GrenzEcho-Zustellung in der Eifel: „Endlich können wir loslegen“

<p>Als einer der neuen Zusteller bringt Patrick Stump das GrenzEcho künftig frühmorgens zu den Abonnenten. Die Arbeit erfordert genaue Planung, Orientierung und ein gutes Gefühl für die Strecke. „Man denkt am Anfang, das ist einfach. Aber wenn du die Runde wirklich fährst, merkst du schnell, wie viel Organisation dahintersteckt“, sagt er.</p>
Als einer der neuen Zusteller bringt Patrick Stump das GrenzEcho künftig frühmorgens zu den Abonnenten. Die Arbeit erfordert genaue Planung, Orientierung und ein gutes Gefühl für die Strecke. „Man denkt am Anfang, das ist einfach. Aber wenn du die Runde wirklich fährst, merkst du schnell, wie viel Organisation dahintersteckt“, sagt er. | Fotos: Christian Schmitz

Organisiert wird diese neue Zustellung von der firmeneigenen Gesellschaft GE Distribution Services. Sie übernimmt die Verteilung der Tageszeitung, zunächst in der Eifel ab dem 27. April, ab Mitte September dann auch im Eupener Land. Es ist ein Systemwechsel, der nicht aus freien Stücken erfolgt, sondern aus der Not heraus entstanden ist. Mit dem Rückzug der Bpost aus der Zeitungszustellung muss sich das GrenzEcho neu organisieren. Was über Jahrzehnte ausgelagert war, liegt nun in eigener Verantwortung. Für die Tageszeitung ist das eine Zäsur. Ohne funktionierende Zustellung gibt es schließlich keine gedruckte Ausgabe. Am Bauhof in Amel wird dieser Umbruch greifbar. Zeitungen stehen in Kisten bereit, vorsortiert nach Routen. Dazwischen eine kleine Gruppe von Zustellern, die sich um Mario Thelen versammelt hat. Er hat eine koordinierende Rolle übernommen, organisiert Abläufe, plant Touren und springt ein, wenn nötig.

<p>Frühmorgendliche Lagebesprechung am Bauhof in Amel: Bevor es auf die Strecke geht, stimmen sich die Zusteller ab – eine wichtige Vorbereitung für einen reibungslosen Start der neuen GrenzEcho-Zustellung.</p>
Frühmorgendliche Lagebesprechung am Bauhof in Amel: Bevor es auf die Strecke geht, stimmen sich die Zusteller ab – eine wichtige Vorbereitung für einen reibungslosen Start der neuen GrenzEcho-Zustellung.

Die Lagebesprechung ist kurz, pragmatisch, ohne große Worte. „Der Plan ist relativ klar. Wir starten mit zehn Runden, kompaktere Gebiete.“ Ziel sei es, die Zustellung in maximal etwa vier Stunden abzuschließen. Eine Vorgabe, die Orientierung gibt, aber auch etwas Druck erzeugt. Bevor es losgeht, wird kontrolliert. Sind alle Zeitungen da? Stimmen die Mengen? Gerade in der Anfangsphase kann es noch zu Unstimmigkeiten kommen, etwa bei zusätzlich angelieferten flämischen oder französischen Blättern. „Man muss vorher genau schauen, ob alles vollständig ist. Wenn du erst unterwegs merkst, dass etwas fehlt, wird es kompliziert.“ Seine Erfahrung als ehemaliger Briefträger prägt den Blick auf die neue Aufgabe. Vieles erinnert an frühere Abläufe, und doch ist die Situation eine andere. „Die größte Herausforderung ist nicht das Zustellen an sich. Die größte Herausforderung ist, die richtige Route zu finden.“ Was einfach klingt, ist in der Praxis aufwendig. Gerade in einer ländlichen Region wie der Eifel sind die GrenzEcho-Abonnenten weit verstreut. „Früher hattest du oft Straßen, wo jedes fünfte Haus eine Zeitung bekam. Da konntest du relativ schnell eine Runde planen“, so Mario Thelen. Heute sei das anders: „Jetzt hast du hier drei Häuser, da zwei, dann wieder eins irgendwo. Daraus musst du eine effiziente Strecke bauen.“ Das bedeutet: ständig Entscheidungen treffen. Fahren oder doch gehen? „Man will ja nicht kreuz und quer fahren oder unnötige Strecken machen. Und es ist schon einfacher, wenn die Kästen auf der richtigen Seite sind und du direkt drankommst.“ Gerade in dichter bebauten Orten könne es sinnvoll sein, das Auto stehen zu lassen und mehrere Straßen zu Fuß zu erledigen. „Sonst steigst du ständig ein und aus. Das kostet Zeit.“ Auf dem Land dagegen überwiegt das Fahren. „Da lohnt sich das Gehen oft nicht.“ Diese Feinabstimmung entsteht nicht am Reißbrett. Zwar wurden Karten analysiert, Adressdaten ausgewertet und Touren geplant. Doch vieles muss sich erst im Alltag beweisen. „Die optimale Runde ergibt sich erst, wenn man sie wirklich fährt. Man merkt schnell, wo man noch etwas verbessern kann.“ Zahlreiche Abonnenten gilt es in den fünf Eifelgemeinden zu erreichen. Ein großes Gebiet, viele kleine Orte, ein weitläufiges Straßennetz. Für Mario Thelen ist klar: „Das ist nichts, was man mal eben so organisiert.“

