Der Bruch hat eine klare zeitliche Linie: Ende 2023 beschloss die belgische Föderalregierung, die Zeitungskonzession auslaufen zu lassen. Damit fiel das Modell weg, auf dem die Zeitungszustellung in Belgien jahrzehntelang beruhte, getragen von Bpost und gestützt durch staatliche Subventionen. Die Folge: Die belgische Post zieht sich bis Ende 2027 schrittweise aus der Zustellung zurück und beendet die Zusammenarbeit. Für die Verlage bedeutet das innerhalb kurzer Zeit einen Systemwechsel, den sie selbst nicht angestoßen hatten. Die Folgen sind gravierend. Für die Zustellung sind die Kosten massiv gestiegen und stellen die bisherigen Modelle wirtschaftlich infrage. Die Kosten hätten sich nahezu vervierfacht, heißt es dazu vonseiten des GrenzEcho. Ein befristeter Steuerkredit der Föderalregierung mildert den Anstieg zunächst zwar ab, ändert aber nichts am grundsätzlichen Problem: Die klassische Zeitungszustellung, wie sie über Jahrzehnte organisiert war, wird es in dieser Form nicht mehr geben.
Für das GrenzEcho stellte sich damit eine zentrale Frage: Wie erreicht die Zeitung künftig ihre Leser, gerade auch in einer ländlich geprägten Region wie beispielsweise der belgischen Eifel? Externe Lösungen erwiesen sich schnell als wenig realistisch, und private Anbieter zeigten kaum Interesse an unserer Region, die aufgrund ihrer Struktur als wenig rentabel gilt. Gleichzeitig bestanden Zweifel, ob die geforderte Qualität dauerhaft gewährleistet werden könnte. „Die bestehenden privaten Betreiber sind für uns keine Option“, macht Sylvie Heeren deutlich. Sie ist Direktionsmitglied und Leiterin der Abo-Abteilung des GrenzEcho. „Zum einen fehlt das Interesse an unserer Region, zum anderen erfüllen sie nicht die Anforderungen, die wir an eine zuverlässige Zustellung stellen“, fügt sie hinzu. Die Entscheidung fiel deshalb zwangsläufig – und sie ist weitreichend: Das GrenzEcho organisiert seine Zustellung künftig selbst. Mit der Gesellschaft GE Distribution Services verfügt die Mediengruppe bereits seit fünf Jahren über eine eigene Struktur, die bislang vor allem für die Verteilung des Wochenspiegels im Norden der Deutschsprachigen Gemeinschaft zuständig ist.
Diese Erfahrungen bilden nun die Grundlage für den nächsten Schritt. Seit 2025 arbeitet die Vertriebsgesellschaft gezielt auf die Ausweitung dieser Tätigkeit hin. Touren wurden entwickelt und angepasst, Prozesse aufgebaut und Personal rekrutiert. Ab dem 27. April werden elf neue Zustellerinnen und Zusteller die Verteilung der Tageszeitung GrenzEcho in den südlichen Gemeinden Amel, Büllingen, Burg-Reuland, Bütgenbach und St.Vith übernehmen. „Wir haben viel Energie und Herzblut in dieses Projekt gesteckt“, sagt Sylvie Heeren. „Es ist ein neues Kapitel, auf das wir uns bewusst eingelassen haben.“ Dass es sich dabei nicht nur um eine logistische Umstellung handelt, wurde auch bei einem Treffen mit den neuen Zustellern Anfang April deutlich. Dort ging es vor allem darum, die Bedeutung dieser Aufgabe zu vermitteln. Denn die Zusteller sind künftig diejenigen, die das Produkt jeden Morgen zum Leser bringen und damit entscheidend zur Wahrnehmung und Qualität der Zeitung beitragen. Für die Abonnenten bleibt vieles vertraut. Die Zeitung wird weiterhin von Montag bis Samstag zugestellt, wie gewohnt in den frühen Morgenstunden bis 8.30 Uhr. Allerdings kann es im Detail zu Verschiebungen kommen. Die neuen Zustellrouten unterscheiden sich von den bisherigen Strukturen, was dazu führt, dass sich der Zeitpunkt der Zustellung innerhalb des gewohnten Zeitfensters verändern kann. Für das GrenzEcho steht dabei ein zentraler Punkt im Vordergrund: die Sicherstellung einer verlässlichen, qualitativ hochwertigen Zustellung. Schließlich bleibt die gedruckte Ausgabe nach wie vor das Rückgrat des Angebots. Der Großteil der Abonnements entfällt weiterhin auf die Printausgabe – entsprechend hoch ist die Bedeutung eines funktionierenden Vertriebs. Denn ohne eine funktionierende Zustellung würde es keine gedruckte Tageszeitung in deutscher Sprache in Ostbelgien mehr geben.
