Gordon Schnieders hitzigster Moment im Wahlkampf vor der Landtagswahl im deutschen Bundesland Rheinland-Pfalz war wohl der Angriff auf den Spitzenkandidaten der rechtspopulistischen AfD, Jan Bollinger, in der Wahlarena des Senders Südwestrundfunk (SWR). „Sie sollten sich schämen!“, rief der 50 Jahre alte Spitzenkandidat der christdemokratischen CDU Bollinger zu, von dessen Partei er sich deutlich abgrenzt. Es ging um Äußerungen über die Abschiebung von Syrern mit deutschen Pässen. Zuvor hatte Schnieder bereits mehrmals klargemacht: „Keine Zusammenarbeit mit der AfD!“ Wer mit ihr zusammenarbeite, müsse sich fragen, ob die CDU noch seine politische Heimat sei. Nun steht Schnieder vor einem großen Erfolg, scheint es ihm doch gelungen zu sein, einen Schlussstrich unter 35 Jahre Opposition der CDU in dem für seinen Weinanbau bekannten, südwestlichen Bundesland zu ziehen.
Gegen den amtierenden Ministerpräsidenten Alexander Schweitzer von der sozialdemokratischen SPD setzte der Herausforderer die ein oder andere Spitze, vor allem bei seinen Herzensthemen kommunale Finanzen und Bildung. Im direkten Fernsehduell mit Schweitzer punktete Schnieder unerwartet angriffslustig.
Aber beide wirkten auch wie künftige Koalitionäre, was sie angesichts des Wahlergebnisses wahrscheinlich auch werden – stärkste Oppositionsfraktion wäre die AfD. Persönlich wurde Schnieder nicht, Attacken überließ er seinem Generalsekretär.

Der jüngere Bruder des deutschen Verkehrsministers Patrick Schnieder führte die CDU erstmals als Spitzenkandidat in die Wahl zum Parlament von Rheinland-Pfalz, dem Landtag. Aus dem Machtkampf der Christdemokraten nach der verlorenen Wahl im Corona-Jahr 2021 ging er als Sieger hervor, er führt als Spitzenkandidat auch Partei und Fraktion in der Landeshauptstadt Mainz. Authentisch, bodenständig und geradeaus – so sehen ihn viele. Schnieder gilt als solider Redner, der sich eng an sein Manuskript hält. Anders als seinen Bruder zieht es ihn nicht nach Berlin, auch wenn er Mitglied im Bundesvorstand der Partei des deutschen Kanzlers Friedrich Merz ist. Schnieder ist gelernter Diplom-Finanzwirt, hat in Nordrhein-Westfalen in der Finanzverwaltung gearbeitet, bevor er zurück in die Heimat, in die Kreisverwaltung in den Eifelkreis Bitburg-Prüm wechselte.
Familienmensch mit zwei Sammlungen
Familie ist Schnieder wichtig, der Vater von drei Kindern wohnt in Birresborn bei Gerolstein mit drei Generationen in seinem Elternhaus. Er entspannt beim Wandern oder Radfahren, hat eine Briefmarken- und Münzsammlung und eine Schwäche für Gummibärchen und Schokolade. Außerdem hat er die Gabe, „immer und überall schlafen“ zu können. (dpa/arco)

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