„What happens in Vegas stays in Vegas“ lautet das Motto des legendären Glücksspiel-Sündenpfuhls. Und mit dieser Hoffnung blickt der Weltsport auf die umstrittenen Enhanced Games am Sonntag (24. Mai 2026) in Nevada. Das Event, bei dem Doping ausdrücklich gewünscht ist, alarmiert viele Athleten. Zurecht: Denn die „verbesserten Spiele“ sind keine plumpe Freakshow in der Wüste – sondern viel subtiler.
„Wir befinden uns an einem Punkt, der für die Zukunft des Sports entscheidend ist“, sagt der deutsche Topschwimmer Josha Salchow: „Diese Bewegung ist eine Schande.“ Die Sportwelt und die Gesellschaft seien verpflichtet, „ein Umfeld zu schaffen, in welchem diese Bewegungen keine Chance haben“.
Salchow, deutscher Rekordhalter über 100 m Freistil, ist vom Geschehen in Las Vegas, wo Wettbewerbe im Schwimmen und Gewichtheben sowie in der Leichtathletik ausgetragen werden, gewissermaßen persönlich betroffen: Sein früherer Nationalteam-Kollege Marius Kusch startet als einer von zwei deutschen Sportlern. Und der 33-Jährige, der seine Karriere 2024 beendet hatte, gibt offen zu, was ihn nach Vegas bringt: Für Schwimmer-Maßstäbe unglaublich viel Geld.
„Der finanzielle Aspekt spielt sicherlich eine Rolle. Es wird kompensiert, was ich mein Leben lang aufgebaut habe“, sagt der Kurzbahn-WM-Dritte von 2022. Mindestens 100.000 US-Dollar Prämie kassiert Kusch, mit 25 Millionen Gesamtpreisgeld werben die Veranstalter, wer unter dem (offiziellen) Weltrekord bleibt, nimmt bis 1,25 Millionen mit.
Es ist gewissermaßen eine fürstlich entlohnte Medikamentenstudie. Die Athleten nehmen seit Monaten vor Ort Mittel ein, die ansonsten im Sport geächtet sind. Steroide, Wachstumshormon, Testosteron. Entsprechend sind die rund 40 Enhanced-Athleten vornehmlich solche, die ihre Karriere weitgehend hinter sich haben und damit nicht mehr dem regulären Dopingtest-Reglement unterliegen.
13 Athleten waren noch bei den Sommerspielen 2024 in Paris am Start, Schwimmer Hunter Armstrong (25) wurde Olympiasieger mit der US-Staffel, US-Leichtathlet Fred Kerley (31) holte Sprintbronze über 100 m - und ist derzeit wegen verpasster Dopingtests regulär gesperrt.
Kusch, auf jüngsten Instagram-Videos weit muskulöser als zu sauberen Zeiten, verweist darauf, dass die Enhanced Games kein „Wildwest-Szenario“ bieten: Gedopt wird unter ärztlicher Kontrolle ausschließlich mit Mitteln, die von den US-Kontrollbehörden zugelassen sind. Diese Mittel bieten die Enhanced Games praktischerweise als Eigenmarke auf ihrer Webseite Normalbürgern zum Fettverlust oder Lebenszeitgewinn an - die Monatsdosis Testosteron beispielsweise für 199 US-Dollar.
Denn hinter den Enhanced Games stecken keineswegs krawallige Hallodris, die auf Jahrmarktniveau Sensationsgier befriedigen wollen, sondern Männer, deren Motive eine Eugenik-Kapitalismus-Melange sind. Schöpfer der Enhanced Games ist der Australier Aron D'Souza, der als sein Lebensziel die Erschaffung einer neuen „Superhumanity“, einer Übermenschlichkeit, nennt.
Zu den Investoren gehören der deutschstämmige Milliardär Peter Thiel, der dem anarchokapitalistischen, rassistisch konnotierten Paleolibertarismus anhängt, sowie Präsidentensohn Donald Trump Junior. Verbesserung des Volkskörpers und dabei Menschen im Selbstoptmierungs-Wahn Geld abknöpfen - die wahren Hintergründe der Enhanced Games sind so düster, wie sie klingen.
