Belgischer Sammler verkauft Nazi-Fotos – Empörung in Griechenland

<p>Eines der historischen Fotos, die der belgische Sammler Tim de Craene über eBay zum Verkauf angeboten hatte. Die Aufnahme soll die letzten Momente griechischer Widerstandskämpfer vor ihrer Erschießung am 1. Mai 1944 in Kaisariani zeigen.</p>
Eines der historischen Fotos, die der belgische Sammler Tim de Craene über eBay zum Verkauf angeboten hatte. Die Aufnahme soll die letzten Momente griechischer Widerstandskämpfer vor ihrer Erschießung am 1. Mai 1944 in Kaisariani zeigen. | Foto: eBay/Facebook Greece at WWII Archives

De Craene betreibt unter dem Namen „Crain’s Militaria“ eine Handelsplattform für Dokumente und Münzen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Die nun aufgetauchten Fotos zeigen die letzten Momente der Widerstandskämpfer vor ihrer Hinrichtung am 1. Mai 1944 im Athener Vorort Kaisariani. Die Opfer waren überwiegend kommunistische Partisanen.

Auf die Auktion aufmerksam wurde zunächst die Facebook-Gruppe „Greece at WWII Archives“. Kurz darauf schlug die Empörung in Griechenland hohe Wellen. Das Kriegsverbrechen von Kaisariani gilt als eines der symbolträchtigsten Massaker der deutschen Besatzungszeit im Land.

Die griechische Regierung reagierte umgehend. Regierungssprecher Pavlos Marinakis kündigte an, ein Verfahren einzuleiten, um die Fotos zu erwerben – allerdings nur unter der Voraussetzung, dass deren Echtheit nachgewiesen oder durch Experten überprüft werden könne.

Der belgische Sammler stoppte die Auktion inzwischen selbst. Gegenüber der griechischen Zeitung „Kathimerini“ erklärte er, er verstehe die emotionale Dimension der Angelegenheit. Gleichzeitig betonte er, sein rechtmäßiges Eigentum müsse anerkannt werden. Er sei jedoch bereit, Gespräche mit den griechischen Behörden zu führen.

In einer schriftlichen Stellungnahme an die Nachrichtenagentur Belga teilte De Craene mit, er wolle sich während der laufenden Verhandlungen nicht weiter äußern. In einem weiteren Statement, das auch griechischen Medien vorliegt, zeigte er Verständnis für die starken Emotionen in Griechenland, bedauerte jedoch, dass der Fall politisch instrumentalisiert werde.

In Griechenland ist die Erinnerung an die deutsche Besatzung und die brutale Repression gegen linke Widerstandsgruppen bis heute ein sensibles Thema. Die nun aufgetauchten Fotos reißen alte Wunden wieder auf. Der frühere Finanzminister und Ökonom Yanis Varoufakis verurteilte die Auktion scharf. Es sei „widerwärtig“, wenn aus solchen Dokumenten Profit geschlagen werde.

Nach Angaben der Zeitung „Ta Nea“ wurden mindestens zwei der auf den Bildern zu sehenden Opfer bereits von Angehörigen identifiziert. Die Erschießung der 200 Griechen war damals eine Vergeltungsmaßnahme für den Tod von vier deutschen Soldaten im Süden des Landes. (belga/calü)

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