Im Mittelpunkt von „Blind Sherlock steht der Ermittler Roman Mertens, der Verbrechen nicht mit den Augen, sondern mit seinem außergewöhnlichen Gehör löst. Die Inszenierung arbeitet gezielt mit Klang und auditiven Perspektiven, um seine Wahrnehmung für das Publikum erfahrbar zu machen. Bart Kelchtermans spielt den Protagonisten Roman Mertens – besetzt mit einem Schauspieler mit Sehbehinderung. Frank Lammers übernimmt eine zentrale Rolle im Team. Weitere Rollen übernehmen u.a. Charlie Chan Dagelet, Sigrid ten Napel, Pierre Bokma, Cynthia Abma und Ayşegül Karaca.
Hauptdarsteller Bart Kelchtermans sprach mit dem ZDF über die Serie, seine Arbeit sowie die Dreharbeiten:
Was hat Sie dazu bewogen, bei der Produktion mitzuwirken?
Allein schon die Tatsache, dass die Schöpfer der Serie etwas in mir gesehen und mich daher für die Rolle ausgewählt haben, war für mich ein großer Ansporn. Ich wollte sie stolz machen und ihnen zeigen, dass ihre Entscheidung die richtige war. Meine größte Motivation bestand allerdings darin, ein Vorbild für andere blinde oder sehbehinderte Menschen zu sein – insbesondere für diejenigen, die gerade erleben müssen, wie sie nach und nach ihr Augenlicht verlieren. Ich habe das selbst mitgemacht, und damals gab es keine Fernsehserien oder Filme, die mir in der Situation helfen konnten. Es gab nichts, das meine Erfahrungen widerspiegelte. Ich hoffe nun, dass der von mir gespielte Roman anderen als Bezugsfigur dienen und ihnen zeigen kann, dass ein solches Leben möglich ist. Für mich wäre es das Allergrößte, wenn die Serie Menschen, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, auch nur ein kleines bisschen Unterstützung bieten könnte.
Was macht dieses Projekt aus Ihrer Sicht besonders relevant?
Ich denke, die Serie kann dazu beitragen, mehr Verständnis für Blindheit und Sehbehinderung zu schaffen. Viele Menschen wissen einfach zu wenig über dieses Thema. Die Serie kann in dieser Hinsicht durchaus etwas bewirken, weil sie einen Einblick in das Leben blinder oder sehbehinderter Menschen bietet. Sie zeigt, wie sie leben, wie sie arbeiten und wie sie ihren Alltag bewältigen. Vor allem wird dabei deutlich, dass sich ihr Leben eigentlich gar nicht so sehr von dem anderer Menschen unterscheidet. Diese Art der Darstellung kann meiner Meinung nach dazu beitragen, dass sich der Blick auf blinde und sehbehinderte Menschen nachhaltig verändert.
Welche Eindrücke haben Sie hinter den Kulissen gewonnen?
Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich anfangen soll. Film und Schauspielerei waren für mich ein völlig neues Betätigungsfeld, eine neue Welt. Alles war für mich ebenso ungewohnt wie faszinierend. Ich habe viel über Schauspieltechniken gelernt, aber auch über das Filmemachen an sich. Lassen Sie mich ein Beispiel nennen: Wenn man eine Szene im Fernsehen sieht, ist einem als Zuschauer gar nicht bewusst, dass sie vielleicht zehn-, 15- oder sogar 20-mal gedreht wurde. Aus jeder Kameraperspektive gibt es mehrere Takes. Das war mir vorher gar nicht bewusst. Ebenfalls überraschend war für mich, dass nie chronologisch gedreht wird. Die Schlussszene der Serie entstand als eine der ersten ganz am Anfang der Dreharbeiten. Bemerkenswert war auch, wie gut sich das Produktionsteam um mich gekümmert hat. Manchmal hatte ich das Gefühl, fast schon zu viel Unterstützung zu bekommen. Ich musste sie gar nicht immer in vollem Umfang in Anspruch nehmen. Obwohl es bei den Dreharbeiten sehr intensiv und anstrengend zuging, waren sie für mich äußerst angenehm. Ich hatte zum Beispiel einen Trailer für mich allein, was bei belgischen Produktionen nicht üblich ist – und in den Niederlanden meines Wissens auch nicht. Wenn ich mich überlastet fühlte oder einfach so eine Viertelstunde zum Überbrücken hatte, konnte ich mich dort ausruhen. Das hat wirklich viel gebracht. Ich habe fast nie am Mittagessen teilgenommen, weil ich so müde war, dass ich mich um diese Uhrzeit immer hinlegen musste. Die zweite Regieassistentin Noémie kam dann zehn Minuten vor meinem Einsatz, um mich zu wecken und mir Essen zu bringen.
