Studie: Standort Chertal wäre für neue Kernreaktoren geeignet

<p>Die Site de Chertal beherbergte früher ein Stahlwerk und ein Warmwalzwerk, die inzwischen größtenteils abgerissen wurden.</p>
Die Site de Chertal beherbergte früher ein Stahlwerk und ein Warmwalzwerk, die inzwischen größtenteils abgerissen wurden. | Archivfoto: Eric Lalmand/belga

Demnach sind Chertal und Doel die einzigen Standorte in Belgien, die die notwendigen Eigenschaften für den Bau einer großen Atomanlage mit einer Leistung von mindestens 1.000 Megawatt und mit mindestens zwei Reaktoren aufweisen. Die neuen Reaktoren sollen paarweise errichtet werden, um die Kosten zu senken.

Das Gelände von Chertal, das sich auf dem Gebiet der Gemeinden Herstal und Oupeye befindet, beherbergte früher ein Stahlwerk und ein Warmwalzwerk, die von ArcelorMittal geschlossen wurden. Im Jahr 2024 wurde das Areal von der Wallonischen Region übernommen. Der Standort liegt jedoch weniger als acht Kilometer Luftlinie vom Zentrum von Lüttich entfernt, was möglichen Widerstand aus der Bevölkerung nach sich ziehen könnte. Darüber hinaus wurde eine Liste von sieben bis acht Standorten in der Nähe von Industriegebieten erstellt, die für den Bau neuer kleiner modularer Reaktoren (SMR) in Frage kommen.

In einer gemeinsamen Reaktion äußerten die Bürgermeister von Herstal und Oupeye, Frédéric Daerden und Serge Fillot, Zweifel an der Vorgehensweise bei der Standortbestimmung. Sie kritisierten, dass diese erfolge, ohne dass auf föderaler Ebene bislang eine globale Strategie vorgelegt worden sei, etwa zu Versorgungssicherheit, bezahlbarer Energie für Bürger und Unternehmen, Finanzierung oder technologischen Entscheidungen. Zudem seien sie zu einem möglichen Nuklearprojekt in Chertal bislang nicht konsultiert worden.

Die Gemeinden fordern eine enge Einbindung in alle weiteren Planungen.

Die beiden Bürgermeister erklärten, sie wollten sich an einer umfassenden Diskussion über das energetische Entwicklungspotenzial des Standorts beteiligen, unabhängig davon, ob es um Wasserstoff, Windenergie oder kleine modulare Reaktoren gehe. Diese Frage sei für die Lütticher Metropole von grundlegender Bedeutung, sowohl für die Bevölkerung als auch für die Wirtschaft, und erfordere eine Mobilisierung aller relevanten Akteure im Rahmen der Energiewende.

Als Prioritäten für Chertal nannten sie zum einen die rasche Sanierung dieses Areals, das sie als einzigartig für die Reindustrialisierung der Lütticher Metropole und der Wallonie bezeichneten, um dort möglichst schnell zukunftsträchtige und arbeitsplatzschaffende wirtschaftliche Aktivitäten anzusiedeln. Zum anderen forderten sie, in alle Überlegungen zur Aufwertung des Standorts eingebunden zu werden, in Partnerschaft mit wallonischen und Lütticher Akteuren. Die künftige Nutzung von Chertal müsse sowohl im Hinblick auf Beschäftigung als auch auf Lebensqualität und Sicherheit der Einwohner, insbesondere in den beiden betroffenen Gemeinden, optimal sein. Alle zukünftigen Projekte müssten an diesen beiden Kriterien gemessen werden, erklärten die Bürgermeister abschließend. (belga/jj)

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