BNP Paribas Fortis setzt auf KI und baut Stellenabbau ohne Entlassungen aus

<p>BNP Paribas Fortis will durch KI und Digitalisierung effizienter werden.</p>
BNP Paribas Fortis will durch KI und Digitalisierung effizienter werden. | Foto: afp

Im Rahmen ihrer Strategie für die Jahre 2026 bis 2028 stellte die belgische Tochter der französischen BNP-Paribas-Gruppe am Montag ihre Zukunftspläne vor. Ziel sei es, die Effizienz weiter zu steigern und technologische Lösungen stärker innerhalb des Konzerns zu nutzen.

Bankchef Michael Anseeuw verweist dabei unter anderem auf den Einsatz von Chatbots im Kundenservice. Bereits heute können viele Anliegen über die App abgewickelt werden. Künftig soll ein noch größerer Teil der Kundenkontakte automatisiert erfolgen.

„Kunden können bereits vieles in der App erledigen, möchten aber manchmal auch mit einem Bankberater sprechen. Einen immer größeren Teil dieser Interaktionen können wir über einen Bot abwickeln“, erklärte Anseeuw.

Allein zum Thema Bankkarten verzeichnete die Bank im vergangenen Jahr 8,6 Millionen Kundenanfragen. Bis 2028 sollen davon rund sieben Millionen über automatisierte Systeme bearbeitet werden. Dadurch müssten frei werdende Stellen in den Callcentern nicht vollständig nachbesetzt werden.

Auch bei der gesetzlich vorgeschriebenen Identifizierung von Kunden sieht die Bank großes Einsparpotenzial. Ohne den Einsatz von künstlicher Intelligenz wären nach Angaben des Managements in den kommenden Jahren rund 290 zusätzliche Mitarbeiter nötig. Insgesamt könne KI binnen drei Jahren Arbeiten übernehmen, die heute etwa 1.000 Beschäftigten entsprechen.

Bereits 2024 zeigte sich dieser Trend: Rund 500 Mitarbeiter verließen das Unternehmen, während lediglich 330 neue Kräfte eingestellt wurden. Dieser Kurs soll fortgesetzt werden. Nach Angaben von Anseeuw sollen künftig nur noch 75 bis 80 Prozent der ausscheidenden Beschäftigten ersetzt werden.

Gleichzeitig betont der CEO, dass weiterhin in die Belegschaft investiert werde. „Mit Schulungen und zusätzlicher Expertise wollen wir uns weiterhin im Markt differenzieren. Außerdem werden wir die Vielfalt innerhalb des Unternehmens weiter stärken“, sagte Anseeuw.

Neben künstlicher Intelligenz setzt die Bank auf sogenanntes „Smart Sourcing“. Dabei werden Aufgaben an externe Dienstleister oder andere Einheiten innerhalb der BNP-Paribas-Gruppe ausgelagert. Bereits im vergangenen Jahr hatte BNP Paribas Fortis mit den Gewerkschaften eine Vereinbarung über die Übertragung von 580 Mitarbeitern des Kundendienstes an das Beratungsunternehmen Accenture getroffen.

Auch die Verlagerung von Tätigkeiten ins Ausland soll weiter zunehmen. Bis Ende 2028 könnten davon rund 1.000 Arbeitsplätze betroffen sein. „Wir werden darüber stets einen offenen Dialog mit den Sozialpartnern führen“, versicherte Anseeuw.

Parallel dazu modernisiert die Bank ihre technische Infrastruktur. So wird das gesamte Rechenzentrum in Bastogne derzeit in die Cloud-Infrastruktur des französischen Mutterkonzerns integriert. Für die Kunden habe dies keine Auswirkungen, betont die Bank. Die Systeme würden dadurch jedoch stabiler und neue digitale Lösungen könnten schneller entwickelt werden.

Im Geschäft mit Privatkunden setzt BNP Paribas Fortis weiterhin auf mehrere Vertriebskanäle. Über die Zusammenarbeit mit Bpost gewinnt die Bank bereits heute rund ein Drittel ihrer Neukunden über die Postämter. Gleichzeitig bleibt das Netz eigener Beratungsagenturen bestehen.

Wachstumspotenzial sieht das Institut insbesondere im Bereich Private Banking und Vermögensverwaltung. Für die Jahre 2026 bis 2028 rechnet die Bank mit einem Zufluss von rund fünf Milliarden Euro an verwaltetem Vermögen. Kunden mit einem Anlagevermögen von mindestens 250.000 Euro erhalten Zugang zu einem persönlichen Private Banker.

Ferner kündigte BNP Paribas Fortis die Einführung einer eigenen digitalen Investmentplattform für die erste Hälfte des Jahres 2027 an. Konkurrenten wie Belfius und KBC bieten vergleichbare Lösungen bereits seit mehreren Jahren an. (belga/calü)

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