Nun ist er tot, der letzte maßgebende Wegweiser der 68'er-Bewegung. Fans hatte er überall da, die ihn in seinem Elfenbeinturm bewunderten, und trotzdem meinten, dass gerade dieser Philosoph nicht darin wohnen würde. Habermas bewies hingegen, dass die deutsche Linke einen verdammt großen Elfenbeinturm hat, und er wird immer größer. Er kritisierte den Holocaust als „Zivilisationsbruch“, aber Stalinismus war nur „Verrat am Sozialismus“. Er befeuerte den Schuldkult an der Nazivergangenheit, und im Historikerstreit der 80'er wehrte er sich gegen die „Relativierung deutscher Schuld“, und somit konnte er als Marxist seine Hände in Unschuld waschen. Er war Vertreter der „Frankfurter Schule“, wo „die Theorie bereits Praxis ist“: Die Praxis der Realität allerdings schien dieser realitätsfernen Clique völlig egal zu sein. Die Werke des Habermas betrachtend, wie konnte ein solcher „Holzkopf“ („Blockhead“, Zitat des Wissenschaftstheoretiker Karl Popper über solche Scheingeister) Karriere machen? Es lag wohl daran, dass Deutschland eine lange Philosophentradition hat, in der auch weniger brillante Köpfe Beachtung fanden; und auch weil der Kommunismus den Krieg gewann und die Linke somit global salonfähig wurde. Talent hatte Habermas wenig, aber viel hochkackigen Wortschatz, um sein Nichtwissen zu verschleiern. Über die DDR meinte er, dieser Staat habe weder Demokratie noch Freiheit hervorgebracht. Dass Demokratie und Sozialismus sich gegenseitig ausschließen, ist diesem sozialistischen "Denker" wohl entgangen; Sozialismus scheitert immer an den eigenen Widersprüchen. Habermas, hättest du geschwiegen, du wärst ein Philosoph geblieben.
Kommentare
Danke Herr Schleck! Treffender hätten Sie es nicht ausdrücken können.
Die Meinungsfreiheit ist gerade in den heutigen Zeiten in den noch verbliebenen Demokratien dieser Welt ein sehr hohes Gut. Dafür sind ja u.a. auch die Leserbrief- und Kommentarspalten in dieser Zeitung gemacht.
Aber wenn dieser selbsternannte Möchtegernphilosoph Scholzen hier (mal wieder!) seinen geistigen Erguss nicht zurückhalten kann und, wie Sie richtig einschätzen, einen der bedeutendsten Geisteswissenschaftler unserer Zeit derartig verunglimpft (jämmerlich!), darf das hier nicht unwidersprochen bleiben.
Da bleibt einem doch glatt die Spucke weg, wenn man den „Nachruf“ von Guido Scholzen auf Jürgen Habermas liest. Die Bezeichnung „Pamphlet“ wäre wohl angebrachter gewesen.
Was für eine Überheblichkeit, ja was für ein Hass sprechen aus diesen Zeilen. Dabei hätte Lesebriefschreiber Scholzen allen Grund, demütig zu sein. Wo sind denn seine eigenen intellektuellen Leistungen?
Etwa in seinen Kommentaren unter den GE-Artikeln vom 28.01. „Fusionsenergie in Europa“ und vom 10.03. „Studie zeigt rasanten Durchbruch von KI in Flandern“?
Auf kritische Bemerkungen zu seinen Behauptungen dort reagiert er… mit Schweigen.
Wer einen der bedeutendsten Geisteswissenschaftler unserer Zeit, dessen Theorien man nicht unbedingt teilen muss, derart abbürstet („Holzkopf“, „Talent hatte Habermas wenig“, „aber viel hochkackigen [sic!] Wortschatz“, „Nichtwissen“) und ihm zum Schluss noch nachruft: „Habermas, hättest du geschwiegen“, der muss es sich gefallen lassen, dass man ihm diesen Satz zurückgibt: „Ach Scholzen, hättest du geschwiegen und wärest Waldarbeiter im Hohen Venn geblieben!“
Haben Sie jemals selber ein Werk von Habermas gelesen? ich habe dies 1995 angefangen.
