„Reagieren wir auf reale Probleme, oder schaffen wir neue Regeln, weil steigende Zahlen politisch Handlungsdruck suggerieren?“, schreibt die wallonische Abgeordnete Christine Mauel in einer Pressemitteilung. Anlass ist der Vorstoß ihres Parlamentskollegen Patrick Spies, der verpflichtende Jagdkurse einführen möchte. Nach seiner Vorstellung sollen Kandidatinnen und Kandidaten nur noch dann zur Prüfung zugelassen werden, wenn sie zuvor einen anerkannten Lehrgang absolviert haben, einschließlich eines verpflichtenden Praxisteils zum sicheren Umgang mit Waffen.
„Ja, die Zahl der Kandidatinnen und Kandidaten für den Jagdschein ist seit 2024 gestiegen. Ja, es gibt organisatorische Herausforderungen bei der Durchführung der Prüfungen. Und ja, Qualität und Sicherheit sind unverhandelbar. Doch aus diesen Fakten automatisch eine neue gesetzliche Verpflichtung abzuleiten, ist eine politische Entscheidung – keine sachliche Notwendigkeit“, so Mauel. Die zuständige Regionalministerin Anne-Catherine Dalcq (MR) habe deutlich gemacht, wo das eigentliche Problem liege: in hohen Abwesenheitsquoten und organisatorischen Grenzen des aktuellen Prüfungsmodells. „Deshalb wird der Rahmen überprüft und modernisiert, um Kandidaten stärker zu sensibilisieren und Ressourcen effizienter einzusetzen. Das ist verantwortungsvolle Politik“, erklärt Christine Mauel. Die vorliegenden Zahlen belegten hingegen kein strukturelles Sicherheitsproblem, das eine zusätzliche Pflichtausbildung rechtfertige. „Jägerinnen und Jäger sind keine Problemgruppe. Es gibt keinen belegten sicherheitspolitischen Notstand, der neue Zwangsmaßnahmen erforderlich machen würde.“ Die theoretische und praktische Prüfung sei anspruchsvoll, freiwillige Kurse wirkten und wiesen hohe Erfolgsquoten auf. Wer jagen wolle, investiere bereits Zeit und Geld – Motivation funktioniere besser als Zwang.
Eine verpflichtende Ausbildung würde zusätzliche Kosten verursachen und den Zugang erschweren, insbesondere für junge Menschen oder Personen mit geringerem Einkommen. Jagd dürfe nicht durch immer neue Auflagen exklusiv werden. Sie bleibe Teil regionaler Identität, des Wildmanagements und des ländlichen Raums. „Zudem entsteht jagdliche Kompetenz nicht allein durch formale Verpflichtungen. Jagd wird häufig generationsübergreifend vermittelt. Praxiswissen, Ethik und Verantwortungsbewusstsein entwickeln sich im Revier, im Austausch zwischen erfahrenen und jungen Jägern, nicht ausschließlich im Kursraum. Qualität wächst durch Haltung und Erfahrung, nicht allein durch zusätzliche Verwaltungsvorschriften“, so Christine Mauel.
Damit stelle sich die Frage, ob eine neue Pflicht am eigentlichen Problem vorbeigehe. Entscheidend sei, organisatorische Verbesserungen von zusätzlicher Regulierung zu trennen. Nicht jede Herausforderung rechtfertige neue Auflagen. Statt weiterer Hürden brauche es verbindlichere Anmeldeverfahren, effizientere Prüfungsabläufe und eine gezielte Stärkung freiwilliger Kurse. Vor allem aber brauche die Jägerschaft Unterstützung bei den realen Herausforderungen im Revier – vom wachsenden Druck im Wildmanagement über Konflikte mit der Landwirtschaft bis hin zum Umgang mit der Rückkehr des Wolfs. Hier seien klare und verlässliche Rahmenbedingungen gefragt. „Jägerinnen und Jäger übernehmen täglich Verantwortung für Natur und Wildbestand. Sie brauchen Lösungen für konkrete Herausforderungen – nicht zusätzliche bürokratische Pflichten ohne belegten Bedarf“, so Christine Mauel.
Der Staat habe die Aufgabe, einen klaren Rahmen für Sicherheit, Transparenz und Fairness zu setzen. „Aber er sollte nicht jede Verantwortung an sich ziehen und jede Entwicklung mit neuen Geboten und Verboten beantworten. Freiheit bedeutet nicht Regellosigkeit. Freiheit bedeutet Vertrauen in verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger, die innerhalb eines klar definierten Rahmens handeln. Wir wollen weg von einer Politik der reflexhaften Verbote und Gebote. Wir brauchen eine Politik, die stärkt statt bevormundet, die Qualität fördert statt sie administrativ erzwingt, und die Probleme löst, ohne neue zu schaffen. Opposition bedeutet Kontrolle und Kritik. Aber verantwortungsvolle Politik bedeutet Prioritätensetzung und Verhältnismäßigkeit. Mehr Bürokratie ersetzt keine echten Antworten“, erklärt Mauel abschließend. (red/sc)

Kommentare
Kommentar verfassen
0 Comment
Sie müssen angemeldet sein, um zu kommentieren.
AnmeldenRegistrieren