Am Samstag (15 Uhr) steht im König-Baudouin-Stadion gegen Tunesien ein letzter Test an, zwei Tage später startet der Flieger über den großen Teich Richtung Seattle, wo die Roten Teufel ihr WM-Quartier beziehen. Los geht das XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko aus belgischer Sicht am 15. Juni (21 Uhr, Seattle) gegen Ägypten. Auf dem Weg ins neu eingeführte Sechzehntelfinale folgen der Iran (21. Juni, 21 Uhr, Los Angeles) und Neuseeland (27. Juni, 5 Uhr, Vancouver).
Kroatien 0:2 Belgien
„Es ist ein Freundschaftsspiel, aber diesmal ist das Resultat sehr wichtig. Ich erwarte ein richtiges Duell“, hatte Kroatiens Nationalcoach Zlatko Dalic vor dem Anpfiff gesagt. Immerhin trafen im 8.000 Zuschauer fassenden Rujevica-Stadion von Rijeka zwei Nationen aufeinander, denen mit Sicherheit realistische Chancen auf mindestens das Viertelfinale eingeräumt werden dürfen. Sollte Belgien allerdings seine Gruppe G als Spitzenreiter beenden, während Kroatien hinter beispielsweise England in Gruppe L auf Rang zwei landet, könnten beide bereits im Achtelfinale aufeinandertreffen.
Aber vom Rechenbrett wieder zurück in die Gegenwart, denn knappe zwei Wochen vor dem Auftakt gegen Ägypten zeigte sich Nationaltrainer Rudi Garcia durchaus experimentierfreudig. Der Franzose schickte eine ungewohnte, aber funktionierende Dreierkette auf den Platz, mit Europa-League-Sieger Amadou Onana als Innenverteidiger zwischen Arthur Theate und Turnier-Debütant Nathan Ngoy. Davor zogen Kapitän Youri Tielemans, Nicolas Raskin und Kevin De Bruyne die Fäden im Mittelfeld, flankiert von Maxim De Cuyper und Alexis Saelemaekers. Vorne stürmten Charles De Ketelaere und Jérémy Doku. Romelu Lukaku saß erwartungsgemäß erst einmal auf der Bank.

Beide Teams mieden zu Beginn noch jegliches Risiko, suchten nach Ballgewinnen im Mittelfeld aber schnell den Weg nach vorne. Auch ein Freistoß aus optimaler Position durch De Cuyper brachte keine Gefahr (30.). Ideen waren vor allem über die offensiven Taktgeber De Bruyne und Doku zu sehen, an der Umsetzung haperte es noch – Testspiel eben. Als Lukaku-Ersatz fand De Ketelaere keinen wirklichen Zugriff aufs Spiel.
Stattdessen traf „Captain America“: Noch vor der Pause bestrafte Kapitän Tielemans einen unsauberen Klärungsversuch von Josip Sutalo etwas glücklich zum 1:0 (38.). Der Angriff war über Doku gelaufen, der kurz darauf erneut über seine linke Seite stürmte und Dominik Livakovic prüfte. Im Gegenzug parierte Thibaut Courtois stark gegen seinen ehemaligen Madrid-Kollegen Luka Modric (41.). Per Doppelpass kombinierten sich De Bruyne und Saelemaekers mit der letzten Aktion des ersten Aktes nach vorne, die kroatische Abwehr stand jedoch rechtzeitig.

Durchgang zwei begann mit abwartenden Teufeln, die den WM-Dritten von 2022 und Finalisten von 2018 kommen ließen und vor allem über Doku auf Konter lauerten. Ab der Stundenmarke tauschten beide Trainer fast ihr gesamtes Personal aus, bei den Kroaten blieb ab der 70. Minute nur noch der Hamburger Luka Vuskovic (Ex-Westerlo) aus der Startelf übrig.
Bei Belgien kam unter anderem das Brügger Meistertrio Vanaken-Mechele-Seys, wenig später gab Romelu Lukaku sein Comeback seit dem WM-Qualifikationsspiel gegen Wales (4:3) vor fast genau einem Jahr. Matias Fernandez-Pardo feierte gar seine Premiere im Belgien-Trikot. Unter anderem die starken Ngoy und Onana gingen raus. Das Experiment Dreierkette kann Rudi Garcia jedenfalls unter „Gelungen“ abheften.

Rund um die ganze Wechselorgie donnerten Ante Budimir (61.) und Hans Vanaken (73.) zwei Kopfbälle an die Latte. Meunier (80.) und Lukaku (90.+5) verpassten die Entscheidung (80.), Marco Pasalic aus der Distanz den Ausgleich (88.). Und dann traf „Big Rom“ doch noch: In der letzten Minute schickte Vanaken ihn per Lupfer auf die Reise, und Lukaku zog unwiderstehlich ab – was für ein Zeichen 13 Tage vor Ägypten.
Namen und Fakten
Kroatien: Livakovic (59. Kotarski) – Sutalo (70. Jakic), Vuskovic, Gvardiol (59. Pongracic) – Stanisic (59. Marco Pasalic), Modric (58. Mario Pasalic), Kovacic (58. Sucic), Perisic (71. Moro) – Sucic (71. Kramaric), Baturina (71. Vlasic), Musa (58. Budimir)
Belgien: Courtois – Ngoy (67. Vanaken), Onana (67. Seys), Theate – Tielemans, Raskin (79. Witsel), Saelemaekers (67. De Winter), De Cuyper (67. Mechele), De Bruyne (67. Meunier) – Doku (73. Fernandez-Pardo), De Ketelaere (73. Lukaku)
Schiedsrichter: Rade Obrenovic (Slowenien)
Gelbe Karten: Budimir – De Winter
Tore: 0:1 Tielemans (38.), 0:2 Lukaku (90.+5)

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