Rückblickend ist es die Meinung eines überzeugten marxistischen Sozialisten nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Ostblocks. Nein, Habermas war niemals ein Visionär, eher ein Wichtigtuer, der im Westen von Intellektuellen gefeiert wurde, im Osten wegen der sozialistischen Realität nicht wahrgenommen wurde und auch nur von Linken umworben wurde.
Im Moment lese ich eines seiner letzten Werken „Auch eine Geschichte der Philosophie“ (2019). Aber ich kann Sie beruhigen, Herr Schleck, Sie haben nicht viel verpasst. Die dort aufgeführten Passagen über Geschichte und Geschichtsereignisse sind sehr lesbar, aber dann kann ich auch jedes andere Geschichtsbuch lesen, was auch ausführlicher sein kann. Manche Schlussfolgerungen des Habermas sind doch sehr 'gewöhnungsbedürftig'.
Dass ich mich als Normalbürger überhaupt mit zeitgenössigen Philosophen, inklusive Habermas, befasste, betrachte ich im Nachhinein als Zeitverschwendung. Karl Popper ist sehr reell in seinen Ansichten, aber es bleibt alles eine WELT DER THEORIEN. Ebenfalls ist Peter Sloterdijk sehr bemerkenswert, den ich nach dem Tode Poppers als würdigen Nachfolger ansehe.
Aber wie gesagt: Philosophie muss sich der Normalbürger nicht antuen, es führt meist zu nichts, sich nur mit Theorien von puren Theoretikern zu beschäftigen. Egal welche Theorien umschrieben werden. Philosophen sind Überflieger, die Fragen beantworten, die vor ihnen keiner gestellt hat. Manchmal ist was reelles dabei, aber ein (halb)blindes Huhn findet auch mal ein Korn.
Noch eine Frage, Herr Schleck: Betrachten Sie die Verbrechen des Kommunismus im 20.Jahrhundert auch als "Verrat am Sozialismus", so wie Habermas dies tat?
@Alfred Velz,
Nicht nur ich verunglimpfe diesen Philosophen der Frankfurter Schule, sondern viele andere auch, seit Jahrzehnten.
Sie halten Habermas für einen der bedeutendsten Geisteswissenschaftler unserer Zeit.
Ok, in seinem Werk "Auch eine Geschichte der Philosophie“ (2019) schreibt er u.a. auf Seite 255:
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Dass die sprachlichen Weltbilder soziomorphe Züge tragen und die Verwandtschaftsstrukturen der frühen Stammesgesellschaften widerspiegeln, erklärt sich aus der Differenzierung zwischen dem in Sätzen explizit verfügbaren propositionalen 'Wissen' und dem performativ aus der Teilnahme an eingewöhnten Praktiken »Bekannten« — dieses implizit gewusste Hintergrundwissen erstreckt sich auf alles, was wir aus sozialen Umgangserfahrungen und entsprechenden Gefühlsdynamiken »kennen«. Auch diese Differenzierung zwischen der gemeinsamen und nur "perfomativ gewussten" Lebenswelt und der objektiven Welt der Gegenstände und Sachverhalte bildet sich mit der Beherrschung einer grammatischen Sprache heraus. Gleichzeitig liefert diese hinterrücks vertraute »Grammatik« der Gesellschaft die semantischen Bausteine für das »Bild« des Universums — sie wird als Struktur auf die Welt im Ganzen projiziert und entfaltet so ihre weltbildprägende Kraft. Der kategoriale Rahmen mythischer Erzählungen wird im sozialen Alltag performativ eingeübt. Die symbolische Struktur der Lebenswelt — ohne Verwandtschaftsterminologie keine Verwandtschaftsbeziehungen — ist so vertraut, dass sie gewissermaßen apriorische Gewissheit genießt. Freilich bieten sich diese symbolischen Strukturen dem weltoffenen Geist als Grundbegriffe für die kognitive Bewältigung der auf ihn einstürmenden Informationen nicht nur deshalb an, weil sie ihm intuitiv bekannt sind. Weil sie ihm vertraut sind, beleuchtet die Assimilation des Fremden ans vertraute Eigene auch die dialektische Kehrseite der sprachlichen Welterschließung: Jeder weitere kognitive Schub zu einer vorbehaltloseren Öffnung gegenüber der Welt provoziert ein erneutes Einschließen in einer dann weitergehend dezentrierten aber erneut zum Ganzen hypostasierten Welt.
