Thrive Beer: Belgier Laurens D’Hoore macht alkoholfreies Bier sportlich

<p>Laurens D’Hoore gründete mit Thrive ein alkoholfreies Bier, das Sport und bewussten Konsum miteinander verbinden soll.</p>
Laurens D’Hoore gründete mit Thrive ein alkoholfreies Bier, das Sport und bewussten Konsum miteinander verbinden soll. | Foto: Thrive Beer

Dass der 35-Jährige einmal Bier verkaufen würde, war allerdings alles andere als vorgezeichnet. Der Westflame studierte Jura, arbeitete zunächst als M&A-Anwalt, also als Transaktionsberater, und später im Finanz- und Private-Equity-Sektor in Brüssel. „Ich hatte aber immer den Traum, irgendwann etwas Eigenes aufzubauen“, erzählt D’Hoore im Gespräch mit dem GrenzEcho.

Die entscheidende Idee entstand beim Sport. D’Hoore fuhr viel Rad, begann für Triathlon zu trainieren und nahm 2019 an einem Ironman teil. Während der Vorbereitung verzichtete er zunehmend auf Alkohol. „Nach langen Trainings haben wir früher oft gemeinsam ein Bier getrunken – typisch belgisch eben“, sagt er und lacht. Stattdessen griff er häufiger zu alkoholfreiem Bier und Proteinshakes. „Und auf einmal klickten die Puzzleteile in meinem Kopf zusammen: Warum gibt es eigentlich kein echtes Sportbier?“ Die Grundidee war simpel – die Umsetzung dagegen kompliziert. Das Bier sollte alkoholfrei sein, gleichzeitig aber auch Nährstoffe liefern, die der Körper nach dem Sport benötigt. „Proteine waren dabei entscheidend“, erklärt D’Hoore. Gemeinsam mit dem Bierinnovationszentrum der Katholischen Universität Löwen (KU Leuven) begann die Entwicklungsarbeit. „Von der ersten Idee bis zu den Prototypen haben wir rund anderthalb Jahre gebraucht.“

<p>Mit Proteinen, Vitaminen oder Magnesium richtet sich Thrive an gesundheitsbewusste Konsumenten.</p>
Mit Proteinen, Vitaminen oder Magnesium richtet sich Thrive an gesundheitsbewusste Konsumenten. | Foto: Thrive Beer

Gebraut wird übrigens mit denselben vier Grundzutaten wie bei herkömmlichem Bier: Wasser, Gerste, Hopfen und Hefe. „Wir brauen kein Bier mit Alkohol, der später wieder entzogen wird“, erklärt D’Hoore. Stattdessen arbeite man mit einer patentierten Hefe, die die beim Brauprozess freigesetzten Zucker kaum in Alkohol umwandelt. „Dadurch behalten wir viel mehr Geschmack und Körper im Bier.“

Die funktionellen Bestandteile werden erst nach dem Brauprozess hinzugefügt – technisch deutlich anspruchsvoller, als es zunächst klingt. „Die Eiweiße müssen sich richtig lösen und stabil bleiben. Niemand will einen Satz am Boden der Dose haben“, sagt D’Hoore.

<p>Aus der Idee eines Sportbiers ist bei Thrive Beer inzwischen eine kleine Produktfamilie mit mehreren alkoholfreien Varianten entstanden.</p>
Aus der Idee eines Sportbiers ist bei Thrive Beer inzwischen eine kleine Produktfamilie mit mehreren alkoholfreien Varianten entstanden. | Foto: Thrive Beer

Heute umfasst das Sortiment von Thrive drei verschiedene Varianten. „Peak“ richtet sich mit zehn Gramm Molkenprotein pro Dose gezielt an Sportler und soll die Regeneration unterstützen. „Play“ enthält eine Mischung aus B-Vitaminen und Vitamin D3, während die IPA-Variante „Unwind“ mit Magnesium versetzt wird und auf Entspannung abzielt. „Wir entwickeln uns immer mehr von einem reinen Sportbier hin zu einer Lifestyle-Marke“, erklärt D’Hoore. Thrive solle Menschen ansprechen, die bewusster leben, weniger Alkohol trinken und gleichzeitig nicht auf Genuss verzichten wollen.

2021 wagte D’Hoore schließlich den Sprung. Er kündigte seinen sicheren Job und setzte alles auf Thrive. „Rational war das wahrscheinlich nicht die klügste Entscheidung“, sagt er rückblickend. „Aber als Unternehmer braucht man auch eine gewisse gesunde Naivität.“ Seine Familie habe den Schritt zunächst nur bedingt verstanden. „Meine Mutter fragte sich schon, warum ich plötzlich Bier verkaufen wollte. Und meine Großmutter glaubte erst daran, als sie Thrive im Supermarkt gesehen hat.“

Inzwischen ist aus der Idee ein Unternehmen mit acht Mitarbeitern geworden. Die Produkte stehen in belgischen Supermärkten, Kantinen von Sportclubs und Gastronomiebetrieben – und zunehmend auch im Ausland. Thrive wird inzwischen unter anderem bei Albert Heijn in den Niederlanden sowie über Decathlon in mehreren europäischen Ländern verkauft. Allein im vergangenen Jahr produzierte das Unternehmen rund 500.000 Liter Bier – umgerechnet etwa 1,5 Millionen Dosen und Flaschen.

Dass alkoholfreies Bier boomt, sieht der Unternehmer dabei nicht als kurzfristigen Trend. „Die Menschen beschäftigen sich heute viel stärker mit Gesundheit, Ernährung und bewusstem Konsum“, sagt er. Zwar mache alkoholfreies Bier bislang nur einen kleinen Teil des Gesamtmarktes aus, wachse aber jedes Jahr deutlich. „Ich glaube nicht, dass diese Entwicklung wieder verschwinden wird.“

Trotz des Erfolgs sieht D’Hoore sein Unternehmen noch lange nicht am Ziel. Erst vor wenigen Wochen feierte Thrive seinen fünften Geburtstag. „Und trotzdem habe ich oft das Gefühl, dass wir eigentlich noch ganz am Anfang stehen“, sagt er. Die nächsten Schritte sind bereits geplant: neue Produktinnovationen, weitere internationale Märkte – und vielleicht irgendwann auch Bier vom Fass.

Stillstand kommt für den Belgier jedenfalls nicht infrage. „Stillstand war noch nie mein Ding“, sagt D’Hoore, bevor er sich wieder auf sein E-Bike schwingt und im Brüsseler Feierabendverkehr verschwindet.

Wer Thrive Beer probieren möchte, hat bei der fünften Auflage von „GE – Läuft“ Gelegenheit dazu: Am Mittwoch, dem 20. Mai, gibt es nach dem Run für alle Teilnehmer ein Gratis-Bier. Start ist um 19 Uhr auf dem Marktplatz in Eupen; gelaufen werden 2 × 5 Kilometer im „Social Pace“ von etwa 6:15 Minuten pro Kilometer.

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