Die Goldene Palme gewann Cristian Mungiu für seinen Film „Fjord“. Für den Regisseur ist es bereits die zweite Goldene Palme seiner Karriere nach seinem Erfolg im Jahr 2007 mit „4 Months, 3 Weeks and 2 Days“. In „Fjord“ erzählt Mungiu von einem streng religiösen rumänisch-norwegischen Ehepaar, das mit seinen fünf Kindern in ein abgelegenes Dorf in Norwegen zieht. Als bei ihrer Tochter Verletzungen festgestellt werden, geraten die Eltern unter Verdacht, ihr Kind misshandelt zu haben – ein moralisch vielschichtiges Drama über Familie, Erziehung und kulturelle Konflikte.
Den Preis für die beste schauspielerische Leistung erhielten gemeinsam Emmanuel Macchia und Valentin Campagne für ihre Rollen in dem Film „Coward“ des belgischen Regisseurs Lukas Dhont. „Coward“ spielt während des Ersten Weltkriegs und erzählt die Geschichte des jungen belgischen Soldaten Pierre und von Francis, dessen Aufgabe es ist, die Moral der Truppen aufrechtzuerhalten. Während die Gewalt des Krieges zunimmt, suchen beide nach einem Ausweg aus der Grausamkeit ihrer Umgebung. Bereits bei seiner Premiere in Cannes war der Film mit langem Applaus aufgenommen worden.
Nur wenig später folgte die nächste belgische Auszeichnung. Die aus Brüssel stammende Schauspielerin Virginie Efira wurde gemeinsam mit der japanischen Schauspielerin Tao Okamoto als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Prämiert wurden ihre Rollen in „Soudain“ des japanischen Regisseurs Ryūsuke Hamaguchi. Der Film entstand als internationale Koproduktion mit Beteiligung aus Belgien. Efira spielt darin die Leiterin eines Pflegeheims, die versucht, ihrer Einrichtung mehr Menschlichkeit zu geben, und dabei einer japanischen Theaterregisseurin begegnet, die mit einer unheilbaren Krankheit lebt.
Für einen weiteren belgischen Erfolg sorgte Emmanuel Marre. Der in Brüssel lebende Filmemacher erhielt den Preis für das beste Drehbuch für den Streifen „Notre Salut“. Der Film basiert teilweise auf der eigenen Familiengeschichte des Regisseurs und spielt während des Vichy-Regimes im Zweiten Weltkrieg. Produziert wurde das Werk mit belgischer Unterstützung, gedreht wurde unter anderem in Brüssel.
Die Erfolge wurden am Samstagabend auch von der Ministerpräsidentin der Französischen Gemeinschaft (FG), Elisabeth Degryse (Les Engagés), ausdrücklich gewürdigt. Die Auszeichnungen in Cannes dokumentierten, „dass das belgische Kino international ausstrahlt und Anklang findet“, erklärte die Politikerin, die in der FG auch für Kultur zuständig ist, in einer Pressemitteilung. „Cannes ist erneut ein Erfolg – wir können stolz sein.“ Degryse betonte außerdem, sie freue sich darüber, dass die Qualität des belgischen Filmschaffens auch in diesem Jahr beim prestigeträchtigsten Filmfestival der Welt hervorgehoben werde. Der Abend mache zugleich sichtbar, wie wichtig die Unterstützung der Französischen Gemeinschaft für die Filmbranche sei.

Abseits der belgischen Erfolge setzte Cannes ebenfalls Akzente: Den Großen Preis der Jury, die zweitwichtigste Auszeichnung des Festivals, erhielt Andrej Zvjagintsev für seinen Film „Minotaur“. Der Preis der Jury ging an die deutsche Regisseurin Valeska Grisebach für „Das geträumte Abenteuer“. Die Auszeichnung für die beste Regie teilten sich Javier Calvo und Javier Ambrossi für „The Black Ball“ sowie Paweł Pawlikowski für „Vaterland“. Eine Goldene Ehrenpalme erhielt zudem US-Schauspielerin Barbra Streisand. (belga/sc)

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