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Könnten Sie Herr Velz, als studierter Germanist, mir diesen hochhackigen Wortschatz bitte auf Deutsch übersetzen, ich bin mit meinem Latein am Ende! ;-) Zeigen Sie, was Sie können!
Ähnliche Thematika werden beim US-Gelehrten Noam Chomsky auch behandelt, aber dieser kluge Kopf kann so schreiben, dass jeder normal gebildete Mensch es versteht, auch in der deutschen Übersetzung. Übersetzen Sie Herr Velz bitte Habermas für die Allgemeinheit! Danke. (Wenn Sie denn in der Lage sind, dies zu vollbringen.)
Ich wiederhole nochmals die Frage an Herrn Schleck: Betrachten Sie die Verbrechen des Kommunismus im 20.Jahrhundert auch als "Verrat am Sozialismus", so wie Habermas dies tat?
Upps, sorry, da habe ich wohl jemanden mit Alfons Velz verwechselt.
Ok, an alle Leser: übersetzt bitte oben den Text von Habermas ins Deutsche. Danke.
Super Herr Schleck, wie sie immer wieder hier im Forum den Besserwisser und Lehrmeister raushängen lassen.
Allerdinsg, auch sie laufen anscheinend als "halbblindes Huhn" durch die Gegend.
Sie scheinen doch tatsächlich auf einem Auge blind zu sein.
Anders kann man sich nicht erklären, wieso sie nicht auf die interessante Frage des Herrn Scholzen antworten.
Also nur Mut, ... und berücksichtigen sie bitte die Etiquette, die unter Punkt 6 ausdrücklich erwähnt, " In der Kürze liegt die Würze! Fassen sie sich kurz".
Sind wir jetzt in einem philosophischen Seminar, und der Herr Professor Dr. rer. phil. lässt seine Schüler eine Klausur schreiben?
Weil er selbst mit „seinem Latein am Ende“ ist? Ein solches Eingeständnis überrascht dann doch. Und das nach 30 Jahren Beschäftigung mit dem Lebenswerk von Jürgen Habermas, das, nebenbei bemerkt, in über 40 Sprachen übersetzt wurde.
Sollte es vielleicht doch Leser geben, deren Auffassungsgabe über den Horizont von Herrn Scholzen hinausreicht?
Respekt vor so viel Durchhaltevermögen. Das hätte nicht jeder „Normalbürger“ geschafft. Deshalb rät „Normalbürger“ Scholzen ja auch uns „Normalbürgern“ von einer Beschäftigung mit der Philosophie ab: „Zeitverschwendung.“
Daneben hat er aber auch noch Chomsky und vor allem Sloterdijk studiert, den er „nach dem Tode Karl Poppers als dessen würdigen Nachfolger“ proklamiert.
Auch da Respekt !
Ein Zitat aus dessen Werk:
„Wer am Morgen aufwacht und sich nach einer Anlaufphase im Bad als den oder die wiedererkennt, der oder die sich am Abend zuvor niedergelegt hat, darf als stabil und darum änderungstolerant gelten. Wer hingegen Grund zur Annahme hat, der Wiedererkennungseffekt könnte sich auch einmal nicht einstellen, ist gefährdet – und wohl zu vielem, ja zu allem bereit, um die Identität zu verteidigen, von der er oder sie glaubt, sie komme ihm oder ihr abhanden.“
(Zitiert aus dem Wikipedia-Artikel mit Quellennummer 67).
Toll, diese „bemerkenswerte“ „praxisbezogene“ Erkenntnis Sloterdijks, dazu noch korrekt gegendert, sicher ganz im Sinne von Guido Scholzen. Das sollte man sich hinter den Spiegel im Badezimmer stecken.
Dem Herrn Scholzen als „(halb)blindem Huhn“ seien noch viele weitere solcher „Körnerfunde“ gegönnt.
