Die Zuschauer im Jan-Breydel-Stadion verabschiedeten ihn mit stehenden Ovationen, die Mitspieler bildeten ein Ehrenspalier. Mignolet verließ den Platz zudem mit einer letzten weißen Weste – beim Stand von 4:0 für Club Brügge.
Damit endet eine fast 20 Jahre lange Profikarriere. Ab dem 1. September übernimmt Mignolet eine Managementfunktion innerhalb der Sportdirektion des belgischen Fußballverbands. 2022 war er mit dem Goldenen Schuh ausgezeichnet worden. Der gebürtige Limburger blickt auf eine erfolgreiche Laufbahn mit Stationen bei Sint-Truiden (2006–2010), Sunderland (2010–2013), Liverpool (2013–2019) und Club Brügge (2019–2026) zurück. Seinen Durchbruch schaffte Mignolet bei Sint-Truiden, wo er maßgeblich zum Zweitligatitel 2009 beitrug. Nach nur einer Saison zurück in der höchsten Spielklasse wurde er zum Torhüter des Jahres gewählt und wechselte in die Premier League zu Sunderland. Dort etablierte er sich sofort als Stammtorwart und empfahl sich gleichzeitig für die belgische Nationalmannschaft. 2013 verpflichtete ihn Liverpool für 10,6 Millionen Euro. Sein Debüt an der Anfield Road verlief spektakulär: Mit einem gehaltenen Elfmeter gegen Stoke City sicherte er den Reds seinerzeit den Auftaktsieg. Insgesamt absolvierte Mignolet 204 Pflichtspiele für Liverpool und wurde mit dem Klub englischer Vizemeister. Nachdem er seinen Stammplatz verloren hatte und Alisson Becker verpflichtet worden war, rückte er in die Rolle des Ersatzkeepers – gehörte aber 2019 dennoch zum Kader des Champions-League-Siegers. Im August 2019 kehrte Mignolet nach Belgien zurück und wurde beim FC Brügge erneut zur Schlüsselfigur. In sieben Spielzeiten gewann er fünf Meistertitel (2020, 2021, 2022, 2024 und 2026) sowie den belgischen Pokal 2025. Auch international prägte er die erfolgreichste Europapokalphase von „Blauw en Zwart“ der vergangenen Jahre mit – darunter mehrere Achtelfinalteilnahmen in der Champions League und ein Halbfinaleinzug in der Conference League. In der Nationalmannschaft beendete Simon Mignolet seine Karriere bereits nach der WM 2022 in Katar. Für die Roten Teufel absolvierte er 35 Länderspiele und war über Jahre die Nummer zwei hinter Thibaut Courtois. Er gehörte zum Kader der Roten Teufel bei den Weltmeisterschaften 2014, 2018 und 2022 sowie den Europameisterschaften 2016 und 2021.

Sportlich setzte Club Brügge seiner Meisterfeier die Krone auf: Der frisch gekürte Titelträger gewann zum Saisonabschluss deutlich mit 5:0 gegen KAA Gent und verlieh dem Gewinn des 20. Meistertitels zusätzlichen Glanz. Bereits zur Pause führte Club Brügge mit 3:0 und dominierte die Partie über die gesamte Spielzeit. Nicolo Tresoldi war mit einem Dreierpack der Mann des Abends. Für AA Gent bleibt als Tabellenfünfter der Abschlusstabelle nun noch das Relegationsspiel gegen Racing Genk (Erster der Qualirunde Conference League) um die Teilnahme am Europapokal.

Für den RSC Anderlecht endete die Saison mit einer deutlichen Niederlage und vielen offenen Fragen. Im Brüsseler Derby unterlag der Rekordmeister bei Vizemeister Union Saint-Gilloise deutlich mit 1:5 – ein weiteres Zeichen dafür, wie groß der sportliche Abstand zwischen beiden Klubs inzwischen geworden ist. Die Partie war früh entschieden: Innerhalb von nur drei Minuten nutzte Union die Schwächen in der Anderlechter Defensive eiskalt aus. Erst traf Biondic nach einem folgenschweren Fehler, kurz darauf erhöhte Rodríguez auf 2:0. Von diesem Doppelschlag erholte sich Anderlecht nicht mehr und geriet im weiteren Spielverlauf regelrecht unter die Räder. Zum Symbol eines misslungenen Abends wurde die Rote Karte für Thorgan Hazard, die den Frust bei den Gästen zusätzlich sichtbar machte. Aufseiten von Union überzeugte ausgerechnet Anouar Ait El Hadj gegen seinen Ex-Klub mit einer starken Leistung und einem Treffer. Während Union nach einer erneut starken Saison feiern durfte, stehen die „Veilchen“ (Platz 4 in der Endabrechnung) nach einem weiteren Jahr ohne Titel vor einer kritischen Analyse.
Kein Direktticket für Sint-Truiden nach Aston-Villa-Sieg bei Manchester City
Außerdem siegte Sint-Truiden (Dritter in der Abschlusstabelle) am letzten Spieltag mit 3:0 gegen den KV Mechelen (Platz 6). Sint-Truiden wird in der kommenden Saison übrigens nicht direkt in die Ligaphase der Europa League einziehen. Nach dem 2:1-Auswärtssieg des frisch gekürten Europa-League-Siegers Aston Villa bei Manchester City am letzten Spieltag der Premier League steht fest, dass der belgische Vertreter den Umweg über die Play-offs nehmen muss. Aston Villa beendet die Premier-League-Saison auf Rang vier. Dadurch wird kein zusätzlicher direkter Startplatz für die Europa League frei, von dem Belgien hätte profitieren können. Das Ganze ist etwas kompliziert: Ein Direktplatz wäre nur möglich gewesen, wenn Aston Villa am letzten Spieltag noch auf Platz fünf zurückgefallen wäre. Wegen des zusätzlichen Champions-League-Tickets für die Premier League – England gehörte zu den beiden besten Nationen in der UEFA-Koeffizientenwertung – hätte sich die Europacupverteilung verschoben. In diesem Fall wäre ein direktes Europa-League-Ticket an das erste Land ohne festen Startplatz in der Ligaphase gegangen – und das wäre Belgien gewesen. Für Sint-Truiden bedeutet das nun: Der Europacup startet am 20. August mit dem Hinspiel der Europa-League-Play-offs, das Rückspiel folgt eine Woche später. Die Auslosung der Play-offs findet am 3. August statt. Sollte STVV die Play-offs verlieren, ist der Klub dennoch für die Ligaphase der Conference League qualifiziert. (belga/sc)

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