Klaus Pabst gestorben: Impulsgeber der ostbelgischen Geschichtsarbeit

<p>Klaus Pabst prägte über Jahrzehnte die historische Aufarbeitung Ostbelgiens.</p>
Klaus Pabst prägte über Jahrzehnte die historische Aufarbeitung Ostbelgiens. | Fotos: GrenzEcho-Archiv

Im Jahr 1964 erschien Pabsts Doktorarbeit „Eupen-Malmedy in der belgischen Regierungs- und Parteienpolitik von 1914 bis 1940“. Auf über 500 Seiten stellte Pabst erstmals die bewegte Geschichte der deutschen Kreise Eupen und Malmedy dar, die im Zuge des Versailler Vertrags 1920 an Belgien abgetreten worden waren. Es war eine Zeit, in der die Brisanz dieses Vaterlandswechsels noch allgegenwärtig war und in Ostbelgien ausnahmslos beschwiegen wurde.

Zu hart waren die Auseinandersetzungen zwischen den Meinungsgruppen im heutigen Ostbelgien in der Zwischenkriegs-, Kriegs- und Nachkriegszeit gewesen, zu ungerecht wurden die politischen Maßnahmen in diesen Zeiten noch empfunden, zu tief schmerzte noch das allgemeine Unverständnis für die schwierige Situation. Dieses Beschweigen brach Klaus Pabst auf. Er hinterfragte indirekt diese allzu bequemen Geschichtsbilder, die die Ostbelgier alleine in einer Opferrolle verharren ließen. Akribisch arbeitete er die damals zugänglichen Quellen durch und zeichnete ein Bild nach, das die Ostbelgier auch als Mitläufer und gar Mittäter nachzeichnete: sachlich, versöhnlich wirkend und auf der festen Grundlage demokratischer Grundwerte.

<p>Die Titelseite der Dissertation „Eupen-Malmedy in der belgischen Regierungs- und Parteienpolitik von 1914 bis 1940“ von 1964</p>
Die Titelseite der Dissertation „Eupen-Malmedy in der belgischen Regierungs- und Parteienpolitik von 1914 bis 1940“ von 1964

Klaus Pabst, in Aachen aufgewachsen, hatte über Verwandte in Raeren schon als Kind regelmäßige Kontakte nach Ostbelgien. Nach dem Fliegerangriff auf Aachen im April 1944 lebte er ein Jahr in Eupen und ging dort zur Schule, bevor seine Familie – wie alle Deutschen – ausgewiesen wurde. Sein Abitur erhielt er 1954 am Couven-Gymnasium in Aachen, studierte zunächst Eisenhüttenkunde bevor er 1955 an der Universität zu Köln – unterbrochen durch zwei Semester in München – Geschichte und Deutsch studierte. Nach seiner Promotion konnte sich Klaus Pabst in der Forschungsabteilung des Historischen Seminars der Universität zu Köln ganz der Landeskunde widmen, wobei er in zahlreichen Schriften die Geschichte des Rheinlandes, der Moderne und Ostbelgiens thematisierte. Er blieb sein Leben lang ein Grenzgänger, der immer wieder auch den deutsch-belgisch-niederländischen Grenzraum untersuchte und im Vergleich darstellte. Auch Pabsts zahlreiche biografische Skizzen (unter anderem zu Konrad Adenauer oder Paul Henri Spaak) zeichneten sein vielfältiges Schaffen aus. Ostbelgien blieb Klaus Pabst als Juror für den Preis des Rates (RdK, RDG, PDG) sowie über zahlreiche Artikel verbunden, in die der Historiker sich auch der Nachkriegszeit immer wieder widmete und in Ostbelgien brisante Themen über oft anschauliche Beispiele nicht nur entschärfte, sondern auch mit einer Prise Humor zu präsentieren wusste (wie beispielsweise die ostbelgischen Reaktionen auf die Fußballweltmeisterschaft 1954 u.a.). Im Jahr 2000 erhielt Klaus Pabst vom St.Vither Geschichtsverein „Zwischen Venn und Schneifel“ als Ehrung für sein Lebenswerk das Hecking-Schild, da er den „Grundstein für das Verständnis des politischen und sozialen Eingebundenseins unseres Gebietes in den belgischen Staat“ gelegt habe. Der Verstorbene war im direkten Kontakt ein Meister der Erzählung, der immer wieder über scheinbar unendliche viele (historische) Anekdoten zu berichten wusste. Mit seinem Tod verliert auch Ostbelgien einen prägenden Impulsgeber für die historische Arbeit, der vielen ostbelgischen Historikern und Geschichtsinteressierten auch Ratgeber und Vorbild gewesen ist.

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