Abdi war damals in starken 59:28 Minuten ins Ziel gelaufen und hatte damit seinen eigenen belgischen Rekord scheinbar um 23 Sekunden verbessert. Inzwischen wurde die Zeit von World Athletics jedoch auf 1:00:06 Stunden korrigiert. Damit bleibt seine bisherige Bestmarke aus dem Jahr 2023 mit 59:51 Minuten bestehen.
Die Freude über den vermeintlichen Rekord war allerdings schon kurz nach dem Rennen von ersten Zweifeln überschattet worden. Wie die Zeitung „Het Laatste Nieuws“ berichtet, war am Morgen des Wettkampfs Unsicherheit über die exakte Streckenlänge aufgekommen. In der Hektik entschieden sich die Organisatoren daraufhin kurzfristig, die Zeitmessung und den Zieleinlauf um etwa 200 Meter nach vorne zu verlegen.
Genau darin lag letztlich der Fehler. Nach einer gründlichen Untersuchung kam World Athletics zu dem Schluss, dass die ursprüngliche Ziellinie korrekt gewesen war. Weil dort vorsorglich eine zusätzliche Backup-Zeitmessung installiert worden war, konnten die Zeiten im Nachhinein exakt neu berechnet werden. Die offizielle Endzeit von Abdi wurde dadurch auf 1:00:06 Stunden angehoben – zu langsam für einen neuen Landesrekord.
Der aus Gent stammende Läufer reagierte verständnisvoll auf die Entscheidung. „Traurige Nachrichten, aber korrekt ist korrekt“, schrieb der 37-Jährige in den sozialen Netzwerken. Nach einer erneuten Kontrolle habe sich herausgestellt, dass die Strecke zu kurz gewesen sei. „Es ist enttäuschend, das zu hören. Dieser Moment bedeutete mir und allen, die mich unterstützt haben, sehr viel. Aber im Sport geht es auch um Ehrlichkeit. Deshalb akzeptiere ich diese Entscheidung mit Respekt“, erklärte Abdi.
Das Rennen selbst hatte für den Langstreckenspezialisten ohnehin keinen einfachen Verlauf genommen. Die Tempomacher konnten das hohe Tempo nicht lange halten, sodass Abdi bereits nach sechs Kilometern alleine unterwegs war. Danach entwickelte sich das Rennen zu einem langen Kampf gegen sich selbst – mit einem vermeintlich historischen Ausgang.
Im Ziel herrschte zunächst sogar Verwirrung über die gestoppte Zeit. Auf der Anzeigetafel erschien zuerst eine Zeit von über einer Stunde, ehe die offizielle Chrono schließlich 59:28 Minuten auswies. Nun steht allerdings fest, dass diese Leistung wegen der fehlerhaften Vermessung nicht als belgischer Rekord anerkannt werden kann.
Organisator Bert Misplon zeigt sich gegenüber „Het Laatste Nieuws“ erleichtert, dass nun endgültig Klarheit herrscht. Die Strecke sei eigens vom offiziellen Vermesser der Marathons von London und Paris überprüft worden, der den Fehler bestätigt habe.
„Als Organisator will man so etwas auf keinen Fall erleben“, sagte Misplon. „Wir wollten vor allem Klarheit für die Athleten schaffen – sie stehen bei uns immer im Mittelpunkt. Ich habe mich in den vergangenen Monaten ständig gefragt, wie das passieren konnte.“
Die Veranstalter räumten eigene Fehler ein, betonten jedoch zugleich, dass Teile der technischen Validierung außerhalb ihrer direkten Kontrolle gelegen hätten. „Wir verstehen die Frustration der Athleten und der Unterstützer und bedauern die Situation zutiefst. Daraus werden wir für die Zukunft klare Lehren ziehen“, erklärte Misplon.
Keine Probleme habe es hingegen bei den Rennen über fünf und zehn Kilometer gegeben. Dort seien die Distanzen korrekt vermessen worden. (belga/calü)

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