit den 1960er-Jahren. Die RWTH forscht nun an einem vergleichbaren Verhütungsmittel für Männer.</p>
Die Antibabypille für die Frau gibt es bereits seit den 1960er-Jahren. Die RWTH forscht nun an einem vergleichbaren Verhütungsmittel für Männer. | Illustrationsfoto: Annette Riedl/picture alliance/dpa

Wie die „Aachener Zeitung“ berichtet, wird das Projekt von Professor Marc Spehr geleitet, Zellphysiologe an der RWTH Aachen. Gemeinsam mit Forschern aus Bonn, Münster, Gießen und München untersucht sein Team, wie Spermien nach ihrer Entstehung durch die winzigen Samenkanälchen im Hoden weitertransportiert werden. Genau dieser Prozess könnte künftig gezielt unterbrochen werden, um eine nicht-hormonelle Verhütungsmethode für Männer zu entwickeln.

Der Ansatz ist deshalb besonders interessant, weil viele bisherige Überlegungen zur männlichen Verhütung stark in hormonelle Abläufe eingreifen würden. Das neue Projekt setzt stattdessen bei der Mechanik und Zellkommunikation im Hoden an. Die Samenkanälchen sind von Muskelzellen umgeben, die sich zusammenziehen können. Dadurch wird Flüssigkeit bewegt, in der sich unreife Spermien befinden. Diese können sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht selbstständig fortbewegen und müssen deshalb auf andere Weise in Richtung Nebenhoden gelangen.

Eine wichtige Rolle spielt offenbar das Molekül ATP, das im Körper unter anderem als Energieträger und Botenstoff wirkt. Es scheint die Kontraktionen der Muskelzellen zu beeinflussen. Noch offen ist jedoch, welche Zellen ATP freisetzen, wie genau das Signal ausgelöst wird und welche Rezeptoren daran beteiligt sind. Diese Fragen will der Forschungsverbund in den kommenden Jahren klären.

Das Bundesforschungsministerium unterstützt das Vorhaben mit drei Millionen Euro über drei Jahre. Insgesamt werden vier interdisziplinäre Forschungsverbünde mit zwölf Millionen Euro gefördert, die neue Ansätze für Verhütung untersuchen oder bestehende Methoden verbessern sollen. Neben dem Aachener Projekt beschäftigen sich weitere Gruppen unter anderem mit der Beweglichkeit reifer Spermien, neuen Wirkstoffplattformen und digitalen Methoden zur natürlichen Familienplanung.

Die Forschung könnte nicht nur für die Verhütung bedeutsam sein. Wenn besser verstanden wird, wie Spermien im Hoden transportiert werden, könnten daraus auch neue Erkenntnisse zur männlichen Unfruchtbarkeit entstehen. Denn bislang ist nicht ausgeschlossen, dass bei manchen Männern genau dieser Transport gestört ist.

Bis aus den Erkenntnissen tatsächlich ein Medikament entsteht, dürfte allerdings noch viel Zeit vergehen. Laut „Aachener Zeitung“ dämpft Projektleiter Marc Spehr die Erwartungen: Nach drei Jahren werde noch keine fertige „Pille für den Mann“ vorliegen. Vielmehr gehe es zunächst darum, einen biologischen Prozess zu verstehen, der trotz seiner zentralen Bedeutung für die Fortpflanzung bisher erstaunlich wenig erforscht ist. (red/jj)

Kommentare

Kommentar verfassen

0 Comment