Die Deutschsprachige Gemeinschaft unterstützt nun die Verteilergesellschaft des GrenzEcho mit bis zu 170.000 Euro, um die flächendeckende Zeitungszustellung in einer ländlichen Region wie Ostbelgien zu sichern (siehe auch Artikel unten). Die Ziele dieser Vertriebsförderung sind zum einen sicherzustellen, dass die Bevölkerung weiterhin die Möglichkeit hat, sich mit verlässlichen, lokalen Informationen zu versorgen, sowie andererseits einen Beitrag zur Medienvielfalt zu leisten. Die Förderung verpflichtet den Verteiler zudem, gemeinnützigen Einrichtungen wie Gemeinden, Schulen und Vereinen den Zugang zur Infrastruktur zu vergünstigten Tarifen zu ermöglichen. Für das GrenzEcho selbst geht die Entwicklung jedoch noch weiter: Der Schritt in die Eigenzustellung sei eine strategische Weichenstellung, sagt Direktor Olivier Verdin. Nach dem Süden soll ab September auch der Norden folgen. Olivier Verdin: „Der Aufbau dafür läuft bereits. Am Ende steht ein Systemwechsel, der aus der Not entstanden ist und nun darüber entscheidet, wie die Zeitung künftig beim Leser ankommt."

HINTERGRUND
Die Deutschsprachige Gemeinschaft unterstützt den Vertrieb des GrenzEcho
Wer morgens die Zeitung im Briefkasten findet, denkt selten darüber nach, wie sie dorthin gelangt ist. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft war genau das zuletzt keine Selbstverständlichkeit mehr – und wird es ohne Unterstützung auch künftig nicht sein. Die Deutschsprachige Gemeinschaft unterstützt vor diesem Hintergrund die Verteilergesellschaft des GrenzEcho, um die flächendeckende Zeitungszustellung in der ländlichen Region zu sichern. Die Förderung (bis zu einer Maximalhöhe von 170.000 Euro) ist zweckgebunden und darf ausschließlich zur Finanzierung der Vertriebskosten verwendet werden. DG-Medienminister Gregor Freches (PFF) macht keinen Hehl aus dem politischen Anspruch dahinter: „In einer ländlich geprägten Region wie der Deutschsprachigen Gemeinschaft ist die tägliche Zeitung kein Luxus, sondern ein Grundbedürfnis. Eine unabhängige, lokale Presse, die jeden Haushalt erreichen kann, ist das Rückgrat unserer Demokratie – sie hinterfragt, kontrolliert und informiert. Diese Funktion zu erhalten, ist eine staatliche Aufgabe. Gleichzeitig schaffen wir ein neues Angebot für Vereine, Schulen und Gemeinden“, sagt er.
Denn bei der Vertriebsförderung geht es nicht nur um die Zeitung selbst. Die Förderung ist bewusst so gestaltet, dass auch die Vereinswelt und gemeinnützige Einrichtungen davon profitieren. Gemeinden, Schulen, Vereine und öffentliche Dienste erhalten Zugang zur Vertriebsinfrastruktur zu vergünstigten Tarifen und können so ihre Informationen flächendeckend in alle Haushalte Ostbelgiens verteilen, ohne dafür unverhältnismäßig hohe Kosten tragen zu müssen. Ob Vereinszeitung, Gemeindeblatt oder Schulinformation: Die Infrastruktur steht offen. Kommerzielle Werbung und politische Parteien sind dabei ausdrücklich ausgenommen. Hinter dieser Konstruktion steckt eine nüchterne Überlegung: Was würde fehlen, wenn es das GrenzEcho nicht mehr gäbe? Ostbelgien verlöre seine einzige deutschsprachige Tageszeitung – und damit eine Stimme, die lokale Politik begleitet, Entscheidungen einordnet und das Gemeinschaftsleben dokumentiert. „Vereinsjubiläen, Gemeinderatssitzungen, Theaterbesprechungen, Schulprojekte und vieles mehr – all das Hyperlokale findet anderswo kaum statt. Eine solche Lücke lässt sich durch soziale Medien oder überregionale Medien nicht schließen“, erklärt Minister Gregor Freches.
Mehr zur Vertriebsförderung und die damit verbundenen Modalitäten in einer späteren Ausgabe.

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