Eigentlich hätten Ex-Manager Herman Van Holsbeeck, Ex-CEO Jo Van Biesbroeck sowie Henrotay befragt werden sollen – sie stehen allesamt im Verdacht, Coucke im Zuge des Klubverkaufs betrogen beziehungsweise finanziell geschädigt zu haben.
Nach Angaben der Föderalen Staatsanwaltschaft war der Verkauf des Rekordmeisters mehrfach von Manipulationen geprägt. Drei Kaufinteressenten befanden sich im Rennen: Marc Coucke, der Ghelamco-Chef Paul Gheysens sowie Alischer Usmanow, Geschäftsmann und Aktionär des FC Arsenal. Usmanow war von Christophe Henrotay ins Spiel gebracht worden, der zuvor bei den Transfers von Aleksandar Mitrović zu Newcastle United im Jahr 2015 sowie von Youri Tielemans zur AS Monaco im Jahr 2017 mit Anderlecht zusammengearbeitet hatte.
Henrotay soll eine Provision in Höhe von drei Millionen Euro zugesichert worden sein, falls es ihm gelingen würde, einen Käufer für den Klub zu vermitteln. Letztlich zog sich Usmanow jedoch zurück.
Anschließend soll Henrotay Paul Gheysens dazu gedrängt haben, den RSC Anderlecht zu übernehmen, was zu einem Angebot über 91 Millionen Euro geführt habe. Aufgrund des Fiaskos rund um das Nationalstadion galt Gheysens in Anderlecht allerdings als persona non grata, sodass der Klub letztlich an Marc Coucke verkauft wurde – obwohl dessen Angebot niedriger ausgefallen sein soll. Christophe Henrotay forderte dennoch seine Provision ein, da er nach eigener Auffassung die besten Angebote vermittelt habe. Die Aktionäre des RSC Anderlecht seien jedoch lediglich bereit gewesen, ihm rund eine Million Euro zu zahlen.
Wie die Justiz vermutet, soll ein Teil dieses Geldes verschleiert und unter anderem an die frühere Klubführung – bestehend aus Roger Vanden Stock, Herman Van Holsbeeck und Jo Van Biesbroeck – weitergeleitet worden sein. Diese sollen daraufhin den Vertrag von Leander Dendoncker geändert haben. Dadurch sei Henrotay garantiert worden, beim späteren Transfer des Mittelfeldspielers 2,4 Millionen Euro zu erhalten – anstelle des ursprünglich vereinbarten Prozentsatzes. Dieser Betrag wäre letztlich vom neuen Eigentümer Marc Coucke bezahlt worden. (mn)

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