Patrick Spies hat im Regionalparlament die Lage rund um Stromanschlüsse und Netzkapazitäten aufgegriffen. Denn: Immer mehr Betriebe ständen vor der Unsicherheit, Projekte nicht umsetzen oder erweitern zu können, weil der Zugang zum Stromnetz aufgrund der hohen Auslastung fehlt oder sich verzögert.
Häufig würden Unternehmen auf Wartelisten gesetzt, ohne klare Perspektive für einen Anschluss. Dies bremse Investitionen und sorge für erhebliche Planungsunsicherheit. Hintergrund ist die hohe Auslastung der Stromnetze in der Wallonie. Dabei wird zwischen tatsächlichen, physischen Engpässen und sogenannten „virtuellen“ Engpässen unterschieden, bei denen Kapazitäten zwar reserviert, aber noch nicht genutzt werden, erklärt Spies in einer Mitteilung. Diese Unterscheidung sei entscheidend dafür, ob Unternehmen einen festen oder lediglich einen flexiblen Stromanschluss erhalten. Sie spielt auch eine Rolle bei der Frage, welche Anträge zuerst berücksichtigt werden. Derzeit gilt das Prinzip „wer zuerst anfragt, wird zuerst bedient“. Da jedoch nicht jede Reservierung zu einer konkreten Umsetzung führt, entstehen Verzögerungen für Betriebe, die tatsächlich kurzfristig auf Strom angewiesen sind. Auch Unternehmen in der DG seien davon betroffen. Die zuständige Energieministerin Cécile Neven (MR) habe die angespannte Lage bestätigt: Rund 75 Prozent der Netzpunkte sind demnach ausgelastet, und im Übertragungsnetz bestehen in etwa 95 Prozent der Fälle keine freien Kapazitäten mehr. „Es handelt sich somit nicht nur um ein punktuelles, sondern um ein strukturelles Problem in der gesamten Region“, so Spies.
Zugleich kündigte die Ministerin an, dass bis zum Sommer eine aktualisierte, öffentlich zugängliche Karte der verfügbaren Netzkapazitäten veröffentlicht wird. „Diese schafft mehr Transparenz, löst jedoch kurzfristig keine Engpässe. Selbst bei bereits getroffenen Entscheidungen kann es mehrere Jahre dauern, bis die Netze ausreichend ausgebaut sind.“ Daher seien auch kurzfristige Übergangslösungen erforderlich. „Zu diesem Punkt werde ich nochmals nachhaken müssen.“ Auch bei flexiblen Anschlussverträgen werde derzeit an einer konkreten Umsetzung gearbeitet. „Unternehmen brauchen Klarheit und Planungssicherheit. Wenn nicht absehbar ist, wann ausreichende Stromkapazitäten zur Verfügung stehen, werden Investitionen verzögert oder möglicherweise ganz aufgegeben. Viele Betriebe in der Deutschsprachigen Gemeinschaft sind Teil industrieller Wertschöpfungsketten, etwa in der Automobil- oder Luftfahrtindustrie. Entsprechend hoch ist der Druck, Lieferverpflichtungen fristgerecht zu erfüllen“, so Spies. Es müssten schnell praktikable Lösungen her, da es nicht nur um technische Fragen, sondern um die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes gehe. (red/sc)

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