Parlamentspräsidentin Patricia Creutz-Vilvoye (CSP) machte die Stoßrichtung klar: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit kann aus dem Fachkräftemangel einen Standortvorteil machen, wenn sie funktioniert. Dass hier die Probleme liegen, zeigte Experte Martin Unfried (Universität Maastricht): Mehr Europa bedeute nicht automatisch weniger Hürden. Unterschiedliche Systeme bei Steuern, Sozialversicherung und Bildung sorgten weiterhin für Komplexität. „Ist ein Problem gelöst, entsteht oft das nächste“, so seine Einschätzung.
Einigkeit herrschte darüber, dass Lösungen nicht auf europäischer Ebene abgewartet werden können. Die Großregion könne selbst als Modell dienen – als „Miniatur-Europa“ mit pragmatischen Ansätzen. Gefordert wurden vor allem weniger Bürokratie, klarere Verfahren und besser abgestimmte Verwaltungen. Die Zahlen zeigen den Handlungsdruck: Über 277.000 Menschen pendeln täglich über Grenzen hinweg zur Arbeit – rund 80 Prozent davon nach Luxemburg. Höhere Löhne sind der Hauptgrund. Unternehmen reagieren bereits: Einige gründen gezielt Niederlassungen in Luxemburg, um Fachkräfte zu gewinnen oder zu halten. Gleichzeitig profitierten auch die Herkunftsregionen von den Einkommen der Pendler. Der Fachkräftemangel bleibt jedoch in allen Teilen der Großregion massiv – etwa in Pflege und Handwerk. Lösungsansätze sind u.a. gemeinsame Ausbildungsmodelle, mehr Austauschprogramme und bessere Anerkennung von Abschlüssen. Auch erste Initiativen laufen bereits, etwa zur automatischen Anerkennung von Pflegeberufen oder zur gezielten Fachkräftevermittlung. Zum Abschluss betonte der wallonische Wirtschaftsminister Pierre-Yves Jeholet (MR): Die enge Verflechtung der Großregion mache deutlich, dass Arbeitsmarktpolitik hier nur gemeinsam funktionieren kann – und eine Daueraufgabe bleibt. (red/sc)

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