Netzengpässe in der Region Gent bremsen Industrieinvestitionen

<p>Netzengpässe verzögern neue Stromanschlüsse und bremsen Investitionen.</p>
Netzengpässe verzögern neue Stromanschlüsse und bremsen Investitionen. | Illustrationsbild: picture alliance/dpa

Nach Angaben des Stadtvorstands ist die Lage in Gent zwar noch nicht so angespannt wie in den Niederlanden, stellt jedoch ein strukturelles Problem dar. Das geht aus einer Antwort des zuständigen Schöffen Filip Watteeuw auf eine Anfrage der Gemeinderätin Sarah Van Acker (Groen) hervor. Investitionen ins Verteilnetz benötigen in der Regel ein bis zwei Jahre, während Verstärkungen im Hochspannungsnetz über Elia fünf bis sieben Jahre in Anspruch nehmen. Für Unternehmen bedeutet eine Wartezeit von zwei Jahren, dass Investitionen verschoben werden und die wirtschaftliche Aktivität unter Druck gerät.

Hohe Belastung rund um Sint-Denijs-Westrem

Der größte Druck konzentriert sich auf das Umspannwerk Sint-Denijs-Westrem, wo drei Unternehmen zusammen fast 3,5 MVA zusätzliche Leistung beantragen. Insgesamt sind acht Umspannwerke in die 13 Dossiers eingebunden. Die Namen der betroffenen Firmen wurden nicht veröffentlicht.

Alternative Lösungen gegen Engpässe

Neben klassischen Netzverstärkungen setzen der Verteilnetzbetreiber Fluvius, Elia und die Stadt Gent auf alternative Maßnahmen, um Engpässe zu begrenzen. Ein gemeinsamer Aktionsplan für die Industrie fördert lokale Flexibilität, Lastspitzenmanagement, Batteriespeicher und Energieteilung. Zudem gilt eine verbesserte Datenbereitstellung durch Großverbraucher als Voraussetzung, um gezielter ins Netz investieren zu können.

Parallel dazu laufen große strukturelle Netzprojekte. Am 15. Dezember 2025 erfolgte in Gent der erste Spatenstich für das neue 380/150-kV-Hochspannungsumspannwerk Baekeland entlang der R4-Ost. Das 400-Millionen-Euro-Projekt soll ab 2030 dem Hafen von Gent und der umliegenden Industrie zusätzliche Kapazitäten bereitstellen. Eine erste konkrete Anwendung ist der geplante Direktanschluss von ArcelorMittal Belgium an das 380-kV-Netz – notwendig für die Umstellung auf elektrische Stahlproduktion.

Nach Einschätzung des Stadtvorstands bleibt die enge Abstimmung mit Fluvius und Elia entscheidend, um eine weitere Zunahme der Netzengpässe zu verhindern, während die Elektrifizierung von Industrie und Wirtschaft voranschreitet. (belga/rt)

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