Der Gesetzesentwurf wird derzeit innerhalb der Regierung beraten. Ziel ist es, die Maßnahmen möglichst noch vor Beginn der kommenden Saison umzusetzen. Vorgesehen sind höhere Geldstrafen, längere Stadionverbote und zusätzliche Befugnisse für die Vereine im Kampf gegen Hooliganismus.
So sollen die Mindeststrafen für verschiedene Vergehen deutlich steigen. Für kleinere Delikte würde die Mindestgeldbuße von 250 auf 500 Euro angehoben, bei körperlicher Gewalt von 2.000 auf 2.500 Euro. Auch Stadionverbote sollen verschärft werden. Wer wegen rassistischer, diskriminierender oder fremdenfeindlicher Vorfälle auffällt, könnte künftig für mindestens drei Jahre aus Stadien verbannt werden. Bislang liegt die Mindestdauer bei 30 Monaten. In schweren Fällen wären Stadionverbote von bis zu 48 Monaten möglich.
Härter durchgegriffen werden soll zudem gegen Fans, die Pyrotechnik einsetzen oder vermummt auftreten. Gleichzeitig geraten auch die Vereine stärker in die Pflicht. Die Behörden werfen mehreren Clubs vor, zu nachlässig mit gewaltbereiten Fangruppen umzugehen. Viele Personen mit Stadionverbot gelangten weiterhin problemlos in die Stadien.
Deshalb sollen die Mindeststrafen für Vereine, die die Identität der Zuschauer am Eingang nicht ausreichend kontrollieren, von 5.000 auf 10.000 Euro steigen. Zudem sollen die Clubs künftig selbst vorläufige Stadionverbote verhängen dürfen, wenn Anhänger im Umkreis von fünf Kilometern rund um das Stadion an Gewalttaten beteiligt sind.
Die Ausschreitungen vom Samstag haben bereits unmittelbare Folgen. Standard-Geschäftsführer Pierre François kündigte an, dass beim wallonischen Derby zwischen Standard und Charleroi in der kommenden Saison keine Auswärtsfans mehr zugelassen werden. „Diese Spiele sind nicht mehr kontrollierbar, wie es eigentlich sein sollte“, erklärte François.
Das Derby zwischen den beiden Rivalen gilt seit Jahren als Hochrisikospiel. Nach dem Sieg von Charleroi in Lüttich eskalierte die Situation. Anhänger von Standard stürmten den Platz und entrissen Spielern von Charleroi eine Vereinsflagge. Gleichzeitig drangen vermummte Fans von Charleroi in einen Familienblock ein. Auch außerhalb des Stadions kam es zu Zusammenstößen.
Vier Polizeibeamte wurden verletzt, sechs mutmaßliche Hooligans festgenommen. Polizei und Justiz versuchen nun, weitere Beteiligte zu identifizieren. Auch das Sportgericht des belgischen Fußballverbands sowie die Pro League leiteten Untersuchungen gegen beide Vereine ein. (rt)

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