In einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der Wirtschaftszeitung „De Tijd“ bestätigte Van Poecke seine Entscheidung, die er bereits vor einigen Wochen angekündigt hatte. „Ich habe meine Aufgabe immer mit großer Freude ausgeübt, aber nicht unter diesen Umständen“, erklärte der scheidende Gefängnisdirektor. „Ich bin hierhergekommen, weil mich das Projekt begeistert hat. Inzwischen hat es sich jedoch völlig verändert.“
Das Gefängnis Haren wurde als modernes Vorzeigeprojekt des belgischen Strafvollzugs konzipiert. Die Anlage verfügt offiziell über 1.129 Haftplätze. Tatsächlich sind dort inzwischen jedoch rund 1.500 Gefangene untergebracht.
Die Folgen der Überbelegung sind gravierend. Nach Angaben von Van Poecke schlafen derzeit 279 Insassen auf Matratzen am Boden, weil nicht genügend reguläre Schlafplätze vorhanden sind.
Um zusätzlichen Platz zu schaffen, planen die Behörden nun, in Einzelzellen Etagenbetten aufzustellen. Für den scheidenden Direktor ist dies jedoch keine Lösung des Problems. „Damit wird die Überbelegung institutionalisiert“, kritisierte Van Poecke.
Neben der Überbelegung beklagt der Gefängnisdirektor auch einen chronischen Personalmangel, der die Situation zusätzlich verschärft. Die Kombination aus zu vielen Häftlingen und zu wenig Personal stelle den Strafvollzug vor enorme Herausforderungen.
Der Rücktritt des Haren-Direktors dürfte die Debatte über die Zustände in den belgischen Gefängnissen weiter anheizen. Seit Jahren warnen Gewerkschaften, Gefängnisleitungen und Menschenrechtsorganisationen vor den Folgen der Überbelegung. Trotz verschiedener Maßnahmen gelingt es den Behörden bislang nicht, die Zahl der Inhaftierten dauerhaft zu senken. (belga/calü)

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