Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Die Gewerkschaften brachen ein laufendes Treffen umgehend ab. „Unter diesen Umständen ist es unmöglich, konstruktiv weiterzuarbeiten“, erklärte Myriam Delmée, Vorsitzende der Angestelltengewerkschaft Setca.
Aldi begründet den Vorstoß mit wirtschaftlichem Druck. Die Geschäftszahlen seien nicht zufriedenstellend, zudem wachse die Konkurrenz. Insbesondere verweist das Unternehmen auf den Rivalen Lidl, der bereits im März ähnliche Pläne angekündigt hatte. Aus Sicht der Gewerkschaften besteht jedoch kein akuter Handlungsdruck, da sich auch dort die Gespräche noch in einem frühen Stadium befinden.
Die Spannungen zeigen bereits erste Auswirkungen: Am Freitag blieben nach Angaben der Gewerkschaften landesweit mehrere Filialen vorübergehend geschlossen. Schon am Donnerstag hatte es vereinzelt spontane Schließungen gegeben.
Auch die christliche Gewerkschaft CNE stellt sich auf schwierige Verhandlungen ein. „Bei Aldi gibt es traditionell eine klare Ablehnung von Sonntagsarbeit“, erklärte Gewerkschaftssekretärin Évelyne Zabus. Die plötzliche Wiederaufnahme des Themas komme daher überraschend – und zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Eigentlich sollten bei dem Treffen andere Anliegen wie Lohnerhöhungen im Mittelpunkt stehen. „Für die Beschäftigten ist das ein doppelter Schlag: Man verlangt zusätzliche Arbeit, ohne bei anderen Forderungen entgegenzukommen“, so Zabus.
Aldi selbst verteidigt seine Pläne. In einem Statement betont das Unternehmen, man wolle sich an veränderte Marktbedingungen und Kundenbedürfnisse anpassen und gleichzeitig die Arbeitsplätze sichern.
Ein konkreter Zeitplan für die mögliche Einführung von Sonntagsöffnungen wurde bislang nicht genannt. Aldi betreibt hierzulande 440 Niederlassungen. (belga/calü)

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