Zur Unterstützung der Bewerbung setzte Belgien unter anderem auf den Slogan „Liège in Belgium, custom(s)-made 4 Europe“. Darüber hinaus wurden strukturelle Argumente hervorgehoben, darunter die Expertise Lüttichs im Zollwesen, die strategische Lage Belgiens sowie die Synergien mit dem Hafen von Antwerpen-Brügge.
Außenminister Maxime Prévot (Les Engagés) betonte, dass 2026 ein historischer Schritt für die europäischen Zollbehörden bevorstehe. Man werde von einem Flickenteppich aus 27 nationalen Systemen zu einer integrierten, datenorientierten Zollunion übergehen. Die neue Behörde benötige ein Arbeitsumfeld, das leicht erreichbar und international vernetzt sei – Eigenschaften, die Lüttich nach seinen Worten biete.
Der wallonische Ministerpräsident Adrien Dolimont (MR) hob die logistischen Stärken der Stadt hervor. Lüttich verfüge über einen der wichtigsten Frachtflughäfen Europas sowie über den drittgrößten Binnenhafen des Kontinents. Seit 2018 habe sich die Stadt zu einem europäischen „Zolllabor“ entwickelt, in dem große Paketströme abgewickelt und sensible Güter wie pharmazeutische Produkte sowie Waren aus den Bereichen Verteidigung und Raumfahrt kontrolliert würden.
Lüttich positioniert sich als Referenzstandort
für Fachwissen.
Als zentrales Alleinstellungsmerkmal Lüttichs gegenüber den Mitbewerbern gilt die akademische Expertise. Die Universität Lüttich habe sich als europäische Referenz im Zollrecht etabliert, erklärte Vanessa Franssen, Leiterin der Customs & Trade Law Academy (HEC), die ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der neuen Behörde bekundete.
Der Lütticher Bürgermeister Willy Demeyer (PS) stellte per Videobotschaft die Stadt als kosmopolitische Metropole mit 160 Nationalitäten vor.
Für die Unterbringung der Zollbehörde, in der künftig rund 250 Personen arbeiten sollen, ist das Gebäude des Ingenieurwesens am Val Benoît vorgesehen. Alternativ werden Standorte in der Nähe des Bahnhofs Liège-Guillemins geprüft.
Neben Lüttich bewerben sich auch die europäischen Städte Lille, Warschau, Porto, Rom, Den Haag, Málaga, Zagreb und Bukarest. Die Entscheidung liegt beim Rat und beim Europäischen Parlament, die jeweils über 27 Stimmen verfügen. Die Kandidatenstädte werden am 28. Januar von dem Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz (IMCO) des Europäischen Parlaments angehört. (belga/jj)

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