Welche besonderen Ereignisse oder Höhepunkte während der Produktion sind Ihnen in Erinnerung geblieben?
Dazu fällt mir eine ganze Menge ein. Ein Tag in Rotterdam ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Wir drehten sehr schwierige, emotional herausfordernde Szenen und ich hatte einen schlechten Tag. Es fiel mir schwer, mich voll darauf einzulassen und mein Bestes zu geben. Wir drehten auf einem Schiff. Um den reibungslosen Ablauf der Dreharbeiten zu gewährleisten, gab es darüber hinaus ein Schlauchboot, in dem Personen und Equipment transportiert wurden. Da ich wie üblich wieder auf das Mittagessen verzichtete, sorgte die zweite Regieassistentin Noémie dafür, dass ich während der Pause mit einigen Crewmitgliedern in dem Schlauchboot aufs Wasser hinausfahren durfte. Wir waren dann im Hafen unterwegs, kamen an anderen kleinen Booten vorbei und für ein paar Minuten durfte ich sogar selbst das Steuer übernehmen. Das war so ein beruhigendes und wohltuendes Erlebnis. Es war so cool, dass Noémie das möglich gemacht hat. Das hat mir wirklich viel bedeutet. Der Rest meines Tages war dann deutlich angenehmer, und alles fiel mir leichter. Insgesamt war der Produktionsprozess der Serie vergleichbar mit einer gigantischen Achterbahnfahrt, aber Momente wie dieser sind mir nachhaltig in Erinnerung geblieben. Dafür bin ich sehr dankbar.
An welchen Stellen wird Ihr persönlicher Beitrag zu der Serie besonders deutlich?
Es gab am Set viele Momente, in denen ich mich nicht streng an das Drehbuch gehalten habe. Ich habe Dialogzeilen geändert oder neue hinzugefügt, weil es sich so für mich richtiger anfühlte. In Folge drei oder vier zum Beispiel, als Roman mit seiner Freundin über seine Zweifel bezüglich des Babys spricht, sagt er sinngemäß: "Ich neige dazu, die Dinge zu unterschätzen. Ich denke immer, dass alles gut wird, bis es dann doch nicht so ist." Diese Aussage könnte auch von mir persönlich stammen. In vielerlei Hinsicht ist Roman mir sehr ähnlich, sodass wir mitunter schwer auseinanderzuhalten sind. Als ich die Rolle bekam, wurde auch die Geschichte der Serienfigur ein wenig an meine eigene angepasst. Dadurch fühlte es sich für mich sehr natürlich an, ihn zu spielen. Ich hatte nicht den Eindruck zu schauspielern, sondern ich selbst zu sein. Es gibt Szenen, in denen ich einfach frei heraus spreche und Dinge sage, die nicht unbedingt so im Drehbuch standen. Sie fühlten sich aber in diesem Moment authentisch an. Als meine Freunde die Serie sahen, schrieben sie mir Kommentare wie: „Das kann so nicht im Drehbuch gestanden haben. Das warst einfach Du.“ Sie erkennen mich eindeutig in Roman wieder – und das bedeutet mir unglaublich viel. (red/nico)

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