Ein Minus von acht Quadratmetern

<p>Der Markt gibt sich zum Start ins neue Jahr keinen Illusionen hin, denn ungeachtet der jüngst gestiegenen Aktivität dürfte das Eigenheim für viele auch weiterhin eine (zu teure) Illusion bleiben.</p>
Der Markt gibt sich zum Start ins neue Jahr keinen Illusionen hin, denn ungeachtet der jüngst gestiegenen Aktivität dürfte das Eigenheim für viele auch weiterhin eine (zu teure) Illusion bleiben. | Fotos: Shutterstock/Fotalia

Allesamt unbestritten interessante Erhebungen, die aufgrund ihrer Diversität aber nicht zwingend zu verbindlichen Erkenntnissen führen. Ganz im Gegenteil! Vor allem da jedes Unternehmen, jede Instanz zeitgleich nun mal eigen(willig)e Ziele verfolgt - die es mit seinen Sondierungen und Ergebnissen zu untermauern sucht.

So zuletzt Immoweb gemeinsam mit Belfius mit einem Blick auf den realen Preisanstieg „am Markt“, konkret: vier Prozent in 2025 im Vergleich zu den beiden Vorjahren, wo der Markt mit 1,2 respektive 1,1 Prozent Zuwachs durchweg stagnierte. Von daher wird das Plus von vier Prozent als „positiver Schock“ wahrgenommen. Selbst wenn diese Zahl noch erkennbar hinter den Steigerungsraten im Nachgang zur Pandemie zurückliegt. Zur Erinnerung: Die Jahre 2021 und 2022 kannten ein Rekordplus von 5,6 respektive 5,2 Prozent. Zugleich verlor der belgische Markt innerhalb der vergangenen zwölf Monate weiter spürbar an Kaufkraft, nämlich ein Minus von acht Quadratmetern an Fläche bei gleichem finanziellem Aufwand. Bedingt einerseits durch die Preissteigerung, anderseits durch die Zinslast. Mit der Folge, dass sich die Kaufkraft zum Jahreswechsel auf hundertacht Quadratmeter im Schnitt einpendelt.

Und wie sieht die Prognose bei Immoweb-Belfius aus? Eine weitere Preissteigerung in knapp gleicher Höhe wie im Vorjahr - so die halbwegs optimistische Perspektive. Vor allem aufgrund des weiterhin akuten strukturellen Mangels an neuem Wohnraum.

Weniger Zeit„verlust“ bis zur Vereinbarung

Eine Woche zuvor war es ERA, Markenführer in Belgien mit knapp hundertfünfzig Agenturen, der sich über die Entwicklung gebeugt hatte. Auch vor dem Hintergrund, dass im Vorjahr gleich zwei Regionen den Markt mit Senkung der Registrierungsgebühren „gepusht“ haben - von drei auf zwei Prozent in Flandern und von zwölfeinhalb auf drei Prozent in der Wallonie. Politische Entscheidungen, die den Markt denn auch spürbar „stimuliert“ und vor allem „das Tempo verschärft“ haben.

Heißt: Lagen in den Jahren 2023 und 2024 in Flandern 134 Tage und in der Wallonie 140 Tage zwischen der ersten Kontaktaufnahme und der Kaufvereinbarung (wohlgemerkt, noch ohne finalen notariellen Akt), so schrumpfte diese Zeitspanne auf „nur“ noch 105 Tage im Norden und 116 Tage im Süden des Landes. Also quasi jeweils um einen Monat! Was bezeichnend ist für den gestiegenen Preisdruck auf einem erneut florierenden Markt.

Dennoch: Alle Anbieter blicken vorerst (noch) recht skeptisch auf das neue Jahr. Besonders da nicht absehbar ist, ob die massive Reduzierung der Registrierungsgebühren zwischen Tournai und Lüttich dem Markt weiterhin Auftrieb gibt. Oder ob es sich da womöglich um ein Strohfeuert handelt(e), das nach kurzer Zeit wieder erlischt.

Sehr nah am Wunschpreis

Interessant in den Erhebungen von ERA ist vor allem eine Zahl, die überraschen dürfte - und letztlich den Preisaufschwung gerade in der Wallonie „zementiert“. Demnach wich der letztlich ausgehandelte Preis für ein Haus gerade mal zwei Prozent vom ursprünglich ausgewiesenen Preis ab. Ein Wert, der seit knapp einem Vierteljahrhundert nicht mehr erreicht wurde. Während in der Wallonie somit 98 Prozent des geforderten (oder zumindest gewünschten) Preises gezahlt wurden, waren es in Flandern mit 94,5 Prozent deutlich weniger. Zum Preisgefüge insgesamt bleibt in den fünf Provinzen vor allem eine Erkenntnis: Ungeachtet der Hausse von 5,7 Prozent (laut ERA) macht dieser Wert nur genau die Hälfte des Preisanstiegs vor genau zwanzig Jahren aus. Konkret: In 2006 verzeichnete der Markt ein Jahresplus von sage und schreibe 11,8 Prozent. Ein Wert, der nachfolgend brutal einbrach und in 2012 und 2014 kurzzeitig gar knapp ins Minus abrutschte. Auffällig in diesem Querschnitt ist zudem der sprunghafte Anstieg auf 8,3 Prozent in 2021, bedingt durch die ungewohnte Nachfrage im Nachgang zur Pandemie und dem viel kritisierten Lockdown.

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