Herr Schleck, Danke für Ihre Stellungnahmen. Philosophen muss man nicht ernst nehmen, richtig.
und nun beantworten Sie bitte auch die von mir gestellte Frage:
Betrachten Sie die Verbrechen des Kommunismus im 20.Jahrhundert auch als "Verrat am Sozialismus", so wie Habermas dies tat?
Nicht ernst nehmen? Die alte Überheblichkeit.
Aber behaupten, selber über 30 Jahre die Werke von Habermas und anderer Philosophen studiert ... und verstanden zu haben ... bis auf Seite 255?
Sloterdijk als "würdigen Nachfolger von Karl Popper" proklamieren?
Will der Herr Scholzen ernst genommen werden?
Auf jeden Fall hat er jetzt jede Menge Zeit, die er für wichtigere Dinge verwenden kann, etwa den Klimawandel, statt hier den Examinator herauszukehren und inquisitorische Fragen .zu stellen.
Übrigens: Die Werke von Habermas wurden in über 40 Sprachen übersetzt.
Das Einzeilenwerk von Scholzen "Philosophie ist Zeitverschwendung" wartet noch auf einen Verleger.
"Das Einzeilenwerk von Scholzen "Philosophie ist Zeitverschwendung" wartet noch auf einen Verleger."
Grandios. :-)
Auch die rhetorische scholzen-gretchensche Bohrfrage 'Nun sag, wie hast du's mit dem Sozialismus/Kommunismus?' kann man getrost in die Kategorie "Framing" stecken. Für weitere Informationen zum Konzept des Framing siehe Nachschlagwerk ihrer Wahl, z.B. Wikipedia. Die ist auch übersetzt. Und keine Zeitveschwendung.
2019, zu seinem 90. Geburtstag von Habermas, erschien im Verlag Cambridge University Press ein Buch mit dem Titel „The Cambridge Habermas Lexicon“
(850 Seiten mit über 200 Einträgen).
Das Werk steht in einer Reihe mit solchen über Hegel, Barth, Spinoza, Kierkegaard, Marx (!), Kant, Wittgnstein und anderen.
Alles Wichtigtuer“ und „geistige Überflieger“, die von „Intellektuellen gefeiert“ werden.
Wobei das Wort „Intellektueller“ allerdings bei Scholzen pejorativ oder abwertend gemeint ist.
Eigentlich seltsam im Munde von jemandem, der sich rühmt, das umfangreiche Werk von Jürgen Habermas 30 Jahre hindurch studiert und wie schon oben gesagt, wohl auch verstanden hat, bis auf eben jene Seite 255.
Wenn das keine „intellektuelle“ Leistung ist, was dann?
Ja, Die Werke des Habermas wurden in über 40 Sprache übersetzt, leider nicht ins Deutsche! ;-)
In seinem Werk "Narren, Schwindler, Unruhestifter: Denker der Neuen Linken (2015)" setzt sich der britische konservative Philosoph Roger Scruton kritisch mit einflussreichen Intellektuellen der Linken seit dem 2.Weltkrieg auseinander. Scruton wirft diesen "Scheindenkern" vor, eine "Sprache des Unsinns“ zu verwenden, um ihre ideologischen (marxistisch-kollektivistischen) Ziele zu verbergen.
Über Habermas schreibt Scruton genüsslich:
"Langeweile ist das Instrument der Autorität des Abstrakten. Der Leser wartet in den Korridoren von Habermas' Prosa wie ein Antragsteller, dem die Wahrheit versprochen wurde, allerdings nur abstrakt und durch ein Dokument, das möglicherweise bereits überholt ist."
Als konservativer Autor stellt Roger Scruton diesen "Elitedenkern im Elfenbeinturm" Werte wie Tradition, Heimat, Rechtssystem, Menscheninteressen, und die Schönheit entgegen, die seiner Meinung nach die Grundlagen einer stabilen Gesellschaft bilden.
Danke an P.D. für den Tipp.
"linke Philosoph Habermas schreiben wie deutsche Flasche leer. Ich habe fertig"
Frohe Ostern allen Lesern.
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