Sich selbst erkennen und Verantwortung übernehmen

Im GrenzEcho-Artikel vom 24. September 2025 über einen Appell für Meinungsfreiheit wird deutlich, dass es nicht ausreicht, Meinungsfreiheit zu haben. Sie muss aktiv genutzt werden, indem jeder Verantwortung für das eigene Denken übernimmt. Wer nicht gelernt hat, zwischen eigenem Denken und übernommenen Meinungen zu unterscheiden, passt sich meist einfach an. Das zeigt sich darin, dass Regeln, Abläufe oder Mehrheitsmeinungen übernommen werden, ohne sie zu hinterfragen. Wo kein eigenes, reflektiertes Wertesystem vorhanden ist, entsteht auch meist kein innerer Konflikt. Ein innerer Kompass bedeutet nicht, dass Anpassung automatisch unangenehm ist, sondern dass man sie bewusst beurteilen kann. Menschen mit eigenen Maßstäben erkennen, wann Anpassung sinnvoll ist und wann sie den eigenen Überzeugungen widerspricht. Diese Fähigkeit, Unterschiede zu erkennen und Entscheidungen zu treffen, ist die Grundlage persönlicher Freiheit. Fehlt sie, werden Erwartungen und Anweisungen einfach ausgeführt. Eine solche Haltung kann dazu führen, sich wie unter einer Diktatur zu verhalten, auch ohne tatsächliche politische Unterdrückung. Menschen mit festen, starren Meinungen bieten einfache Orientierung, während differenzierte, sich entwickelnde Haltungen mehr Denken und Verantwortung verlangen. Daher finden Personen ohne eigene Haltung leichter Halt in autoritären oder streng geregelten Strukturen. Erwachsenwerden bedeutet dagegen, Widersprüche auszuhalten, eigene Urteile zu bilden und Freiheit bewusst zu nutzen, ohne dabei die Freiheit anderer einzuschränken.

Friedliche, lernbereite Einstellungen fördern das gesellschaftliche Zusammenleben. Voraussetzung dafür ist jedoch politisches Interesse; fehlt es, wird politische Verantwortung weder individuell noch durch gewählte Vertreter ausreichend wahrgenommen, obwohl der Mensch als soziales Wesen eine politische Dimension hat.

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