US-Präsident Trump kündigt höhere Zölle auf Autos aus der EU an

<p>US-Präsident Donald Trump hat am Freitag neue Zölle verkündet.</p>
US-Präsident Donald Trump hat am Freitag neue Zölle verkündet. | Foto: Mark Schiefelbein/AP/dpa

Lange war es im Zollstreit zwischen den USA und der EU ruhig geblieben, doch kurz vor dem Wochenende lässt US-Präsident Donald Trump die Situation eskalieren: Auf Truth Social kündigt er an, den Zoll auf Auto- und Lastwagenimporte aus der Europäischen Union in die USA auf 25 Prozent zu erhöhen. Der neue Satz soll ab kommender Woche gelten.„Sie haben sich nicht an die Vereinbarung gehalten, die wir getroffen haben“, begründete Trump seine Entscheidung vor Journalisten. Was bedeutet das? Ein Überblick:

Was ist das für ein Handelsabkommen?

Mitte August 2025 hatten sich Trump und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in einem Rahmenabkommen auf eine Zollobergrenze von 15 Prozent auf die meisten EU-Warenimporte in die USA geeinigt. Auch für europäische Autos und Autoteile sollte der Satz gelten. Im Gegenzug verpflichtete sich die EU, Zölle auf US-Industriegüter zu streichen und den Marktzugang für US-Agrarprodukte wie Schweinefleisch und Milchprodukte zu erleichtern.

Weitere Zolldrohungen Trumps im Grönland-Konflikt und Unsicherheit nach einer Gerichtsentscheidung, die viele US-Zölle für rechtswidrig erklärt hatte, hatten die Umsetzung des Zolldeals allerdings gebremst. Das Europäische Parlament gab im März bekannt, die weitere Umsetzung des Abkommens mit den USA an strenge Bedingungen knüpfen zu wollen.

Die Abgeordneten sprachen sich mehrheitlich dafür aus. Für den Vollzug müssen auch die Mitgliedstaaten noch den entsprechenden Verordnungen zustimmen.

Der Einigung war ein monatelanger Streit vorangegangen, bei dem sich beide Seiten des Atlantiks mit Zolldrohungen überzogen. Im Juli kündigte Trump etwa Zölle von 30 Prozent auf alle Waren aus der Europäischen Union an - die EU bereitete wenige Tage darauf Gegenzölle im Wert von 72 Milliarden Euro vor.

Welcher Zollsatz gilt bislang?

Im Rahmen des Handelsabkommens von August gilt laut US-Bundesregister für Autos, leichte Lastwagen und Autoteile, die aus der EU in die USA importiert werden, die 15-Prozent-Zollobergrenze. Mittelschwere und schwere Lastwagen werden allgemein mit 25 Prozent verzollt. Autos und Lastwagen von EU-Herstellern, die in den Vereinigten Staaten produziert werden, sind laut Trump von den Abgaben ausgenommen.

Der US-Präsident will dadurch Autobauer auf der ganzen Welt dazu bewegen, trotz höherer Herstellungskosten mehr in den USA zu produzieren. Derzeit befänden sich „zahlreiche“ Produktionsstätten im Bau, das Investitionsvolumen liege bei mehr als 100 Milliarden US-Dollar (knapp 85,5 Mrd. Euro), schreibt Trump in seinem Post.

Wie reagiert die EU?

In einer ersten Reaktion bezeichnete Bernd Lange, Vorsitzender des Handelsausschusses im Europaparlament, Trumps Ankündigung als inakzeptabel. Das Europäische Parlament halte weiterhin an der Vereinbarung fest und arbeite an der Umsetzung des Abkommens. „Während die EU ihre Verpflichtungen erfüllt, bricht die US-Seite ihre Zusagen immer wieder“, schrieb er weiter.Eine Reaktion der EU-Kommission, die in der Staatengemeinschaft für die Handelspolitik zuständig ist, gab es zunächst nicht.

Sind die neuen Zölle eine Rache an Merz, Meloni und Sánchez?

Ausgeschlossen ist das keineswegs: Das Verhältnis zwischen den USA und mehreren europäischen Ländern ist derzeit angespannt. US-Präsident Donald Trump kritisiert seit Längerem die aus seiner Sicht unzureichende Unterstützung Europas im Konflikt mit dem Iran. In diesem Zusammenhang brachte er auch einen möglichen Abzug von US-Truppen aus Deutschland und stellte ähnliche Überlegungen später auch für Italien und Spanien an. Zuvor waren die USA in beiden Ländern auf Widerstand bei der Nutzung von Militärstützpunkten gestoßen.

Wie wichtig ist der US-Markt für die Autoindustrie?

Die USA zählen traditionell zu den wichtigsten Auslandsmärkten deutscher Autobauer, vor allem für Porsche, BMW und Mercedes. Die Branche war ohnehin im vergangenen Jahr von den Zöllen stark gebeutelt: Zwar galten zunächst 27,5 Prozent, die im August nach dem Deal mit der EU auf 15 Prozent sanken. Das ist aber immer noch sechsmal so viel wie die 2,5 Prozent, die vorher galten. Die neueste Eskalation dürfte einmal mehr für Kopfschütteln bei den Automanagern sorgen. Denn bereits im vergangenen Jahr brach der Auto-Export aus Deutschland in die USA infolge der Zollerhöhungen ein. „Trump hat die Autoindustrie in Deutschland und in Europa massiv getroffen“, sagte etwa Autoexperte Stefan Bratzel. Mit seinen Zöllen verstärke er den Trend, dass Autos immer mehr da gebaut werden, wo sie verkauft werden.

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