WM-Hymne der Roten Teufel: Kritik an Wahl von Roméo Elvis

Der Song „Kiss the grass (Allez allez)“, den der Brüsseler Rapper gemeinsam mit der flämischen Sängerin Sylvie Kreusch geschrieben hat, war Ende April vom Fußballverband zur offiziellen Hymne der Nationalmannschaft für diesen Sommer bestimmt worden.

Die Wahl von Roméo Elvis hatte rasch Fragen aufgeworfen. Der Künstler hatte 2020 öffentlich eingeräumt, gegenüber einer jungen Frau eine „unangemessene Geste“ gemacht zu haben.

„Diese Vorfälle, die er selbst eingeräumt hat, stellen einen Eingriff in die sexuelle Selbstbestimmung dar“, erklärt der CFFB. Zwar erkenne man grundsätzlich an, dass Menschen ihre Fehler eingestehen und sich weiterentwickeln könnten. Dennoch müssten öffentliche und sportliche Institutionen besonders wachsam sein, wenn sie Persönlichkeiten auswählten, die Belgien repräsentieren und Werte an junge Generationen vermitteln sollen.

Dem Frauenrat gehe es nicht darum, jemandem die Möglichkeit zur Einsicht und Veränderung abzusprechen. Doch bei einer offiziellen Fußballhymne liege der Maßstab höher. „Eine Nationalhymne ist kein Lied wie jedes andere“, betont der CFFB. Sie sei ein kollektives Symbol. Deshalb müsse konsequent geprüft werden, welche Worte, Verhaltensweisen und öffentlichen Botschaften mit den ausgewählten Künstlern verbunden seien.

Die Organisation verweist dabei auf die Debatte um Damso im Jahr 2017. Damals hatte der CFFB den Brüsseler Rapper als Autor der Hymne der Roten Teufel für die WM 2018 kritisiert – wegen aus Sicht der Organisation offen frauenfeindlicher und erniedrigender Texte in anderen Liedern. Damso wurde schließlich vom Projekt abgezogen.

Vor diesem Hintergrund sieht der CFFB nun einen Widerspruch. „Es ist daher nicht kohärent, 2018 zu der Auffassung zu gelangen, dass bestimmte Texte Damso mit dieser Funktion unvereinbar machten, und einige Jahre später die Taten von Roméo Elvis zu relativieren“, heißt es in der Mitteilung.

Auch Damso selbst hatte die Wahl von Roméo Elvis kritisiert und dabei von zweierlei Maß sowie systemischem Rassismus gesprochen.

Der CFFB weist den Vorwurf zurück, im Fall Roméo Elvis langsamer reagiert zu haben als damals bei Damso, weil es sich um Künstler unterschiedlicher Hautfarbe handelt. Man habe sich die nötige Zeit genommen, um die Lage zu analysieren und eine abgestimmte Position zu erarbeiten.

„Unsere Organisation handelt unabhängig, auf der Grundlage konstanter Prinzipien und nicht unter dem Druck sozialer Netzwerke“, erklärt der Frauenrat. Die Verwaltungsrätinnen und Expertinnen des CFFB arbeiteten weitgehend ehrenamtlich und seien nicht verpflichtet, in dem von der Nachrichtenlage oder äußerem Druck vorgegebenen Tempo zu reagieren.

Über die konkrete Hymnenkontroverse hinaus sieht der CFFB ein grundlegenderes Problem. Die Debatte mache vor allem sichtbar, wie hartnäckig Sexismus sowohl in der Musikbranche als auch im Fußball weiterhin verankert sei. (belga/calü)

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