Hilfe bei digitaler Gewalt: Anlaufstellen in der DG

<p>Collien Fernandes und Christian Ulmen stehen im Mittelpunkt einer Debatte über digitale Gewalt: Fernandes wirft ihrem Ex-Partner vor, mithilfe von Fake-Profilen pornografische Deepfake-Inhalte verbreitet zu haben. Die Vorwürfe werden juristisch geprüft, für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall hat in Deutschland eine breite Diskussion über den Umgang mit KI-generierten Missbrauchsinhalten ausgelöst.</p>
Collien Fernandes und Christian Ulmen stehen im Mittelpunkt einer Debatte über digitale Gewalt: Fernandes wirft ihrem Ex-Partner vor, mithilfe von Fake-Profilen pornografische Deepfake-Inhalte verbreitet zu haben. Die Vorwürfe werden juristisch geprüft, für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung. Der Fall hat in Deutschland eine breite Diskussion über den Umgang mit KI-generierten Missbrauchsinhalten ausgelöst. | Foto: Carsten Koall/dpa

Auch im Parlament der DG wurde das Thema aufgegriffen: Fabienne Colling (Ecolo) nahm den Fall bei der Regierungskontrolle zum Anlass, um nach Anlaufstellen, Prävention und Unterstützung für Betroffene digitaler Gewalt zu fragen.

Sozialministerin Lydia Klinkenberg (ProDG) lieferte einen Überblick:

Anlaufstellen bei digitaler Gewalt: Betroffene können sich bei Verdacht auf digitale Gewalt zunächst an Polizei und Staatsanwaltschaft wenden. Darüber hinaus gibt es in der DG ein breites Netz an Anlaufstellen, darunter Prisma, Kaleido, die Jugendhilfe, Jugendinfo Ostbelgien, der Medienrat sowie das Justizhaus, die je nach Alter und Situation Unterstützung bieten und gegebenenfalls weitervermitteln.

Meldung und Entfernung von Inhalten: Deepfake-Inhalte sollten direkt bei den jeweiligen Online-Plattformen gemeldet und deren Entfernung eingefordert werden. Falls Plattformen nicht reagieren oder keine geeigneten Beschwerdewege anbieten, kann beim Medienrat der DG Beschwerde eingereicht werden, der diese im Rahmen des Digital Services Act an die zuständigen Stellen weiterleitet. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, sich an Child Focus zu wenden, insbesondere wenn Inhalte Minderjährige betreffen.

Weitere Unterstützung: Neben Polizei und Opferbeistand bietet das Justizhaus Erstberatung und Begleitung an. Juristische Unterstützung ist über die Sprechstunden der Anwaltskammer möglich. Für erwachsene Betroffene steht das Institut für die Gleichstellung von Frauen und Männern zur Verfügung, während Kaleido psychologische Betreuung anbietet, etwa im schulischen Kontext. Minderjährige werden durch die Jugendhilfe begleitet, während für jugendliche Täter der Jugendgerichtsdienst zuständig ist.

Präventionsangebote: In der DG existiert eine Vielzahl an Präventionsmaßnahmen. Kaleido organisiert Programme wie „Fairplayer“, „Medienhelden“ und „Stark & Beschützt“, die sich an Schüler und Lehrkräfte richten und den Umgang mit Mobbing und Cybermobbing thematisieren. Das seit Jahren bestehende Programm MEGA+ sensibilisiert bereits Grundschüler für Konfliktverhalten. Im Rahmen von KoPs werden Schüler über Rechte, Pflichten und Risiken digitaler Gewalt informiert. Jugendinfo Ostbelgien bietet interaktive Workshops zu Themen wie Cybermobbing, Künstliche Intelligenz, Mediennutzung und Sexting an. Ergänzend leisten das Jugendbüro und das Programm „4You(th)“ Aufklärungsarbeit in der Jugendarbeit. Auch die AG Leuchtturm organisiert Workshops, während der Rat der deutschsprachigen Jugend Online-Materialien und Informationen bereitstellt. Das Medienzentrum ergänzt das Angebot durch Sensibilisierungsveranstaltungen zu Digitalkompetenz und KI, darunter auch zu Deepfakes.

Rechtlicher Rahmen: Mit Blick auf die Zukunft verwies Ministerin Klinkenberg auf die europäische KI-Verordnung, die Anbieter verpflichten wird, künstlich erzeugte oder manipulierte Inhalte als solche zu kennzeichnen. Bei Verstößen können Geldstrafen verhängt werden.

Fabienne Colling betonte, dass das Thema enttabuisiert werden müsse und Betroffene wissen sollten, dass sie nicht allein sind und zahlreiche Anlaufstellen existieren. Zugleich verwies sie darauf, dass Mobbing durch KI eine neue Dimension erreicht habe. Elke Comoth (ProDG) regte an, die bestehenden Angebote stärker zu bündeln, etwa durch eine zentrale Erstlaufstelle und klare Leitfäden für Dienste der ersten Linie.

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