Seit 2005 sind in Belgien die Gemeinschaften für Information, Begleitung und Nachbetreuung bei Adoptionen zuständig. Unterschieden wird zwischen Inlands-, Auslands- und innerfamiliären Adoptionen. Ziel ist es, Kindern, die nicht bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen können, ein stabiles familiäres Umfeld zu bieten.
Auf föderaler Ebene gibt es bislang keinen Beschluss für ein landesweites Verbot internationaler Adoptionen. In der DG begleitet die Zentrale Behörde für Adoption (ZBGA) Familien bei internationalen Adoptionen. Der flämische Kurs könnte deshalb auch Auswirkungen auf die Möglichkeiten in Ostbelgien haben, stellte die Ecolo-Abgeordnete Fabienne Colling bei der letzten Regierungskontrolle im Parlament der DG (PDG) fest. Sie wollte wissen, wie sich die Zahl der Adoptionen in der DG in den vergangenen zehn Jahren entwickelt hat, ob der Regierung Fälle von Unregelmäßigkeiten bekannt sind und wie sie zur möglichen Abschaffung internationaler Adoptionen steht. Familienministerin Lydia Klinkenberg (ProDG) erklärte, die Zahl internationaler extrafamiliärer Adoptionen sei seit Jahren rückläufig – auch in der DG. Seit 2016 habe es in Ostbelgien lediglich sieben internationale extrafamiliäre Adoptionen gegeben. Grund seien strengere internationale Vorgaben, wonach vorrangig Lösungen im Herkunftsland der Kinder gesucht werden sollen. Da die DG keinen eigenen Vermittlungsdienst hat, arbeitet sie in diesem Bereich mit der Französischen Gemeinschaft zusammen. Der ZBGA seien bislang keine Fälle gemeldet worden, bei denen ein konkreter Verdacht auf illegale internationale Adoptionen in der DG bestanden hätte. „Auf belgischer Ebene wird das Thema jedoch intensiv diskutiert. Hintergrund sind insbesondere historische Fälle mutmaßlich illegaler Adoptionen, bei denen Kinder ihren biologischen Eltern ohne deren wirksame Zustimmung entzogen und zur Adoption freigegeben worden sein sollen.“ Mögliche illegale Adoptionen betreffen nach aktuellem Stand vor allem ältere Inlandsadoptionen sowie internationale Adoptionen bis etwa 2015. In Flandern läuft dazu bereits eine Aufarbeitungskampagne. Die DG beobachtet die Entwicklungen und tauscht sich mit den anderen Gemeinschaften sowie den föderalen Behörden aus. „Die ZBGA unterstützt ausdrücklich eine historische und administrative Aufarbeitung illegaler Adoptionen, die Anerkennung möglicher Opfer, die Stärkung der Herkunftssuche sowie eine enge Zusammenarbeit zwischen den föderalen und gemeinschaftlichen Behörden“, so die Ministerin.
Klare Verfahren bei möglichen Verdachtsfällen
Zudem beständen klare Verfahren für den Umgang mit möglichen Verdachtsfällen. „Sollte ein begründeter Verdacht auf Rechtswidrigkeiten vorliegen, werden die zuständigen Staatsanwaltschaften eingeschaltet.“ Die rechtlichen Grundlagen für Adoptionen blieben föderale Zuständigkeit, erklärte Klinkenberg. Flandern könne internationale Adoptionen daher nicht direkt verbieten, sondern lediglich die entsprechenden Vermittlungsdienste einstellen. Eine landesweite Abschaffung sei bislang nicht beschlossen worden. Für die DG-Regierung stehe das Kindeswohl weiterhin an oberster Stelle aller Entscheidungen. „Internationale Adoptionen müssen strengen rechtlichen, ethischen und internationalen Standards entsprechen. Gleichzeitig ist festzuhalten, dass internationale Adoptionen heute bereits nur noch in sehr begrenztem Umfang stattfinden und einer umfassenden Kontrolle unterliegen.“ Die Regierung spreche sich daher aktuell nicht für eine pauschale Abschaffung internationaler Adoptionen aus. „Vielmehr erscheint es wichtig, bestehende Schutzmechanismen konsequent weiterzuentwickeln, Transparenz und Herkunftssuche zu stärken, internationale Standards strikt einzuhalten und jeden Einzelfall sorgfältig unter dem Gesichtspunkt des Kindeswohls zu prüfen“, so die Familienministerin.
In ihrer Replik erklärte Fabienne Colling, sie könne die Zusammenarbeit mit der Französischen Gemeinschaft nachvollziehen. Zudem fragte sie nach einer möglichen ähnlichen Debatte dort. Ministerin Lydia Klinkenberg entgegnete, sie habe bislang nichts davon gehört, dass die Französische Gemeinschaft internationale Adoptionen abschaffen wolle. Diana Stiel (Vivant) erklärte, man teile die Sorgen über mögliche Missstände im Adoptionswesen. Es dürfe niemals der Eindruck entstehen, Kinder könnten wie „im Warenhaus“ ausgewählt werden – „wie Madonna“ das gemacht habe. Ein vollständiges Verbot internationaler Adoptionen nach flämischem Vorbild halte ihre Fraktion jedoch für falsch. Kindern aus den Herkunftsländern müsse weiterhin eine Perspektive geboten werden. Ministerin Klinkenberg erklärte, Adoptionskandidaten würden bereits heute eng begleitet und vorbereitet.

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