Rekordmann Leon Goretzka schnappte sich den Spielball, dann ließ er sich mit dem dick eingepackten Harry Kane und all den weiteren Bayern-Stars von den Fans mit „Europapokal“-Gesängen auf den Kracher gegen Real Madrid einstimmen. Mit dem Bundesliga-Torrekord im Rücken wollen die Bayern nun in der Champions League die Königlichen ausschalten: Beim 5:0 (1:0) auf St. Pauli zeigte die Mannschaft von Trainer Vincent Kompany trotz vieler Wechsel erneut ihre ganze Extraklasse.
Jamal Musiala (9.) und Goretzka (53.) sorgten dafür, dass ihr Team den fast 54 Jahre alten Bestwert von 101 Saisontreffern von Gerd Müller und Co. übertraf. Michel Olise (54.), Nicolas Jackson (65.) und Raphael Guerreiro (88.) legten dann weiter nach – die Bayern stehen somit bei 105 Toren. Kompany konnte zufrieden verfolgen, dass seine Mannschaft voll im Rhythmus blieb und die Vorbereitung auf den Real-Gipfel mit einem guten Gefühl angehen kann.
„Es freut mich, diesen Rekord gibt es so lange. Ich mag es gerne, dass unsere Mannschaft für Tore steht. Wir dürfen stolz sein, aber es geht weiter“, sagte Kompany bei Sky. Sportvorstand Max Eberl hob „Konzentration“ und „Gier“ als entscheidende Punkte hervor. „Ich musste mir erstmal erklären lassen, welcher Rekord es ist“, sagte Goretzka: „Das ist ganz nett, weil ich bislang mit dem schnellsten Eigentor in den Geschichtsbüchern stehe.“
Für die Bayern war die Bedeutung des Duells spätestens nach dem Patzer von Dortmund überschaubar. Der Fokus lag längst auf dem Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League, dies belegte der Verzicht auf etliche Leistungsträger. Insgesamt sieben Wechsel im Vergleich zur Partie in Madrid (2:1) nahm Kompany vor. Einzig Kapitän Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Konrad Laimer und Michael Olise standen erneut von Beginn an auf dem Rasen.
Das umgebaute Team machte aber schnell ernst. Laimer fand den Kopf von Musiala, dem Oliver Kahn jüngst mit vieldiskutierten Aussagen einen WM-Verzicht nahegelegt hatte. Der 23-Jährige freute sich sichtlich über seinen zweiten Saisontreffer und hätte fast den dritten folgen lassen. Doch Musiala traf nach typischem Dribbling nur den Innenpfosten (27.).
Die Bayern dominierten, St. Pauli hielt aber mutig dagegen und kam seinerseits zur großen Ausgleichschance: Mathias Pereira Lage scheiterte letztlich am langen Bein von Min-Jae Kim (30.). Auch danach blieben die Gastgeber durchaus gefällig in ihren schnellen Vorstößen.
Im zweiten Durchgang sorgten die Münchner dann schnell für klare Verhältnisse. Erst trug sich Goretzka technisch anspruchsvoll mit einem Volleyschuss in die Geschichtsbücher ein, dann vollendete Olise ins lange Eck und konnte sich einen provokanten Jubel vor den St.-Pauli-Fans nach Pfiffen gegen ihn nicht verkneifen.
Als die Partie entschieden war, wechselte Kompany rasch Kimmich, Laimer und Olise aus, um Kräfte für den Real-Kracher zu sparen.Dann traf auch noch Jackson. Kurz vor Schluss feierte der 18-jährige Bara Ndiaye sein Bundesligadebüt bei den Bayern. (sid/tf)

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