Alltagsrassismus in Ostbelgien: Wenn Zugehörigkeit nie ausreicht

<p>Alltagsrassismus in Ostbelgien: Wenn Zugehörigkeit nie ausreicht</p>
Illustrationsbild: picture alliance/dpa

„Diese Leute passen sich niemals an.“„Die hier Gast sind, sollen sich anpassen, wem das nicht passt, der kann ja gehen.“

Solche Aussagen sind keine Ausnahmen. Sie stehen für ein Denken, das sich längst normalisiert hat – und das häufig als „Meinung“ verteidigt wird. Doch was hier geäußert wird, ist mehr als eine Meinung. Es sind pauschale Zuschreibungen, die Menschen auf ihre Herkunft reduzieren.

Für mich ist das keine abstrakte Beschreibung. Ich bin nicht hier geboren, aber hier aufgewachsen, hier zur Schule gegangen, habe hier mein Leben aufgebaut. Und trotzdem gibt es diese Momente, die sich durchziehen – seit der Kindheit bis heute.

„Woher kommst du?“ – „Aus Eupen.“ – „Nein, ich meine ursprünglich.“

Es sind kleine Sätze, die oft nicht böse gemeint sind. Aber sie haben eine klare Wirkung: Sie stellen Zugehörigkeit infrage. Sie machen deutlich, dass ein „von hier“ für manche nicht ausreicht.

Solche Erfahrungen beginnen früh und hören nicht auf. Sie verändern nur ihre Form. Aus Fragen werden Kommentare, aus Blicken Bewertungen. Mit der Zeit lernt man, damit umzugehen. Nicht, weil es richtig ist, sondern weil es notwendig ist. Man kann nicht jede Bemerkung kommentieren. Also ignoriert man vieles, schützt sich selbst.

Doch das bedeutet nicht, dass es einen nicht trifft. Im Gegenteil: Gerade weil sich diese Erfahrungen wiederholen, setzen sie sich fest. Auch Kommentare wie die unter unseren Artikeln bleiben nicht einfach stehen – sie wirken nach. Sie verstärken das Gefühl, dass es egal ist, was man tut: Es scheint nie ganz zu reichen.

Besonders deutlich wird das in Sätzen wie: „Aber dich meinen wir nicht.“ Was differenziert wirkt, zeigt das Gegenteil. Es bedeutet, dass Menschen nur als Einzelpersonen akzeptiert werden – wenn sie sich von einer pauschal abgewerteten Gruppe abheben. Diese „anderen“ sind Menschen wie ich – Menschen, die hier aufgewachsen sind und trotzdem das Gefühl bekommen, ihren Platz rechtfertigen zu müssen. Menschen, die alles „richtig“ machen – und am Ende doch wieder als „Gast“ bezeichnet werden.

„Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.“ Und ja, Meinungsfreiheit ist ein zentrales Gut. Sie rechtfertigt aber keine Verallgemeinerungen und keine Abwertung von Menschen aufgrund ihrer Herkunft.

Rassismus ist nicht immer laut. Er zeigt sich im Alltag, in scheinbar kleinen Momenten, in Worten, die viele für unproblematisch halten.

Für manche ist das nur ein Kommentar unter einem Beitrag. Für mich – und viele andere – ist es Teil eines Alltags, den man sich nicht ausgesucht hat.

Man lernt, damit umzugehen.

Man lernt, Dinge zu überhören.

Man lernt, sich nicht jedes Mal zu erklären.

Aber eines lernt man nie: dass es einen nicht trifft.

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