Zwölf-Minuten-Statement von Vincent Kompany: „Es gibt immer nur schwarz und weiß“

<p>Vincent Kompany</p>
Vincent Kompany | Foto: dpa

Der 39 Jahre alte Kompany mit kongolesischen Wurzeln zeigte sich mit Blick auf das Champions-League-Spiel von Benfica Lissabon gegen Real Madrid emotional angefasst - und seine nachdenklichen Worte dürften nachhallen.

Real-Profi Vinícius Júnior, der sein 1:0-Siegtor für Madrid exzentrisch bejubelte, beschuldigte Benfica-Profi Gianluca Prestianni danach auf dem Platz, ihn auf Spanisch als „Affen“ bezeichnet zu haben. Real-Stürmer Kylian Mbappé bestätigte das, der Schiedsrichter unterbrach die Partie. Im fraglichen Moment hatte Prestianni sein Trikot über den Mund gezogen. Der Argentinier bestreitet die Vorwürfe.

Kompany stellte sich klar hinter Vinícius Júnior, beklagte grundsätzlich den Umgang mit Rassismus im Fußball und in der Gesellschaft. Und er kritisierte Benfica-Coach José Morurinho in der Sache hart. Dem Portugiesen warf er ein schweres Fehlverhalten in einer Führungsposition vor. Doch der Reihe nach.

„Es ist ein schwieriges Thema“, sagte Kompany zu Beginn seiner Ausführungen, bei denen er lieber vom Deutschen ins vertrautere Englisch wechselte. „Wenn es wahr ist, dass der Spieler von Benfica das gesagt hat, würde ich mir wünschen, dass es einen Raum für eine Entschuldigung gibt. Niemand auf der Welt ist perfekt. Aber wir berauben uns dieser Option. Es gibt immer nur links und rechts, schwarz und weiß“, beklagte der Belgier.

An Vinícius Júnior, der den Vorfall auf dem Platz bei Schiedsrichter François Letexier anzeigte, zweifelt Kompany nicht. „Wenn du die Aktion siehst, kann die Reaktion von ihm nicht vorgetäuscht sein. Es ist eine emotionale Reaktion. Und ich sehe keinen Nutzen für ihn darin, zum Schiedsrichter zu gehen und das ganze Elend auf seine Schultern zu nehmen. Aber er macht es, weil er findet, es ist in dem Moment das Richtige“, erklärte Kompany.

Er selbst hat in seiner Zeit als Spieler und auch als Trainer rassistische Anfeindungen erlebt. Vinícius Júnior sei im Gegensatz zu vielen anderen schwarzen Fußballern als berühmter Spieler „wenigstens in einer Position, dass er eine Stimme hat zu protestieren“, bemerkte der Bayern-Coach.

„Krasser Fehler“ von Mourinho

Deutlich äußert er sich zum Trainer-Kollegen Mourinho. Der Portugiese habe nach dem Spiel „den Charakter von Vinícius Júnior attackiert, indem er dessen Torjubel anführt“, schilderte Kompany. Das lenke ab vom eigentlichen Kern. „Das ist für mich ein krasser Fehler in Sachen Führung. José Mourinho erwähnt den Namen Eusebio, um zu sagen, dass Benfica nicht rassistisch sein könnte, weil der beste Spieler in Benficas Geschichte ein Schwarzer gewesen sei.“

Er kenne viele schwarze Spieler, die von Rassismus betroffen waren und sind. Neben Eusebio zählte Kompany namentlich Ex-Stars wie Samuel Eto’o, Mario Balotelli und Patrick Vieira auf. „Ich urteile nicht über José Mourinho als Person“, sagte Kompany ausdrücklich: „Aber er hat einen Fehler gemacht. Und ich hoffe, das wird in der Zukunft nicht mehr passieren.“

Schon vor seinen Ausführungen hatte Kompany gesagt, dass er im Anschluss keine weiteren sportlichen Fragen beantworten werde. Es war aber eh alles gesagt. Das kommende Topspiel gegen den sechs Punkte zurückliegenden Titelkonkurrenten Dortmund will Kompany ohnehin erst nach dem Frankfurt-Spiel in den Mittelpunkt rücken. (mn/dpa)

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