Die nationale Demonstration verlief nach Angaben der Behörden ohne Zwischenfälle – und auch das Wetter spielte mit: Regen blieb aus.
Schon am Vormittag strömten die Teilnehmer, überwiegend in den Farben Rot und Grün der großen Gewerkschaften, zum Boulevard Roi Albert II in der Nähe des Nordbahnhofes. Dort wandten sich die Vorsitzenden der drei nationalen Gewerkschaften an die Menge. Sie warfen der Föderalregierung vor, den sozialen Dialog zu missachten.
Die Gewerkschaften wollten mit der Mobilisierung kurz vor der Abstimmung über die Rentenreform den Druck auf die Föderalregierung erhöhen. Besonders umstritten ist dabei der geplante „Rentenmalus“.

Im Mittelpunkt der Kritik stand zudem die geplante Begrenzung der Lohnindexierung. Der sogenannten Zehnergruppe, in der Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter vertreten sind, war es zuletzt erstmals seit Langem gelungen, einen gemeinsamen Alternativvorschlag zur von der Regierung De Wever gewünschten Deckelung vorzulegen. Föderalminister Frank Vandenbroucke (Vooruit) machte jedoch am Dienstagmorgen deutlich, dass die Föderalregierung an ihrem eigenen Kurs festhalten will.
Die Gewerkschaften reagierten entsprechend scharf. Sie warfen der Arizona-Koalition vor, zentrale Pfeiler des belgischen Sozialmodells abzubauen – von der sozialen Sicherheit über die Renten bis hin zum Streikrecht. Zudem kritisierten sie Maßnahmen, die aus ihrer Sicht nicht halten, was sie versprechen, und für die es in der Bevölkerung keine Nachfrage gebe.

Gegen 11.20 Uhr setzte sich die offizielle Spitze des Demonstrationszugs vom Brüsseler Nordbahnhof in Richtung Südbahnhof in Bewegung. Die Route führte über den kleinen Ring. Neben den roten und grünen Gewerkschaftsblöcken waren auch einige blaue Fahnen sowie zahlreiche Vertreter von Verbänden und Organisationen im Zug zu sehen.
Die Demonstration blieb ruhig – auch vor dem Sitz der MR, der in der Vergangenheit bereits Ziel von Protesten gewesen war und dieses Mal besonders stark abgesichert wurde. Gegen 13.30 Uhr erreichten die letzten Demonstranten den Südbahnhof. Viele stiegen dort wieder in Züge, um in jene Regionen Belgiens zurückzukehren, aus denen sie am Morgen angereist waren. (belga/calü)

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