Sommerzeit gestartet: Warum die Umstellung unserem Körper zu schaffen macht

<p>Die Sommerzeit ist da - in Belgien und den meisten Ländern Europas sind am frühen Morgen die Uhren von 2.00 Uhr auf 3.00 Uhr vorgestellt worden.</p>
Die Sommerzeit ist da - in Belgien und den meisten Ländern Europas sind am frühen Morgen die Uhren von 2.00 Uhr auf 3.00 Uhr vorgestellt worden. | Foto: Elisa Schu/dpa

Die Einführung der Sommerzeit geht in Belgien auf das Jahr 1977 zurück. Ziel war es damals, Energie zu sparen, indem die Tageszeiten besser mit dem natürlichen Lichtverlauf abgestimmt werden.

Ein Versuch der EU-Kommission, die Zeitumstellung abzuschaffen, scheiterte bislang an fehlender Einigkeit unter den Mitgliedstaaten. Ohne gemeinsame Regelung drohe ein „Flickenteppich“ unterschiedlicher Zeitzonen in Europa.

„Ein kurzer Jetlag“

Für den menschlichen Körper bedeutet die Umstellung vor allem Stress. Schlafexperte Johan Verbraecken von der Uniklinik in Antwerpen spricht von einem „kurzen Jetlag“. „Das führt dazu, dass wir weniger ausgeschlafen sind. Wir sind tagsüber müde und unsere Konzentration ist nicht optimal“, erklärt er gegenüber dem flämischen Rundfunk (VRT). Der Grund: Unsere innere Uhr – gesteuert durch den Wechsel von Licht und Dunkelheit – gerät aus dem Takt. Selbst eine Verschiebung um nur eine Stunde kann messbare Auswirkungen haben.

Die Folgen zeigen sich auch im Alltag: In der ersten Woche nach der Umstellung steigt die Zahl der Verkehrsunfälle am Morgen um bis zu acht Prozent. Müdigkeit gilt als Hauptursache. Auch gesundheitliche Risiken sind dokumentiert. Studien zeigen, dass am Montag nach der Zeitumstellung die Zahl der Herzinfarkte im Schnitt um etwa vier Prozent zunimmt.

Tipps gegen die Müdigkeit

Vor allem Menschen mit Schlafproblemen oder bereits bestehendem Schlafmangel sind betroffen. Experten raten, sich schrittweise anzupassen: „Es kann helfen, am Abend vor der Umstellung früher schlafen zu gehen“, so Verbraecken. Auch für Kinder sei die Umstellung spürbar. Eltern sollten darauf achten, ihre Kinder in den Tagen rund um den Wechsel etwas früher ins Bett zu bringen. Wichtig sei zudem ein regelmäßiger Schlafrhythmus – und der Verzicht auf Bildschirme vor dem Einschlafen, da blaues Licht die Produktion des Schlafhormons Melatonin hemmt.

Dauerhafte Zeit – aber welche?

Während das aktuelle System zunehmend in der Kritik steht, bleibt die entscheidende Frage ungelöst: Soll dauerhaft Sommer- oder Winterzeit gelten?

Die Winterzeit gilt als näher am natürlichen Biorhythmus, da sie sich stärker am Sonnenstand orientiert. Sie sorgt für hellere Morgen – ein wichtiger Faktor für den Körper, um wach zu werden. Eine dauerhafte Sommerzeit hätte hingegen längere helle Abende zur Folge, würde aber im Winter sehr späte Sonnenaufgänge bedeuten – mit möglichen negativen Folgen für Schlaf und Gesundheit.

Bis eine Entscheidung auf EU-Ebene fällt, bleibt es also vorerst beim gewohnten Rhythmus: zweimal im Jahr eine Stunde vor – und wieder zurück. (calü)

Kommentare

  • .. da müssen wohl einige Staaten im Alleingang diese Umstellungen einstellen...

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