Die Bedrohungen auf den Weltsport sind da vergleichsweise überschaubar, werden in den Verbänden von IOC bis DOSB aber sehr ernst genommen. Und selbst Kusch stellt klar: „Das traditionelle Sportsystem muss sauber bleiben. Ich sehe die Enhanced Games als Unterhaltung, eine andere Welt mit komplett anderen Regeln.“ Also quasi wie Hulk Hogan oder der Undertaker im Gegensatz zum olympischen Ringen.
Weil eine Unzahl an hochgedopten Profi-Wrestlern diese Unterhaltung aber mit herben und teils letalen gesundheitlichen Folgen bezahlte, hat Kusch vorgesorgt. Wie seine Freundin bei ProSieben erzählte, hat er sein Sperma einfrieren lassen. Für den Fall, dass die Testosteronkur dafür sorgt, dass seine Zeugungsfähigkeit in Vegas bleibt.
HINTERGRUND
Fragen und Antworten zu den Enhanced Games
Was sind Enhanced Games?
Zunächst einmal ein bewusster Tabubruch sowie ein Angriff auf die traditionellen Regeln des Leistungssports. Die Enhanced (deutsch „erweitert“ oder „verbessert“) Games seien laut Veranstalter „ein neuer globaler Sportwettbewerb, bei dem Spitzensportler die Grenzen der menschlichen Leistungsfähigkeit verschieben“. Doping ist demnach erlaubt und sogar erwünscht.
Was steht auf dem Programm?
Rund 40 Athleten aus Leichtathletik, Schwimmen und Gewichtheben gehen an den Start. Für das Rahmenprogramm gibt sich die US-Band The Killers her.
Wer startet?
In der Regel Sportler, die ihre Karriere hinter sich haben und nicht mehr dem regulären Dopingtest-Reglement unterliegen. 13 Athleten waren noch bei Olympia 2024 in Paris am Start, drei gewannen Medaillen: Schwimmer Hunter Armstrong (25), der Brite Ben Proud (31) und US-Leichtathlet Fred Kerley (31).
Was gibt es zu verdienen?
Viel. Als Gesamtpreisgeld nennen die Veranstalter 25 Millionen US-Dollar. Jedes Event ist mit 500.000 Dollar dotiert, 250.000 davon für den Sieger. Wer einen Weltrekord unter- bzw. im Gewichtheben überbietet, kassiert zusätzlich 250.000 Dollar. Ausnahme: Wer über 50 m Freistil im Schwimmen oder 100 m in der Leichtathletik unter dem WR bleibt, erhält eine Million.
Wer steckt dahinter?
Gründer der Bewegung ist der Australier Aron D'Souza, der unumwunden zugibt: „Unser Ziel ist es, eine neue Supermenschheit zu erschaffen.“ Investor Peter Thiel zählt ebenso wie Präsidentensohn Donald Trump Jr. zu den Geldgebern.
Wie läuft das Doping ab?
Die Gabe von Testosteron, Wachstumshormon oder Steroiden sollte kontrolliert und öffentlich einsehbar protokolliert werden – letzteres geschah letztlich kaum. Erlaubt sind nur von den US-Medizin- und Ernährungsbehörden zugelassene Mittel.
Wie finanzieren sie sich?
Hier kommen wir in den Bereich des Perfiden: Die Substanzen, die von den Sportlern genutzt werden, können auch vom Normalvolk erworben werden – um den Freizeitsportler zu „optimieren“. Über den eigenen Shop verkaufen die Organisatoren Produkte der Marke „Enhanced“ zum Fettabbau oder zur Verlängerung der Lebensdauer (Longevity). Eine Testosteron-Monatsdosis kostet 199 US-Dollar. Auf Ticketverkäufe oder Fernsehgelder sind die Enhanced Games nicht angewiesen: Die 2.500 Zuschauer in Las Vegas sind handverlesen, die Wettkämpfe werden kostenlos gestreamt. (sid/kupo)

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