Dort kamen Vertreter von Bauunternehmen, Verbänden, des Eupener Robert-Schuman-Instituts (RSI) und Schüler der Studienrichtung Holztechnik sowie Beschäftigungsminister Jérôme Franssen (CSP) zusammen. Der Grundgedanke der neuen Kampagne zog sich wie ein roter Faden durch den Pressetermin: Der Bausektor leidet unter Fachkräftemangel und verzichtet bislang auf ein großes Potenzial. Frauen seien in der Branche weiterhin deutlich unterrepräsentiert.
Dieses Video entstand im Rahmen des Pressetermins am Freitag. Zu sehen sind auch Besucherklassen auf der Baustelle. Das Ganze gehört auch zum Programm des Tages der offenen Baustelle, den belgische Bauverband Embuild an diesem Sonntag (31. Mai) organisiert.
DG-Beschäftigungsminister Jérôme Franssen, der die Schirmherrschaft über die Kampagne übernommen hat, verwies auf die Herausforderungen des Arbeitsmarktes. Die Beschäftigungsquote in der DG liege nach jüngsten Angaben derzeit bei 77,9 Prozent. Auf belgischer Ebene werde ein Wert von 80 Prozent angestrebt. Gleichzeitig liege die Ersatzquote lediglich bei 0,4. Das bedeutet, dass auf zehn Personen, die in den Ruhestand wechseln, lediglich vier neue Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt nachrücken. „Das macht den Fachkräftemangel mehr als sichtbar“, sagte der Minister. Dabei spiele das Baugewerbe für die ostbelgische Wirtschaft eine sehr wichtige Rolle. Die Bruttowertschöpfung des Sektors belief sich laut Minister im Jahr 2024 auf 192 Millionen Euro. Das entsprach rund sieben Prozent der Wirtschaftsleistung Ostbelgiens.

„Daran sieht man, dass der Bausektor ein zentraler Pfeiler der Wirtschaft Ostbelgiens ist“, erklärte Franssen. Hinzu komme, dass rund fünf Prozent aller Arbeitsplätze in Ostbelgien direkt mit dem Baugewerbe verbunden seien. Die Branche stehe vor der Herausforderung, ausreichend Nachwuchs zu finden. Besonders deutlich wird das Problem beim Blick auf die Beschäftigtenzahlen. Nach Angaben des Ministers arbeiten in Ostbelgien lediglich 118 Frauen unter insgesamt 1.233 Beschäftigten im Bausektor. Das entspricht weniger als zehn Prozent. Auf den eigentlichen Baustellen fällt der Anteil noch deutlich geringer aus. Auch Zahlen des Verbandes Constructiv zeigen, wie groß die Unterschiede weiterhin sind. Demnach lag der Anteil der Frauen an der Gesamtzahl der Bauarbeiter in der Provinz Lüttich im dritten Quartal 2025 bei lediglich 1,18 Prozent. Minister Jérôme Franssen betonte allerdings, dass sich das Berufsbild in den vergangenen Jahren stark verändert habe. Die Deutschsprachige Gemeinschaft habe verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht, um den Sektor zu unterstützen. Dazu gehörten die duale Ausbildung, eine verstärkte Berufsorientierung, Praktika, Berufsmessen und Veranstaltungen in Schulen. Auch öffentliche Investitionen würden die Branche stützen, etwa über Energieprämien. Zudem solle im Bereich der Raumordnung vieles einfacher und unkomplizierter werden.

Astrid Convents, Geschäftsführerin der Convents AG und Präsidentin von Embuild Verviers-Ostbelgien, ging ebenfalls auf die Herausforderungen ein. „Es liegt sehr viel ungenutztes Potenzial vor uns“, erklärte sie. Die Vorstellung vieler Menschen vom Bau entspreche längst nicht mehr der Realität. Moderne Baustellen hätten sich stark verändert. Technische Hilfsmittel und Maschinen hätten dazu beigetragen, die körperliche Belastung deutlich zu reduzieren. Gefragt seien heute unter anderem Genauigkeit und technisches Verständnis. „Wir müssen Sichtbarkeit schaffen und alte Klischees aufbrechen“, sagte Astrid Convents. Die Kampagne solle dazu beitragen, Frauen in der Branche sichtbarer zu machen und jungen Mädchen neue Perspektiven aufzuzeigen. „Built to build“ sei zugleich ein Signal für die Zukunft des gesamten Sektors. Konkret setzt die Kampagne auf Bauzaunbanner auf Baustellen, auf denen Frauen arbeiten, auf T-Shirts und Aufnäher für Arbeiterinnen sowie auf Porträts, Reportagen und Videos in sozialen Medien. Darüber hinaus soll die Initiative verstärkt in Schulen präsent sein.

Wie ein Berufsweg im Baugewerbe aussehen kann, zeigt Ellen Cormann. Die 22-Jährige arbeitet als Möbelschreinerin bei der Bau- und Möbelschreinerei Mauel in Eynatten. „Ich habe nach dem Abitur nicht richtig gewusst, in welche Richtung“, sagte sie im Gespräch mit dem GrenzEcho. Nach einem Jahr an der Holzabteilung einer technischen Schule in Lüttich begann sie ihre Lehre bei Mauel und wurde anschließend übernommen. Als einzige Frau in ihrer Werkstatt erlebt sie ihren Berufsalltag nicht grundsätzlich anders als ihre männlichen Kollegen. „Nicht wirklich. Manchmal körperliche Kraft, aber nicht unbedingt“, sagt sie auf die Frage nach möglichen Unterschieden zwischen Männern und Frauen im Beruf. Jungen Frauen, die mit dem Gedanken spielen, einen handwerklichen Beruf zu erlernen, rät sie, sich selbst ein Bild zu machen. „Auf jeden Fall mal ausprobieren, nicht abstempeln: Das schaffe ich nicht.“ Nützlich sein könnten dafür die „Schnupperwochen“ oder ein kurzes Betriebspraktikum.

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