Transportgruppe Ziegler sucht Käufer – Sorge um Arbeitsplätze in Welkenraedt

<p>Nach Frankreich-Pleite: Bei Ziegler Belgien sind 550 Jobs bedroht.</p>
Nach Frankreich-Pleite: Bei Ziegler Belgien sind 550 Jobs bedroht. | Foto: afp

Für die Gewerkschaften markiert das Aus in Frankreich einen Wendepunkt. Die Schließung habe „das Todesurteil“ für die belgische Gruppe eingeläutet, hieß es nach der Sitzung.

Noch ist allerdings unklar, wie es konkret weitergeht. Laut Philippe Lescot von der Gewerkschaft CSC-Transcom hätten sich bereits zehn mögliche Investoren gemeldet. „Alle Optionen liegen derzeit auf dem Tisch“, erklärt er gegenüber „La Meuse“.

Einige Interessenten seien daran interessiert, die gesamte Unternehmensgruppe mitsamt aller Standorte zu übernehmen – eine Lösung, die auch die Direktion bevorzuge. Andere Kandidaten würden dagegen nur einzelne Unternehmensbereiche übernehmen wollen. „Ich glaube, dass drei Kandidaten die gesamte Aktivität und alle Standorte übernehmen möchten. Andere wollen das Unternehmen zerschlagen“, sagt Lescot.

Trotz möglicher Übernahmen rechnen die Gewerkschaften jedoch mit Stellenverlusten. „Wir haben keinerlei Garantien. Die Direktion sagt zwar, dass sie eine globale Übernahme bevorzugt, verschweigt aber nicht, dass es trotzdem Verluste geben wird“, so Lescot gegenüber „La Meuse“. Besonders im Verwaltungsbereich drohten Einschnitte, weil dort Doppelstrukturen bestünden. Bei den Arbeitern seien die Perspektiven etwas besser, da deren Fachwissen weiterhin gebraucht werde.

Der Gewerkschaftsvertreter spart dabei nicht mit Kritik am Management. „Das Verrückte ist, dass wir Arbeitnehmer haben, die selbst vom Arbeitgeber als außergewöhnlich bezeichnet werden und über ein unglaubliches Know-how verfügen. Und heute führt Missmanagement zur Schließung“, sagt Lescot. In Frankreich seien bereits rund 1.400 Arbeitsplätze verloren gegangen, nun könnten weitere 550 Stellen in Belgien gefährdet sein. „Insgesamt reden wir über 2.000 Arbeitsplätze bei einem familiengeführten Unternehmen mit jahrzehntelanger Geschichte und weltweitem Bekanntheitsgrad.“

Dass die belgische Sparte jetzt verkauft werden soll, habe ihn persönlich nicht überrascht, räumt Lescot ein. Für die Beschäftigten sei die Nachricht dagegen ein Schock gewesen. „Der Arbeitgeber hatte ihnen hoch und heilig versprochen, wieder in das Unternehmen zu investieren, damit es bestehen bleibt.“ Zwar versuche die Unternehmensführung noch immer, Lösungen zu finden, dennoch spricht Lescot von einer „chaotischen Führung“. Verantwortliche hätten inzwischen entlassen werden müssen. „Wenn man an diesem Punkt angekommen ist – wie konnte man das vorher nicht sehen? Das Unternehmen wurde wirklich schlecht geführt.“

Trotz der düsteren Lage sieht der Gewerkschafter noch Hoffnung. „Es gibt eine echte Chance, viele Arbeitsplätze zu retten“, betont er. Wie hoch die Verluste am Ende ausfallen werden, könne derzeit aber niemand abschätzen. „Ich kann nicht sagen, ob wir 50 oder 150 Stellen verlieren werden.“

Jetzt hoffen die Gewerkschaften vor allem auf eine schnelle Entscheidung über einen möglichen Käufer. Davon werde auch abhängen, wie die sozialen Gespräche weitergeführt werden. „Dann werden wir sehen, ob der soziale Dialog einfach weiterläuft oder ob wir den bösen Gewerkschafter spielen müssen“, warnt Lescot gegenüber „La Meuse“ abschließend. (calü)

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