Die alten Weiber aus Reuland, Lascheid, Richtenberg, Weweler, Oudler, Maspelt und Bracht sind ohnehin nicht dafür bekannt, sich allzu schnell aufs Glatteis führen zu lassen. Dafür präsentierten sie sich, unterstützt von Prinz Yoshua I. aus Oudler mitsamt Gefolge, auch in diesem Jahr in bestechender Frühform, um die liebgewonnene Tradition aufrechtzuerhalten, den Schlüssel der Macht schon eine Woche vor Damen aus den anderen Narrenhochburgen an sich zu reißen.

Da halfen auch die Beteuerungen von Bürgermeister Alain Stellmann nichts, „dass wir allzeit bereitstehen. Wenn alles wackelt oder absackt, steht das BSK parat und packt kräftig an, außer Serge, der packt ein.“ Zugutehalten darf man „Stellmännchen“, wie das Reuländer Gemeindeoberhaupt seit der Kappensitzung des KV Kastel im vergangenen Jahr in manchen Kreisen liebevoll genannt wird, dass er schnell zur Einsicht kam, der Möhnenschar auch mit Hammer, Hacke und Schaufel nicht viel entgegensetzen zu können. „Ihr seid heute die Superstars, denn wir wissen, dass unser Karneval ohne euch Damen ganz einfach keinen Sinn hat.“
Stellvertretend für die Möhnenschar ergriffen in diesem Jahr Obermöhn Andrea Theissen aus Alster und Louisa Weidner für die Möhnen aus Burg-Reuland das Wort. Zumindest die vorgetragene Sorge, dass es an ausreichend Flüssigem im Karneval fehlen könnte, erwies sich dabei als unbegründet: „Trinken wir heute grenzenlos, oder bleibt das ein Traum? Denn von zwei Getränkebons wird man nicht benommen“, sinnierte Andrea Theissen.

Daher hatten die Damen vorsorglich ihren Alster „Möhnenschluffer“ in die Niederungen des Ulftals mitgebracht. Mit einer gewissen Erleichterung nahm die Obermöhn zur Kenntnis, dass der sehr gute Holzverkauf und die neue Steuer auf Werbeschilder sich positiv auf die Gemeindekasse niederschlagen: „Unser Serge uns bald verlässt, so er uns doch eine einigermaßen volle Kasse hinterlässt.“

Anspielungen mit aktuellem Hintergrund gab es auch von Louisa Weidner: „Unser Motto heißt Blick auf die Ruinen. Unser Dorf hat alles, Tradition, Gemeinschaft und Dauerbaustellen, aber während andere renovieren, pflegen wir den Verfall.“ Immerhin konnte sie „Stellmännchen“ dazu überreden, für einmal den Sparmodus abzulegen, um ordentlich zu feiern.

Für die dazu passenden närrischen Tön sorgte in diesem Jahr übrigens zum ersten Mal der allseits bekannte DJ Danny alias Daniel Schwall. Sein Vorgänger DJ Paul (Michaelis) wurde nach vielen Jahren wertvoller Dienste in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet.

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