Einer, der diese Herausforderung künftig täglich auf der Straße erlebt, ist Patrick Stump. Der 49-Jährige ist einer der neuen Zusteller. Für ihn bedeutet diese Aufgabe zugleich einen persönlichen Neuanfang. Seine Route führt ihn vom Bauhof in Amel in Richtung seines Wohnorts Schönberg. „Ich habe 30 Jahre als Dachdecker gearbeitet. Dann kamen massive Rückenprobleme“, erzählt er. Zwei Operationen später sei klar gewesen, dass er nicht mehr auf dem Dach arbeiten kann: „Das ging einfach nicht mehr.“ Eine Tätigkeit im Büro kam für ihn ebenfalls nicht infrage. „Das ist eine ganz andere Welt. Dieses lange Sitzen – das ist auch anstrengend.“ Also begann er, sich neu zu orientieren. „Ich habe mich umgehört, geschaut, was ich noch machen kann.“ Dann stieß er auf das Angebot des GrenzEcho. „Das hat mich direkt interessiert. Ich bin gerne früh wach, ich fahre gerne Auto. Das passt einfach.“ Er bewarb sich, wurde angenommen und ist heute Teil eines Teams, das ein komplettes Zustellsystem neu aufbaut. Seine ersten Touren absolvierte er mit dem Privatauto, zum Einlernen, zum Verstehen der Strecke. Schnell wurde ihm klar, dass die Herausforderung im Detail liegt. „Du kannst die Briefkästen nicht immer direkt einem Haus zuordnen. Und die sehen auch nicht immer so aus, wie man sich das vorstellt.“ Die Fortschritte sind messbar. „Bei der ersten Tour habe ich rund vier Stunden gebraucht. Beim zweiten Mal waren es schon dreieinhalb. Und momentan bin ich bei etwa drei Stunden.“ Dennoch geht es nicht nur um Tempo. „Die Leute haben manchmal spezielle Wünsche. Da ist zum Beispiel eine Frau mit Gehproblemen – da bringst du die Zeitung bis zur Tür.“ Solche Dinge gehören für ihn dazu. „Das macht man gerne.“ Manchmal ergibt sich auch ein kurzer Kontakt. „Ein ‚Guten Morgen‘, ein paar Worte – das gehört auch dazu.“ Mit Blick auf den Start am kommenden Montag überwiegt die Vorfreude. „Endlich können wir richtig loslegen.“ Die Vorbereitung sei intensiv gewesen, aber notwendig. „Ich denke, wir haben die Dinge gut im Griff.“ Ein Vorteil ist für ihn die Technik. Die Routen werden über eine App gesteuert, lassen sich aber individuell anpassen. „Du kannst die Strecke nach deinem eigenen Gefühl fahren. Wenn du merkst, dass es anders besser läuft, dann änderst du das.“ Mit der Zeit wachse die Sicherheit. „Jetzt kennt man schon viele Briefkästen, weiß, wo man hin muss. Und wenn irgendwo eine Straße gesperrt ist, hat man Alternativen im Kopf.“ Auch innerhalb des Teams zeigt er sich flexibel. „Ich kann auch aushelfen, wenn irgendwo jemand fehlt.“ Genau diese Bereitschaft ist gefragt in einem System, das sich noch einspielt und täglich neu beweisen muss. Für Patrick Stump ist klar: Die Aufgabe ist anspruchsvoll, aber machbar. „Man wächst da rein.“

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