Fast jeder zweite Belgier nutzt nie öffentliche Verkehrsmittel

<p>Lange Reisezeiten schrecken Belgier vom öffentlichen Verkehr ab.</p>
Lange Reisezeiten schrecken Belgier vom öffentlichen Verkehr ab. | Foto: belga

Der wichtigste Grund für die geringe Nutzung des öffentlichen Verkehrs in Belgien sind lange Reisezeiten. Acht Prozent der Befragten geben an, deshalb ganz auf öffentliche Verkehrsmittel zu verzichten. Damit schneidet Belgien fast doppelt so schlecht ab wie der EU-Durchschnitt und landet in diesem Punkt auf dem vorletzten Platz. Nur Slowenien steht noch schlechter da.

Besonders deutlich zeigt sich das Problem in kleineren Städten und ländlichen Gebieten. Dort verzichten in Belgien deutlich mehr Menschen wegen langer Reisezeiten auf Bus und Bahn als im europäischen Durchschnitt. In Kleinstädten sind es 10,6 Prozent, in ländlichen Gebieten 8,7 Prozent. EU-weit liegen die entsprechenden Werte nur bei 3,5 beziehungsweise 2,8 Prozent.

Ein weiteres Problem ist das fehlende oder zu seltene Angebot. Auch hier sind ländliche Gemeinden besonders betroffen. 35 Prozent der Bewohner solcher Gemeinden nutzen den öffentlichen Verkehr deshalb gar nicht erst. Im EU-Durchschnitt liegt dieser Anteil bei 29,3 Prozent. Die meisten dieser Gemeinden befinden sich in der Wallonie.

Hinzu kommt die Frage der Zugänglichkeit. Auch hier liegt Belgien hinter dem europäischen Durchschnitt, wenn auch weniger deutlich. 4,6 Prozent der Belgier verzichten wegen mangelnder Zugänglichkeit auf öffentliche Verkehrsmittel, gegenüber 3,4 Prozent im EU-Durchschnitt. Besonders betroffen sind Menschen ab 65 Jahren: In Belgien geben 11,8 Prozent von ihnen an, wegen physischer Zugangshürden auf Bus, Bahn, Tram oder Metro zu verzichten. EU-weit sind es 7,1 Prozent.

Gut schneidet Belgien dagegen bei der Bezahlbarkeit ab. Nur 1,7 Prozent der Befragten nennen den Preis als entscheidenden Grund, keine öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Im EU-Durchschnitt sind es 2,1 Prozent. Belgien liegt damit auch deutlich besser als Nachbarländer wie die Niederlande und Deutschland, wo 4,4 beziehungsweise 5,5 Prozent der Befragten den Preis als Ausschlusskriterium nennen.

Greenpeace Belgien fordert angesichts der Ergebnisse politische Maßnahmen. „Mobilität ist kein Luxus; sie ist grundlegend für ein würdevolles Leben“, erklärt Sprecher Joeri Thijs. „Wir rufen die Behörden auf, einem inklusiven öffentlichen Verkehrssystem Priorität einzuräumen: bezahlbar, verfügbar, sicher und zuverlässig.“ (belga/calü)

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