Streit um eingereichte Beweise: Ferrara-Prozess wird vertagt

<p>Antonio Ferrara (Mitte) bei einer Anhörung zur Festlegung des Prozesskalenders im Justizpalast in Brüssel am 30. März 2026.</p>
Antonio Ferrara (Mitte) bei einer Anhörung zur Festlegung des Prozesskalenders im Justizpalast in Brüssel am 30. März 2026. | Foto: belga

Damit soll der Verteidigung ausreichend Zeit eingeräumt werden, neu eingereichte Beweismittel zu prüfen, die die Staatsanwaltschaft erst kürzlich in die Akte aufgenommen hat.

Zu Beginn der Verhandlung wurde bekannt, dass die Staatsanwaltschaft insgesamt 9.544 Stunden abgehörter Kommunikation aus vier Fahrzeugen in das Verfahren eingebracht hat. Diese Daten können ausschließlich auf drei speziell ausgestatteten Computern eingesehen werden. Eingereicht wurden die Beweismittel erst nach der ersten Stellungnahme der Verteidigung.

Die Anwälte kritisierten, dass das Gericht den Verfahrenskalender festgelegt habe, ohne sie ausreichend einzubeziehen. Im Mittelpunkt der Debatte standen die umfangreichen Abhörprotokolle, die die Staatsanwältin erst vor wenigen Tagen hinterlegt hatte – obwohl die Verteidigung eines Angeklagten bereits seit über einem Jahr Einsicht in dieses Material gefordert hatte.

Mit ironischem Unterton erklärte der 52-jährige Ferrara vor Gericht, ein beschleunigtes Verfahren ohne ausreichende Zeit zur Sichtung der Aufnahmen würde ihm eher nützen. „Es wird Fragen geben, die ich nicht beantworten kann“, sagte er zum Richter, „dann werde ich Ihnen sagen, dass ich nicht weiß, wovon Sie sprechen.“

Die Auswertung der umfangreichen Tonaufnahmen gestaltet sich zudem schwierig: Sie ist ausschließlich im Greffe möglich, auf den drei Rechnern mit spezieller Polizeisoftware. Einer dieser Computer ist derzeit defekt, wie ein Anwalt am Montag anmerkte.

„Sollen wir jetzt eine Nummer ziehen und uns anstellen?“, kritisierte der Verteidiger von Y. B. Dieser ist der einzige der zehn Angeklagten, dem auch versuchter Mord an einem Polizisten vorgeworfen wird – weshalb der belgische Staat in diesem Punkt als Nebenkläger auftritt.

Die zehn Angeklagten waren am 27. Februar 2025 (Altweiberdonnerstag) in Eupen festgenommen worden. Ihnen werden versuchter Raubüberfall, unerlaubter Besitz und Tragen von Waffen und Sprengstoff, Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie versuchter Mord an einem Polizisten vorgeworfen. Gegen Antonio Ferrara persönlich wird letzterer Vorwurf jedoch nicht erhoben. (belga/mcfly)

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