Die 29-jährige Alice Van Eesbeeck aus Perwez in der Provinz Wallonisch-Brabant, die unter dem Künstlernamen Essyla auftritt, überzeugte mit einer energiegeladenen Bühnenshow. Ganz in Weiß gekleidet und begleitet von vier Tänzern präsentierte sie eine Performance in einer eisartigen Kulisse. Vor allem ihre starke Stimme und die dynamische Choreografie kamen beim Publikum offenbar gut an. Für Belgien bedeutet die Finalqualifikation durchaus eine kleine Überraschung. Kurz vor der Show wurde Essyla von Wettanbietern noch im hinteren Bereich des Teilnehmerfeldes gesehen. Umso größer war die Erleichterung bei der belgischen Delegation nach der Verkündung der Finalisten. Essyla wurde einem breiteren Publikum durch ihre Teilnahme bei „The Voice Belgique“ bekannt. Danach studierte sie am Musikinstitut Imep in Namur. Die RTBF setzte in diesem Jahr bewusst auf einen modernen, international ausgerichteten Pop-Sound mit englischsprachigem Titel,
Neben Belgien qualifizierten sich auch mehrere Favoriten problemlos für das große Finale. Finnland, Griechenland und Israel galten bereits im Vorfeld als sichere Kandidaten für die nächste Runde. Ebenfalls weiter sind Schweden, Moldau, Serbien, Kroatien, Litauen und Polen. Ausgeschieden sind dagegen Estland, Georgien, Montenegro, Portugal und San Marino. Insgesamt nehmen in diesem Jahr nur noch 35 Länder am Eurovision Song Contest teil – so wenige wie seit Jahren nicht mehr. Mehrere Staaten entschieden sich wegen der Teilnahme Israels zum Boykott. Wie schon in den vergangenen beiden Jahren sorgt die Teilnahme Israels auch 2026 für massive Kontroversen. Der Wettbewerb in Wien findet unter hohen Sicherheitsvorkehrungen statt. Hintergrund ist der Krieg im Gazastreifen nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 auf Israel und den darauffolgenden israelischen Militäroperationen. Spanien, Irland, Island, die Niederlande und Slowenien boykottieren den diesjährigen Wettbewerb ausdrücklich aus Protest gegen die israelische Teilnahme. Zudem haben mehr als tausend Künstlerinnen und Künstler europaweit zum Boykott aufgerufen, darunter auch bekannte Namen wie Peter Gabriel und Massive Attack. Der Auftritt des israelischen Kandidaten Noam Bettan verlief am Dienstagabend zwar ohne größere Zwischenfälle, blieb aber nicht ohne Proteste. Während seiner Performance waren vereinzelte „Free Palestine“-Rufe und Buhrufe aus dem Publikum zu hören. Nach Angaben des österreichischen Senders ORF sowie der Europäischen Rundfunkunion mussten vier Personen aus der Halle begleitet werden.
Proteste auch in Belgien
Auch in Belgien selbst sorgte der ESC für politische Spannungen. Rund hundert Demonstrierende versammelten sich am Dienstag vor dem Gebäude der RTBF in Brüssel, um einen belgischen Boykott des Wettbewerbs zu fordern. Auf Transparenten war unter anderem „Eurovisihonte“ sowie Kritik an Israels Vorgehen im Gazastreifen zu lesen. Zu den Rednern gehörten Alexis Deswaef, Präsident der Internationalen Föderation für Menschenrechte, sowie die Anwältin Selma Benkhelifa. Parallel dazu fand in Brüssel ein alternatives Solidaritätsfestival unter dem Titel „United for Palestine“ statt, organisiert von mehreren Gewerkschaften und Organisationen. Jacqueline Galant (MR), die Medienministerin der Französischen Gemeinschaft, verteidigte die Entscheidung der RTBF erneut, trotz der Kontroverse am Eurovision Song Contest teilzunehmen. Im Parlament der Französischen Gemeinschaft erklärte sie, der ESC sei keine politische Plattform zwischen Staaten, sondern ein Wettbewerb zwischen öffentlich-rechtlichen Sendern und ihren Künstlern. Ein Boykott hätte ihrer Ansicht nach vor allem der belgischen Kandidatin geschadet, ohne Israels Teilnahme zu verhindern. (belga/sc)

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