Wären diese Angebote nicht verfügbar, würden 63 Prozent der Cambio-Nutzer und sogar 70 Prozent der Poppy-Nutzer wieder ein eigenes Auto anschaffen. Für Bruxelles Mobilité ist klar: Carsharing ist längst keine Nischenlösung mehr, sondern ein zentrales Instrument, um die Zahl der Fahrzeuge in der Stadt zu verringern.
Für die Studie wurden mehr als 2.200 Brüsseler Nutzer befragt. Das Ergebnis zeigt deutlich, wie stark sich Carsharing auf den Autobesitz auswirkt: Fast 60 Prozent der Cambio-Nutzer und 40 Prozent der Poppy-Nutzer haben die Zahl der Autos in ihrem Haushalt reduziert, seit sie auf geteilte Fahrzeuge zurückgreifen. Wer beide Dienste kombiniert, verzichtet noch häufiger auf ein eigenes Auto – hier liegt der Anteil bei 64 Prozent. Insgesamt besitzen fast sechs von zehn Befragten überhaupt kein eigenes Fahrzeug mehr.
Zwei Modelle, ein Ziel
Die beiden Anbieter funktionieren unterschiedlich: Cambio arbeitet mit festen Standorten und eignet sich vor allem als langfristiger Ersatz für den Familienwagen. Poppy hingegen setzt auf frei verfügbare Fahrzeuge im Stadtgebiet, was insbesondere jüngere Menschen davon abhält, sich ein eigenes Auto anzuschaffen.
Die Kombination beider Modelle erweist sich laut Bruxelles Mobilité als besonders effektiv, um Autobesitz zu verringern.
Carsharing-Nutzer sind multimodal unterwegs
Autoteiler setzen zudem stärker auf andere Verkehrsmittel: Sieben von zehn Cambio-Nutzern und 65 Prozent der Poppy-Nutzer besitzen ein Abo für den öffentlichen Nahverkehr. Viele steigen häufiger aufs Fahrrad, und mehr als die Hälfte nutzt den eigenen Wagen deutlich seltener.
Interessant: Carsharing ist keineswegs nur etwas für Singles in der Stadt. Mehr als ein Drittel der Nutzer sind Familien mit Kindern.
Wünsche an das Angebot
Verbesserungsbedarf sehen die Befragten dennoch: Gewünscht werden eine größere Fahrzeugvielfalt, mehr Autos mit höherer Kapazität sowie eine stärkere Familienfreundlichkeit – etwa durch Kindersitze, Anhänger oder Fahrradträger.
Zusätzlichen Schub könnte eine stärkere Verknüpfung mit bestehenden Mobilitätsangeboten bringen. Viele Nutzer würden Carsharing noch häufiger nutzen, wenn die Mobib-Karte als Zugangsschlüssel dienen könnte und ein gemeinsames Abo für öffentliche Verkehrsmittel und Carsharing möglich wäre. Technisch gilt das zwar als schwierig, doch die Dienste sind bereits in die multimodale App Floya der Region integriert.
„Jedes geteilte Auto kommt allen Brüsselern zugute: weniger Staus und mehr öffentlicher Raum für alle“, betont die scheidende Brüsseler Mobilitätsministerin Elke Van den Brandt (Groen). „Carsharing ist gut für die Umwelt und für den Geldbeutel – und dank Kindersitzen inzwischen auch praktischer für Familien.“ (belga/calü)

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